IJFD in Mindo, Ecuador

Wie fange ich am besten an? Und wo? Vielleicht einfach so: Mir geht es gut.
Und wahrscheinlich beginnt so oder so ähnlich fast jeder Zwischenbericht, aber ich kann es kaum glauben, dass ich schon in der Halbzeit bin! Seit meiner Ankunft am Flughafen Quito vor 3 Monaten ist schon so viel passiert und doch verging die Zeit wie im Flug.

Ich habe mich wirklich sehr gut eingelebt. Mit meiner Gastfamilie verstehe ich mich sehr gut, die Arbeit macht super viel Spaß, sodass sie sich kaum wie "Arbeit" anfühlt und das Land... hat mich schon längst in seinen Bann geschlagen.

Aber vielleicht einfach von Beginn an?
Die Verabschiedung von meinen Lieben am Flughafen fiel natürlich zunächst nicht ganz so leicht, dafür traf ich erneut auf Ariane, die Zweite, die an diesem Tag ihre "große Reise" antreten würde. Schon auf dem Vorbereitungsseminar hatten wir uns super verstanden und das machte es einfacher.

Dann ging es auch schon durch die Passkontrolle und mit klopfendem Herzen um die Ecke in Richtung Flieger. Nach einer langen Reise und Zwischenstopp in Bogota kamen wir dann nachts am Flughafen in Quito an, wo wir herzlich von zwei Mitarbeitern von EIL abgeholt wurden. Und los gings, Richtung Quito, immer weiter bergan, bis wir die Lichter der großen Stadt erreichten. Um etwa zwei Uhr morgens erreichten wir dann unser neues "Zuhause". Meine Gastmutter begrüßte mich unheimlich herzlich und ich fühlte mich sofort wohl. Meine Bedenken, ob das mit der Gastfamilie denn auch so klappen würde, lösten sich im Grunde sofort in Luft auf.

Die folgende Woche war ereignisreich wie schön. So viele neue Eindrücke, so viel Spanisch und ein volles, aber super Programm von EIL Ecuador, dass ich abends immer wie ein Stein ins Bett fiel. Wir wurden wirklich gut auf unser Projekt vorbereitet und verbrachten schöne Stunden mit unseren Gastfamilien oder in dieser vollen, bunten, einzigartigen Stadt.

Doch schnell kam der große Tag - die Abreise nach Mindo. Ich fühlte mich wieder wie zuvor, als ich in Frankfurt durchs Gate ging. Miriam fuhr uns mit dem Auto, sodass wir den Weg hinunter zwischen den grünen Berghängen in vollen Zügen genießen konnten. Was für ein Gefühl, als wir nach Mindo abbogen - das war also unser neues Zuhause. Was auch immer ich für Vorstellungen hatte, die Realität gefiel mir sehr! (Zumal wir auch gleich mit einem Besuch im Schmetterlingshaus und dem legendären Brownie der Schokoladenfabrik begrüßt wurden... Spätestens da hatten sie uns! :))

Mit meinen beiden Gasteltern verstehe ich mich super. Wir lachen viel, kochen oft und gerne und verpassen selten unsere gemeinsame Lieblingsnovela, die so wunderbar dramatisch und übertrieben ist. Auch das Essen ist klasse! Von Früchten über Avocados, Kochbananen, Yuca und all den tollen Maisgerichten, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte - ein Traum! Selbst Reis mit Hühnchen ist mir immernoch nicht überdrüssig! ;)

Meine Arbeit ist auch wirklich klasse und super abwechslungsreich. Generell ist unsere Arbeitsstelle das CEA - das Zentrum für Umweltbildung, etwa 4km aus Mindo raus im Wald gelegen. Den Weg beschreiten wir zu Fuß und jeden Morgen führt es uns durch ein beeindruckendes Panorama, der so unwahrscheinlich grünen, nebelverhangenen Berge. Über uns zwitschern die Vögelchen und an den Wegesrändern tummeln sich Schmetterlinge und andere Insekten in allen Formen und Farben. Momentan gestalten wir dort einen Teil der Anlage um; schwingen also unsere Macheten, um Platz für heimische Pflanzen zu schaffen.

