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ESK-Tschechien-Statue-Stadt

Ein Jahr in Tschechien mit dem Europäischen Solidaritätskorps

Wenn ich meinen Freiwilligendienst in nur einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre das: Erfahrungen. Denn genau die schwirren gerade in meinem Kopf: gute Erfahrungen, schlechte Erfahrungen, Erinnerungen, Momente, Gesichter, Gespräche ... In einem Jahr als Freiwillige kann ganz schön viel passieren - und das trotz oder gerade wegen Corona. Der Bericht hier ist also wirklich nur ein kurzer Einblick. 

Knapp ein Jahr verbrachte ich in Tschechien, in einem kleinen Städtchen im Nordosten Böhmens, um genau zu sein. Dort gelandet bin ich eher zufällig, ohne größere Erwartungen und wollte das Ganze einfach auf mich zukommen lassen. Die kommenden 11 Monate sollte ich nun zusammen mit meiner Mitbewohnerin und in einer Grundschule arbeiten. In Tschechien lernen dort Kinder von der 1. bis 9. Klasse, d.h. von niedlichen Schulanfängern bis zu doch recht anstrengenden Teenagern waren alle dabei. Die ersten Tage und Wochen waren überwältigend, mit so vielen neuen Eindrücken. Ich wurde sehr freundlich begrüßt, lernte die anderen internationalen Freiwilligen kenne,  nahm an einem Sprachkurs teil und gewöhnte mich langsam ein. Meine Kollegen in der Schule waren zwar alle sehr freundlich, aber anfangs uns Freiwilligen gegenüber etwas reserviert. Das lag wahrscheinlich auch an der Sprachbarriere, denn nicht alle Tschechen, besonders in kleineren Städten, können Englisch. Unsere Hauptaufgaben in der Schule waren Assistenz im Fremdsprachenunterricht sowie Betreuung im Hort. Allerdings wussten viele Lehrerinnen nicht, was sie mit uns anfangen sollten und wir nicht, wie wir uns am besten einbringen konnten. Der Start ins „Arbeitsleben“ war also etwas holprig. Dazu kam auch noch, dass alle Schulen wegen Corona Mitte Oktober schlossen und erst Anfang Dezember wieder öffneten. Das war ein ziemlicher Schock, den niemand so erwartete. Ich fühlte mich allein gelassen, isoliert und hatte keine Ahnung wie es weitergehen sollte. Trotzdem stand für mich fest: Ich bleibe hier. Die nächsten Woche Monate waren dann auch herausfordernd. Aber ich bin auch froh für so viele Momente: regelmäßige Treffen mit einer anderen Freiwilligen WG, lange Wanderungen, gemeinsames Kochen und Backen mit meiner wunderbaren Mitbewohnerin, Filmabende... Nach und nach besserte sich die Situation, ich akzeptierte die Lage und versuchte das beste daraus zu machen. 

Nach einiger Zeit öffneten die Schulen zumindest wieder teilweise. Endlich hatte wir mehr Arbeit und Kontakt zu den Kindern. Im Laufe der nächsten Zeit spielten und bastelten wir viel mit den Kindern im Hort, gingen mit ihnen auf Ausflüge, führten eigene Projekte durch und bereiteten Aktivitäten für den Deutsch- und Englischunterricht vor. Es war beeindruckend zu erleben, wie sich die Kinder an uns gewöhnten und mitunter auch stundenlang mit uns redeten, obwohl wir nur einen Teil davon verstanden.

Die letzten drei Monate waren eindeutig die schönsten. Ich unternahm viel mit anderen Freiwilligen, reiste viel (was in Tschechien super mit der Bahn funktioniert) und war vollständig in den Schulalltag integriert. 

Auch wenn vieles nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte, bin ich unendlich dankbar für alle Erfahrungen. Ich durfte Tschechien kennenlernen: die herzlichen Menschen, die Sprache, Natur und Kultur und nicht zuletzt die niedrigen Preise. Mein Freiwilligendienst wäre nicht dasselbe gewesen ohne die anderen Freiwilligen, die ich treffen durfte. Mit ihnen habe ich eine tolle Zeit gehabt und auch gelernt, wie es ist in Europa zu leben.

Ich kann den Freiwilligendienst ESK wirklich jedem, der neugierig auf Europa und neue Menschen ist, nur ans Herz legen. Ich persönlich bin dieses Jahr an meinen Herausforderungen gewachsen und bin auch mal aus meiner Komfortzone herausgekommen. Ein Freiwilligendienst ist zwar eine Reise ins Ungewisse, die definitiv nicht immer leicht ist, aber sie lohnt sich.


Eure Verena