Ein halbes Jahr in Neuseeland

Einzigartig, wunderschön, unvergesslich – So kann man viele Orte in Neuseeland beschreiben, ob Bungee Jumping, Wandern in der Mondlandschaft des Tongariro National Parks oder Wale-watching im Pazifik. Als Demi Pair sieht man aber neben den großartigen Touristen Attraktionen, die so viele Backpacker nach Neuseeland ziehen, auch eine ganz andere Seite vom „Land der weißen Wolke“.

Mein Alltag umfasste in diesen sechs Monaten fordernden Englischunterricht, alles was mit Haushalt zu tun hat und natürlich Holly, mein Aupair Kind. Die neunjährige Holly war immer bis drei Uhr in der Schule, wo ich sie dann meistens abgeholt habe. Dann sind wir an zwei Wochentagen einmal zum Rollerskating und einmal zu einem Computerclub. An den anderen Wochentagen hatten wir Freizeit, die wir am liebsten zum Backen oder ins Schwimmbad gehen genutzt haben.

Wenn ich Probleme hatte, haben ihre Eltern mich immer sehr unterstützt. Generell habe ich mich sehr gut mit meinen Hosteltern verstanden. Abends habe ich öfters mit ihnen ein Glas Wein getrunken und einen Film geschaut. Sie haben mich auch im Januar mit in den Urlaub genommen und waren auch damit einverstanden, wenn ich mit Freunden Wochenendtrips machen wollte oder abends weggehen wollte.

Wochenendtrips habe ich sehr viele gemacht, weil ich leider nach dem Programmende keine zusätzliche Zeit zum Reisen eingeplant hatte. Ich würde definitiv jedem empfehlen wenigstens noch drei Wochen nach dem Demi Pair Programm Zeit zum Reisen einzuplanen, denn in Neuseeland lohnt es sich echt. Es gibt so viel zu sehen und wenn man mal da ist, sollte man das auf jeden Fall nutzen.

Trotzdem geht es auch mit Wochenendtrips und ich kann mich echt nicht entscheiden, was jetzt eigentlich am besten war. Allgemein die Natur in Neuseeland ist unglaublich. Nirgendwo sonst gibt es einen so blauen Himmel und selbst Wellington ist viel grüner als ich mir das von einer Hauptstadt hätte vorstellen können. Dazu kommt, dass das Wasser immer überall in allen Seen und Flüssen und im Ozean kristallklar ist und auf der Insel Neuseeland ist man nie weit weg vom Wasser. Also Kamera mitbringen ist ein absolutes Muss.

Ich habe gleichzeitig in der Sprachschule das Cambridge Zertifikat gemacht. Ich war vorher nicht sicher, ob ich ein Cambridge Zertifikat überhaupt schaffen würde, weil ich in der Schule nicht unbedingt gut in Englisch war. Dass ich es doch geschafft habe, ist hauptsächlich Claires Verdienst, die unseren Cambridge Kurs unterrichtet hat. Mein Englisch hat sich in der Zeit wirklich enorm verbessert. Allerdings habe ich von vielen Leuten aus den „normalen“ Kursen gehört, dass sie sich dort eher langweilten und nicht das Gefühl hatten sich groß zu verbessern.

Was dem Englischlernen vielleicht auch ein wenig im Weg stehen kann, ist die enorme Anzahl Deutscher, die man in Neuseeland trifft. Jeder achte in Neuseeland Lebende kommt aus Deutschland – wobei die meisten natürlich Backpacker sind und nur ein paar Monate bleiben, aber es kommen immer neue nach. Es ist also nicht unüblich in jeder Bar, in jedem Kino, auf jeder Wanderung und an jedem Strand Deutsche zu treffen. Einerseits liegt der Kulturschock, den man in anderen Ländern normalerweise in den ersten Wochen kriegt, bei null (auch weil die neuseeländische Kultur als westliche der unseren sowieso sehr ähnelt). Andererseits hatte ich dadurch auch das Gefühl, dass ich vielleicht nicht so viel Neues mitnehmen konnte, wie ich aus einem weniger bereisten Land hätte mitnehmen können.

Wahrscheinlich muss man jedoch sagen, ich habe nicht weniger mitgenommen. Die Erfahrungen waren nur einfach anders als ich erwartet hatte, da ich nicht damit gerechnet hatte immer in einer Gruppe von vier oder fünf Deutschen unterwegs zu sein. Ich halte meinen Neuseeland Aufenthalt trotzdem für eine der schönsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe, und hoffe ich kann wiederkommen.