Manchmal beherbergen wir auch Touristengruppen dort im CEA, wie z.B. einmal eine Gruppe Biologiestudenten, die zu Forschungszwecken in Mindo waren. Dann wohnen auch wir im Zentrum und kochen und kümmern uns - macht echt Spaß und ist super interessant.

Mittlerweile hat sich unser Wochenplan aber auch ein wenig geändert. In den Schulferien haben wir zum Bespiel einen Ballettkurs für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren angeboten. Ariane hat lange Balletterfahrung und ich unterstütze tatkräftig beim "im-Zaum-halten" der kleinen Tänzer. Die Arbeit mit den Kindern ist eine Herausforderung, macht aber auch wahnsinnig viel Spaß und am Ende sind die strahlenden Gesichter der Kinder und Eltern bei der Abschlussaufführung die schönste Belohnung gewesen.

Doch damit ist des Tanzens noch lange nicht genug. Natürlich lerne ich auch fleißig typische Lateinamerikanische Tänze wie Salsa, Bachata und deren vieler mehr, doch ist weiterer Bestandteil unserer Arbeit nun ein kleiner Fitness-Tanzkurs geworden, den wir für die Erwachsenen an drei Abenden in der Woche anbieten. Es macht richtig viel Spaß und nachher sind wir auch immer gut ausgepowert. Diese Arbeit direkt im Dorf ist einfach super. Zum einen gibt es uns eine reiche Abwechslung, besonders schön ist es jedoch auch, viele der Kinder und eben auch der Erwachsenen kennen zu lernen.

Ein anderes kleines Projekt, das wir mit anderen Freiwilligen umgesetzt haben, war ein Spielplatz an der Schule im Nachbarort, auf den wir auch ziemlich stolz sind :)

Wie man merkt, wird mir also nicht langweilig. Stets können wir Dinge machen, die gerade einfach mehr Sinn machen oder einer höhere Priorität haben. So ist es toll, dass wir die Ferienzeit für den Ballettkurs nutzen konnten und nur 1-2 mal pro Woche ins CEA zum Gärtnern gegangen sind. Für Vorschläge und Ideen sind alle sehr offen und wir können uns wirklich mit unseren Talenten einbringen.

Mindo ist mir bereits sehr ans Herz gewachsen. Wir konnten auch schon einige Events hier miterleben, so wie Karneval, an dem wir natürlich mittendrin in der großen Schlammschlacht waren. Im Vorhinein hatte ich gar nicht gewusst, was mich denn mit "Mindo" so erwarten würde. Aber wie und was auch immer ich jedoch auch vorher dachte, jetzt bin ich begeistert von diesem schönen, kleinen Ort, an dem es doch immer alles gibt, was das Herz begehrt.

Im Grunde habe ich es bereits nach wenigen Wochen gewusst, dass Ecuador genau die richtige Entscheidung war! Mir geht es wirklich sehr gut hier und bin bisher auch auf keine unlösbaren Probleme oder Hindernisse gestoßen - selbst mit den Mücken arrangiere ich mich so langsam. :)

Auch mit Ariane habe ich großes Glück, denn wir beide verstehen uns einfach richtig gut und unterstützen uns gegenseitig auch jederzeit. Und so bleiben kleine Rückschläge eben auch nur soklein - nichts was man nicht mit einem Brownie, einem Kaffee oder einem Stück der leckeren Mindoschokolade wieder beheben könnte.

Ich bin gespannt auf die nächsten drei Monate, auch wenn mir die Zeit jetzt fast schon zu schnell vergeht.

Viele Grüße aus dem mal regnerischen, mal sonnigen, jedoch immer paradiesischem Mindo,

Elisabeth Gronen