Lass dich auf das Abenteuer ein!

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Praktikum in Neuseeland

Auf dem Wellington Writer’s Walk entlang der Waterfront findet sich, eingemeißelt in Stein, folgendes Zitat: „It’s true you can’t live here by chance, you have to do and be, not simply watch or even describe. This is the city of action, the world headquarters of the verb.” Dieses Motto lässt sich auch gut auf meine Zeit in Neuseeland anwenden.

Bevor ich nach Neuseeland kam, hatte ich zwar mit einigen Leuten über das Land gesprochen, einiges gelesen und angeschaut, nichtsdestotrotz war ich mir nicht sicher, was genau ich von meiner Zeit zu erwarten hatte. Mit Sicherheit wusste ich nur so viel: Ich würde in einer Art Studentenwohnheim mit zwei weiteren Mitbewohnern untergebracht werden, einen Monat lang eine Sprachschule in Wellington besuchen und anschließend ein viermonatiges Praktikum im Bereich Social Media Marketing in Lower Hutt absolvieren. Vorweg kann ich bereits resümieren: Meine Erwartungen wurden in allen Belangen erfüllt und übertroffen.

Nachdem ich an einem Freitag vom Flughafen abgeholt und zur Unterkunft gebracht wurde, sporadisch ausgepackt hatte, ging es am ersten Abend mit meinen zwei Mitbewohnern sogleich ins Kino, in dem ich trotz lautstarker Actionszenen jetlagbedingt beinahe eingeschlafen bin. Am nächsten Tag zeigte mir mein niederländischer Mitbewohner die Innenstadt Wellingtons und ging mit mir in den örtlichen Supermarkt, in dem ich ob der Produktauswahl und mangelnder Selektionsfähigkeit zunächst überwältigt vor den Regalen stand. Am darauffolgenden Montag begann mein Unterricht an der Sprachschule. Nach Absolvierung eines Einstufungstests wurde ich entsprechend meines Englischniveaus in einer Vormittags- und Nachmittagsklasse untergebracht. Da sich neben mir noch viele andere, darunter auch viele Deutsche, in derselben Situation befanden und ihre ersten Tage an der Schule absolvierten, war es leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Neben den Deutschen, mit denen ich aber fast ausnahmslos Englisch sprach, gab es auch reichlich Schüler verschiedenster anderer Nationalitäten (Brasilien, Spanien, Frankreich, Saudi-Arabien, Vietnam, Japan etc.), wodurch ich viele interkulturelle Erfahrungen sammeln konnte. Auch die Lehrer an der Schule waren sehr freundlich. Insbesondere den Lehrer der Nachmittagsklasse möchte ich hervorheben, der es schaffte, durch seine unkonventionelle Art zu unterrichten, einen extrem unterhaltsamen und lehrreichen Unterricht zu gestalten.

Nach fünf Tagen in Neuseeland, erlebte ich etwas, was ich in Deutschland für unmöglich halte. Gemeinsam mit besagtem Lehrer und Schülern von der Sprachschule ging es zu einer Hochzeitsfeier zwei ehemaliger Schüler. Auf mehrmalige Nachfrage, ob es denn überhaupt in Ordnung wäre, auf ihrer Feier zu sein – immerhin waren mir die Leute völlig unbekannt – wurde mir versichert, dass sie sich freuen und es mit mehr Leuten umso besser wäre.

Nachdem ich das darauffolgende Wochenende noch mit der Erkundigung Wellingtons verbrachte, ging es darauf auch schon zum ersten Wochenendausflug. Gemeinsam mit zwei neuen Bekanntschaften, die ich an der Sprachschule kennengelernt hatte, ging es in die Mitte der Nordinsel zum Lake Taupo, dem größten See des Landes, an dem wir das Tongariro Crossing absolvierten, eine zwanzig Kilometer lange Wanderung über Vulkanlandschaften. An einem weiteren Wochenendausflug zwei Wochen später schwammen wir mit Delfinen auf der Südinsel. Bereits auf diesen zwei kurzen Ausflügen konnte ich mich von der unglaublichen Schönheit der Natur in Neuseeland überzeugen, die mich sofort in ihren Bann zog. Auf insgesamt acht Wochenendausflügen konnte ich, bevor ich nach Abschluss des Praktikums für einen Monat das Land bereisen würde, bereits Neuseeland erkunden. Nach den beiden Ausflügen auf der Nordinsel, ging es zunächst auf die Westküste der Südinsel, anschließend nach Lake Tekapo und Queenstown, nach Auckland und Northland, zur Cathedral Cove nach Coromandel, auf eine Weintour nach Blenheim, zum Blackwater Rafting in den Waitomo Caves und in den Osten der Nordinsel nach Gisborne.

