"Hier muss der liebe Gott das Paradies erfunden haben!" - Freiwilligendienst in Costa Rica

Fünf Wochen verbringe ich in diesem vielfältigen kleinen Land in Mittelamerika, um dort einen Freiwilligendienst an einer Schule zu absolvieren. Ich unterstütze die zuständige Englischlehrerin im Unterricht, übe individuell mit den Kindern, um möglichst allen denselben Wissensstand zu ermöglichen.

Die ersten Tage vor Projektbeginn verbringe ich allein in San Jose, der Hauptstadt: laut und quirlig, dennoch gut, um die Stimmung des Landes einzufangen. Die „Ticos“ sind freundlich, ihre heiteren Grüße erwidere ich schon nach kurzer Zeit mit einem lässigen „buenos“, das „dias“ schenkt man sich. Die Stadt bietet sehenswerte Museen, im stilvollen Belle Epoque-Café des Teatro Nacional trinke ich leckeren Kaffee – natürlich aus hiesigem Anbau! Von San José mache ich meine erste Bustour mit einer kleinen Gruppe zum Vulkan „Irazu“, einem von elf aktiven Vulkanen.
Tags darauf treffe ich mich mit meiner hiesigen Organisationsbetreuerin Tanya, um nach San Ramon zu fahren, wo ich die nächsten Wochen bei meiner Familie leben und in meinem Projekt arbeiten werde. Tanya ist eine wahrer Schatz: immer fröhlich, immer geduldig, nie um einen Rat verlegen! Meine Gastfamilie nimmt mich mit überwältigender Herzlichkeit auf. Sie lässt mich zu einem richtigen Familienmitglied werden. Immer werde ich integriert, nie nimmt sie es übel, wenn ich in meinem Zimmerchen sitze, um Spanisch zu lernen oder den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten!

Doch kaum dort angekommen, schließe ich mich einer kleinen Gruppe Volunteers an, um mit dem Bus zum traumschönen Nationalpark Manuel Antonio an der zentralen Pazifikküste zu fahren. Dort erwarten uns malerische feine Sandstrände, schattenspendende Palmen, der Pazifik hat Badewannentemperatur. Dazu tut sich der tropischen Regenwald mit überbordender Üppigkeit auf. Wir sehen verschiedene Affenarten, Faultiere hängen in den dichten Baumkronen ab.

Schließlich beginnt der Alltag in San Ramon. Die Stadt liegt gut 1000m hoch und hat ein moderates Klima: mal Sonne, mal bedeckt, Wind. Und wenn es regnet, dann aber auch richtig zu dieser Jahreszeit! Durch die unterschiedlichen Höhenlagen in Costa Rica gedeiht hier nahezu alles: hoch oben wachsen Kartoffeln, Zwiebeln und die auch bei uns heimischen Gemüsesorten, dazwischen blühen Rosen und Hortensien. Durch sieben Vegetationszonengelangt man durch malerische Berglandschaften zur Küste, Costa Rica zeigt sich von seiner tropischen Seite: Kaffee, Ananas, Papayas, Bananen, Mangos , Avokados! Und schließlich Mangrovenwälder und Krokodile. Hier muss der liebe Gott das Paradies erfunden haben!

Zur Schule gehe ich täglich 8 Stunden, der Freitag und das Wochenende sind frei zum Reisen. Die Arbeit mit den Kindern empfinde ich als sehr dankbare Aufgabe, durch die intensive Zuwendung zu jedem einzelnen Schüler bekomme ich einen intensiven Kontakt, die Kinder sind zutraulich und dankbar. Wir üben viel, und wir lachen viel! Da in meiner ersten Schule nur an jedem zweiten Tag Englisch unterrichtet wird, bekomme ich die Möglichkeit, die Schule zu wechseln. Dieses Angebot nehme ich gerne an, auch hier wieder sehr nette Lehrer – dankbar für meine Hilfe und Kinder, mit denen ich schnell Freundschaft schließe!

Meinen spärlichen Spanischkenntnissen rücke ich mit intensivem Spanisch-Einzelunterricht zu Leibe. Anstrengend, sehr effektiv! Und sehr lustig, wenn meine Lehrerin mit ihrer unerschütterlichen Geduld und ich uns mit Händen und Füßen verständigen!

Schließlich feiere ich meinen 60. Geburtstag! Es gibt Kaffee und Kuchen in meinem vorrübergehenden Zuhause, meine warmherzige Familie überrascht mich mit einer Bilderbuch-Geburtstagstorte und einer Rose!

Eine weitere Wochenendtour geht in die Regen- und Nebelwälder des Monteverde-Nationalparks im Norden von San Ramon. Von San Ramon geht es per Bus auf der Traumstraße der Welt, der Panamericana, nach Westen an den Pazifik durch bunte Städte, in denen lebhaftes Latino-Leben pulsiert. Nun fühle ich mich schon heimisch auf der Fahrt durch die weiten Zuckerrohrfelder. Wir schaukeln auf serpentinenartigen Naturstraßen bergauf nach Norden zum Park, hier endet die „Sightseeing-Tour“ durch menschenleere üppig grüne Täler, in denen Rinder ihr paradiesisches Leben im Schatten der gewaltigen Laubbäume und Palmen verdösen, am Horizont nebelverhangene Bergkuppen! Wir erreichen unser Ziel auf 1500 Metern Höhe, angenehme 20 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit empfangen uns. Richtig los geht es am nächsten Morgen um 6 Uhr, beste Zeit, einen Blick auf die Tiere zu ergattern. Und wir haben Glück, sehen den seltenen Göttervogel „Quetztal“, einen Tucan, Kolibris, Nasenbären, Kapuzineraffen und Faultiere.

Nach einem ereignisreichen Wochenende lande ich wohlbehalten im Schoße der Familie, wo inzwischen der Alltag eingekehrt ist, geprägt durch eine heitere gelassene Stimmung mit lebhaften Gesprächen, ich verstehe sie inzwischen recht gut und kann Beiträge zur Unterhaltung leisten!

Dann bricht schon meine letzte Woche an. In der Schule wird fleißig gelernt, aber wie immer finden wir Zeit für englische Kinderlieder und jede Menge gute Laune! Der Abschied von den Kindern und Lehrern, meiner herzlichen Familie und Costa Rica fällt schwer, ich sage „ciao“ zu diesem wunderschönen Land!

Costa Rica ist für mich ein ideales Land für einen Freiwilligendienst. Es hat die Größe der Schweiz und gilt politisch als sehr stabil und sicher, eine Armee gibt es nicht – auch deshalb die „Schweiz Mittelamerikas“ genannt! Selbstverständlich muss man Spielregeln einhalten – so wie überall auf der Welt! Mir ist es sehr wichtig, die Dunkelheit allein zu meiden. Das tun im Übrigen auch die Einheimischen! Die Ticos und Ticas sind sehr freundlich, offen und tolerant, sie gelten als die glücklichsten Menschen der Welt! Deshalb ist das Reisen mit öffentlichen Bussen, sowohl allein als auch gemeinsam mit anderen Volunteers überhaupt kein Problem. Zuverlässige Busfahrpläne existieren nicht, daran gewöhnt man sich schnell. Außer Schulprojekten bieten sich Natur- und landwirtschaftliche Programme an.

Anne-Christin