Keine Zeit für Heimweh - Demi Pair in Irland

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Demi Pair in Irland am Meer

Am 31. Juli 2016 spätabends landete mein Flieger in Dublin. Ich war super aufgeregt. Wie würde meine Gastfamilie sein? Würde ich den irischen Akzent auf Anhieb verstehen? Und würde mein Englisch gut genug sein, um ihnen verständlich zu antworten?
 

Mein Gastvater sowie meine zwölfjährige Gastschwester warteten bereits am Flughafen auf mich. Ich wurde herzlich begrüßt und ab ging es nach Lucan (eine große Vorstadt etwa 13 km entfernt von der irischen Hauptstadt Dublin) zu meinem neuen Zuhause für die nächsten drei Monate.

Es ging sehr schnell, dass ich mich bei meiner Gastfamilie eingelebt hatte. Ich durfte meine Gastmutter mit auf ihre Spaziergänge begleiten und lernte so ein wenig die Gegend kennen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, auf den Spaziergängen Fragen zu Land und Leuten zu stellen sowie mein Englisch zu erproben.

Die Sprache war entgegen all meinen Befürchtungen nie ein Problem. Ich kann mich nicht an eine einzige Situation erinnern, in der ich mich nicht hätte verständigen können und auch der vielleicht anfänglich etwas ungewohnte Akzent der Dubliner war mir bald vertraut. Die Erfahrung, einfach zu reden und verstanden zu werden, möchte ich um nichts auf der Welt wieder hergeben wollen. Dass die Grammatik vielleicht nicht immer ganz stimmt oder die eine oder andere Vokabel fehlt, ist alles kein Beinbruch. Wenn ich zurückdenke, wie unsicher ich zuvor Zuhause war, sobald ich einmal einen Satz Englisch sprechen sollte, tut es mir eigentlich leid, dass ich diese Erfahrung nicht schon früher gemacht habe.

Meine Hauptaufgabe in der Gastfamilie bestand in der Betreuung meines zehnjährigen Gastbruders. Ich richtete ihm etwas zu essen, wenn er von der Schule nach Hause kam, half ihm bei den Hausaufgaben, spielte mit ihm Lego, bastelte Ketten aus Kastanien, faltete Papierflugzeuge oder was ihm sonst so einfiel. Ab und zu half ich meiner Gastschwester beim Backen oder begleitete sie in die Stadt zum Einkaufen. Im Haushalt hatte ich nur kleinere Tätigkeiten, wie Kochen, Wäsche waschen oder Spülmaschine ausräumen, zu erledigen.

Ich machte bald die Erfahrung, dass das Wichtigste bei allem was ich machte, die Kommunikation mit meinen Gasteltern war. Manche Dinge waren anders, als dass ich sie von Zuhause kannte, und so war es unerlässlich sich immer wieder abzusprechen. Es war für mich sehr interessant und zugleich lehrreich, diesen Einblick in den Alltag meiner Gastfamilie zu bekommen und zu sehen, dass es auch anders als Zuhause funktionieren kann.

Bereits an meinem zweiten Tag brachte mich meine Gastmutter zur Sprachschule. Mit Hilfe eines kurzen Orientierungstests wurde ich in die richtige Klasse eingestuft.
Der Unterricht in der Sprachschule war für mich sehr hilfreich. Anders als im Englischunterricht in der Schule ging man mit dem Neugelernten zur Tür hinaus und konnte es sofort anwenden. Mir ging es nicht nur einmal so, dass mir plötzlich im Alltag, auf einer Führung oder im Gespräch mit meiner Gastmutter, Vokabeln oder Wendungen auffielen, die mir, bevor ich sie in der Schule gehört hatte, noch nie aufgefallen waren.

Von all dem was ich dort lernte ganz abgesehen, hatte ich in der Sprachschule die Gelegenheit andere junge Leute kennen zu lernen. In den Mittagspausen saßen wir gemeinsam im Pausenraum und nicht selten unternahmen wir am Wochenende gemeinsam Ausflüge. Nicht nur, dass wir uns wie ganz selbstverständlich auf Englisch unterhielten, ich bekam auf diese Weise auch Einblicke in andere für mich fremde Kulturen. So habe ich zum Beispiel in den drei Monaten nicht nur typische irische Gerichte gegessen, sondern zusammen mit den anderen Sprachschülern auch italienisch, spanisch, türkisch, österreichisch und brasilianisch gekocht und gegessen.
Ohne die Sprachschule wäre es mir sicherlich nicht so leicht gefallen, in Irland Anschluss an junge Leute zu finden. Durch die Sprachschule hatte ich von der ersten Woche an Menschen, mit denen ich etwas unternehmen konnte. So kam ich am Wochenende raus und habe zudem in den drei Monaten einiges von Irland, insbesondere von der Ostküste, gesehen.

Das Land hat mich vom ersten Moment an begeistert. Die unzähligen Grüntöne der Wiesen, die schroffen Felsen und Klippen am Meer, die vielen Schafe, die ganzen alten Ruinen und Schlösser, alles umgeben von zahlreichen keltischen Geschichten und Mythen von Feen, Kobolden und anderen Wesen. Und wenn man sich einmal in dem ganzen Grün verirrte, waren da immer noch die gastfreundlichen Bewohner dieser Insel, die einem gerne weiterhalfen. Ich bin ganz sicher nicht das letzte Mal in Irland gewesen!

Anders als ich es vor meiner Abreise befürchtet hatte, hatte ich für Heimweh gar keine Zeit. Ich war immer unter Menschen und immer unterwegs, so dass die drei Monate nur so an mir vorbei flogen. Als es auf das Ende zuging, konnte ich es kaum glauben, dass es schon vorbei sein sollte. Es war eine wahnsinnig tolle Zeit, die ich auf keinen Fall missen wollte. Ich bin glücklich und dankbar für all die Freundschaften die ich in dieser Zeit gemacht habe, für meine Gastfamilie sowie für all die Einblicke die ich in fremde Kulturen und Lebensweisen bekommen habe. Ich bin mir sicher, dass mich all das als Mensch geprägt hat und ich eine ganze Menge dieser Erfahrungen in mein zukünftiges Leben mitnehmen werde.

Abschließend kann ich einem jeden einen solchen Aufenthalt nur wärmstens ans Herz legen. Für mich war die Kombination aus Sprachschule und Au-Pair einfach perfekt. So hatte ich die Möglichkeit einen Teil meiner Zeit mit den Kindern der Gastfamilie zu verbringen, mein Englisch zu verbessern und etwas von dem Land und den Leuten zu sehen.
 

Vielen herzlichen Dank Experiment e.V.!!!

Susanne