Nach einigen Wochen gab es einen Mitbewohnerwechsel in meiner Unterkunft. Es kam ein Amerikaner. Nach einiger Zeit lernte ich über diesen weitere Amerikaner, mit denen ich, gemeinsam mit meinem Mitbewohner viel Zeit verbrachte (Pubabende, Quiznights, Stadionbesuche, Wochenendausflüge etc.). So lernte ich nicht nur die neuseeländische, sondern sozusagen nebenbei auch noch viel der amerikanischen Kultur kennen. Mit anderen Nationalitäten (England, Frankreich, Indien, China) kochte ich gemeinsam und unternahm viele Wochenendausflüge. Außerdem ging ich, was bei einem Aufenthalt in Neuseeland natürlich nicht fehlen darf, zu diversen Rugby-Spielen, aber auch zu Fußballspielen der U20-WM.

Nach Beendigung der Sprachschule inklusive Abschiedsrede begann schließlich das Praktikum, das ich in einer Sportorganisation, dem neuseeländischen Dachverband für die Sportart Softball, absolvierte. Die männliche Nationalmannschaft in dieser Sportart ist mit sechs Weltmeistertiteln die erfolgreichste Sportmannschaft Neuseelands. Da das Team in der Organisation allerdings sehr klein ist, insgesamt nur sechs Mitarbeiter, besaßen sie kein professionelles Social Media Marketingkonzept. An dieser Stelle kam ich ins Spiel, indem ich half, gemeinsam mit meinem Praktikumsbetreuer ein strukturiertes Marketingkonzept zu entwickeln. Dies beinhaltete die Analyse von Nutzerdaten, die Ausarbeitung eines Annual Content-Plans sowie die tägliche Arbeit an den identifizierten Social Media Plattformen. Nachdem der Plan für die Praktikumsorganisation stand, entwickelte ich zudem eine Strategie für die Unterverbände, und präsentierte diesen dem Verband in Wellington. Neben dem Kern, dem Marketingkonzept, gab es Kampagnen für diverse Turniere der verschiedenen Nationalmannschaften, darunter die Weltmeisterschaft der Männer. Auch unterstütze ich das Team bei der Gestaltung der Website und verschiedener anderer Plattformen, wie z.B. einem Online Coaching Programme, bei dem ich das Backend-System benutzte. Insgesamt war es spannend, an der Gestaltung eines Marketingkonzepts beteiligt gewesen zu sein. Auch das Besondere und die Probleme dieses Arbeitsfeldes sind mir nun besser verständlich. Nach der Sprachschule kam ich im Praktikum zudem etwas mehr der neuseeländischen Mentalität und Lebensart näher. Nachdem ich mich im Verlauf meines Aufenthaltes zu einem halben Rugby-Fan entwickelt habe, bekam ich bei meinem Abschied schließlich ein Trikot der All Blacks geschenkt.

In meiner Unterkunft gab es noch einige weitere Mitbewohnerwechsel. Dabei hatte ich allerdings jedes Mal viel Glück, da die Leute zum einen immer sehr nett und zum anderen nicht aus Deutschland kamen, sodass ich während meiner gesamten Zeit fast ausnahmslos Englisch sprechen konnte.

Nach Beendigung des Praktikums konnte ich auf einer vierwöchigen Reise mit meiner Familie noch einige neuseeländische Must-Dos erledigen: Ich besuchte Hobbiton, flog mit einem Helikopter über Gletscher und Berge, sprang aus einem Flugzeug, wanderte im Abel Tasman Nationalpark und fuhr durch das achte Weltwunder, den Milford Sound.

Für jeden, der sich überlegt für längere Zeit mit Experiment e.V. ins Ausland zu gehen, möchte ich noch einen Ratschlag loswerden: Lass dich auf das Abenteuer ein und versuche nicht zurückzublicken, oder mit anderen Worten: Do or do not, there is no try!

Moritz