Governor’s Institute 2017 in Vermont

Das erste Mal, das ich alleine fliegen musste, und das gleich 8 Stunden lang, nach Boston, wo mich jemand Wildfremdes in Empfang nehmen würde. Ich war definitiv aufgeregt. Wie würde das Governor's Institute sein? Welche Kurse würde ich wohl belegen? Woher würden meine Zimmergenossinnen stammen?

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Ferienprogramm USA Governorce Institute

Die Unruhe in mir war jedoch wie weggeblasen, als ich am Flughafen herzlich von zwei Teamern und der Gruppe aus Irland begrüßt wurde, mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Nach einer kurzen Nacht war der erste Tag des Programmes schon da und die sogenannte GICIYA+ Gruppe,

also alle Teilnehmer, die nicht aus Vermont stammten, begann ihren ersten Ausflug in die Stadtmitte von Brattleboro. Beim Schaufensterbummel und Kaffee trinken schloss ich erste Freundschaften mit den quirligen Spaniern und auch die Amerikaner aus Florida, Texas und Illinois waren alle sehr freundlich und aufgeschlossen. Als am Nachmittag endlich alle Teilnehmer aus Vermont ankamen, lernte ich auch endlich meine zwei Zimmergenossinnen kennen, zwei super nette und lustige Vermonterinnen.

Am zweiten Tag wählten wir dann auch schon unsere sogenannten "Issue Groups", in denen wir sechs Mal für je zwei Stunden zusammen kamen und bei der Entscheidung zwischen Leadership, World Religion & Violence, Youth ID & Social Justice, Education for Social Change oder Politics, wählte ich letzteres. Ich hätte es nicht besser treffen können, denn der Professor unterrichtete am Brooklyn College, war sehr belesen und allgemein ein sehr intelligenter und freundlicher Mensch.

In unserer sehr diversen Gruppe kam es öfter zu hitzigen Diskussionen. Durch diese Diskussionen haben wir sehr viel voneinander gelernt, insbesondere Europäer von Amerikanern, Liberale von Konservativen und andersherum und haben über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut. Obwohl unsere Meinungen teilweise sehr weit auseinander gingen, waren unsere Wortgefechte trotzdem immer sehr respektvoll und alle versuchten Verständnis für die andere Seite zu zeigen, was mich sehr beeindruckte.

Des Weiteren durften wir uns eine sogenannte "Forum Theater Group" aussuchen, in welcher wir in kreativer Weise etwas zu dem Programm erarbeiten sollten, was dann am Ende den Eltern vorgestellt wurde. Bei der Auswahl zwischen jeder erdenklichen Kunstform entschied ich mich für Kreatives Schreiben, da ich daran schon seit ich klein bin interessiert bin, und habe von meiner lieben Lehrerin Michelle und auch den anderen Kursteilnehmern so Einiges gelernt.

Die abendlichen Aktivitäten waren jeden Tag unterschiedlich, einmal besuchte uns eine Sängerin, ein anderes Mal sprachen wir über ernstere Themen wie Mobbing und HIV, dann gingen wir aber wieder zu einem "Barn Dance". Meine liebste Abendaktivität war kubanisches Tanzen, was mir als Tänzerin besonders viel Spaß machte.

Neben den regelmäßigen Kursen besuchten wir aber auch einmalige Workshops, bei denen ich Neues über die Beziehung zwischen den USA und Russland, Entwicklungshilfe, Vergebung, Klimawandel, Reden halten und Networking lernte.

Mein absolutes Highlight meines ganzen Aufenthaltes in Vermont war dann definitiv der 4. Juli, an welchem wir ein vollgepacktes, aber spaßiges Programm hatten. Mit am Vortag selbstgemalten Plakaten liefen wir auf der Brattleboro Parade mit und demonstrierten für Demokratie und weitere aktuelle Probleme, die uns am Herzen lagen. Danach ging es für uns zur Abkühlung erst an einen See schwimmen und danach zum Eis essen und Minigolfen. In einem wunderschönen Garten aßen wir dann ein typisch amerikanisches Barbecue und kühlten und erneut im See ab, bevor es für uns zurück in die Stadt ging, wo wir das Feuerwerk beobachteten. Obwohl mir der Patriotismus der Amerikaner anfangs fremd war, ließ ich mich von der guten Laune mitreißen und ich werde diesen Tag wohl nie mehr vergessen. Auch beim Lagerfeuer mit Marshmallows mit meinen Freunden hatte ich unheimlich Spaß bei der typisch amerikanischen Aktivität.

Der letzte Abend war, obwohl sehr emotional, ein sehr schöner Abschluss, denn wir zogen uns alle schick an und hatten ein besonderes Abendessen mit Tanzeinlagen der Teamer und Gastrednern. Bei der anschließenden Open Mic Night durfte jeder sein Talent zur Schau stellen, viele sangen oder tanzten, auch die Teamer performten zu den Back Street Boys und wir kamen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Zur Krönung rief ich dann alle Europäer auf die Bühne und wir bedankten uns für die Gastfreundlichkeit der Amerikaner und sangen ihnen gemeinsam die Europa-Hymne vor.

Der letzte Tag mit den Vermontern war sehr emotional, die Kunstpräsentationen zeigten sehr viel Persönliches und der Abschied von meinen guten Freunden fiel mir definitiv nicht leicht. Zur Aufheiterung gingen die Teamer mit der verbliebenen GICIYA+ Gruppe in eine Mall, wo wir dann Souvenirs und amerikanische Klamotten für uns selbst kaufen konnten.
Den letzten vollen Tag verbrachten wir in einem Kletterpark und es kostete uns viel Überwindung, machte jedoch auch unheimlich viel Spaß. Nach dem Pizza-Essen beendeten wir den Tag mit Snacks und dem Film „Ich, einfach unverbesserlich 3“ in einem Drive-in-Kino, etwas, das es in Deutschland nur selten gibt.

Am nächsten Morgen folgte dann das Koffer packen, das letzte Frühstück und dann der traurige Abschied vom Team, den Amerikanern und dem Campus, bevor es für die Europäer noch in die Innenstadt von Boston und anschließend nach Harvard ging. Gegen Mittag mussten wir dann zum Flughafen und der Abschied von den Europäern fiel mir sehr schwer, da ich mit Ihnen die meisten Zeit verbracht hatte, jedoch versprachen wir uns, einander zu besuchen. Müde aber glücklich kam ich dann am nächsten Tag in Deutschland an und habe seitdem täglich Kontakt mit meinen Freunden aus dem Governor's Institute.

In meinen 12 Tagen am Governor’s Institute habe ich wohl mehr über Politik und andere Kulturen gelernt, als in 10 Jahren Schule und auch meine Sprachkenntnisse haben sich um Einiges verbessert. Ich habe Freundschaften fürs Leben auf der ganzen Welt geschlossen und wurde dazu motiviert, mich in nächster Zeit noch mehr zu engagieren. Auch das in Amerika gewonnene Selbstvertrauen wird mir bei meinen kommenden Projekten helfen, die Teamer haben einem immer sehr positiv zugesprochen und uns inspiriert und auch die Bekanntschaft mit den anderen engagierten Teilnehmern, die einen immer unterstützen, hilft ungemein.

Ich kann Experiment E.V. gar nicht genug dafür danken, dass sie mir durch das David-Murdoch-Stipendium die Teilnahme an diesem Programm und somit die schönste Reise meines bisherigen Lebens ermöglicht haben!

Nun heißt es für mich Geld sparen, damit ich nächsten Sommer nach Irland, Spanien und Amerika reisen kann und meine Versprechen einlösen kann!