Freiwilligendienst in Kalifornien

Wenn ich meine Zeit als „volunteer“ in Kalifornien zusammenfassen müsste, dann würde ich sie als aufregend, spaßig, herausfordernd und abenteuerlich beschreiben. Ich werde mich immer an die vielen Momente mit meiner Gastfamilie und den Kindern im Projekt erinnern, die mir gezeigt haben, dass die Menschen – egal wo sie auf der Welt wohnen – viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben.

Ich lebte in einer Gastfamilie in Hesperia, Kalifornien, mit Gasteltern, einer Gastschwester, 7, und einem Gastbruder, 5. Meine Gastoma war mit 18 Jahren von Deutschland nach Amerika ausgewandert und freute sich wieder etwas Deutsch zu sprechen. Alle lebten zusammen in einem großen Haus, von denen die allermeisten in diesem Teil des Landes einstöckig sind. 4 Hunde, 2 Katzen, Meerschweinchen und Vögel gehörten auch mit zur Familie. In der Natur gab es zudem viele Eidechsen und Eichhörnchen zu sehen und in den Bergen sind auch Bären zu Hause.

Die Kinder der Gastfamilie wurden von der Mutter zu Hause beschult, was in den USA nicht unüblich ist und hatten in ihrer Freizeit stets viel Programm, so u.a. Basketball, Karate, Tanzen, Schwimmen, etc. Auch eine große Geburtstagsparty durfte ich miterleben – American style! In der Woche vor dem Geburtstag wurde in Massen eingekauft und jede Geburtstagsparty hat ein eigenes Thema, so z. B. „The Avengers“ oder „Minions“. Im Garten wurde eine riesige Hüpfburg mit Wasserrutsche aufgestellt und Hot Dogs, Pizza und Eiscreme gingen nie aus.

Gearbeitet habe ich im „Summer Kids Kamp and Outdoor Adventure Kamp“ in Hesperia, was mir jeden Tag viel Spaß gemacht hat. Im Kids Kamp wurden die Kinder in verschiedene Altersgruppen eingeteilt, z. B. 5- bis 6-jährige, 7- bis 8-jährige, usw., wobei jede Gruppe 20 bis 30 Kinder umfasste. Die Kleinen wachsen einem schnell ans Herz, auch wenn man immer die Ohren und Augen offen halten muss, damit es kein Gerangel oder Streitereien gibt. Jeden Tag wurde ich einer anderen Gruppe als Helfer zugeteilt und spielte z. B. Baseball oder Fußball mit ihnen, ging mit auf den Spielplatz, passte auf, dass beim Mittagessen und Snack alles ordentlich verlief und bastelte und malte mit ihnen. Wenn der Temperaturanzeiger wieder mal an die 40 Grad im Schatten ging, gehörte eine ordentliche Wasserschlacht natürlich mit zum Programm! Im Outdoor Adventure Kamp wurde zusätzlich noch Bogenschießen, Fischen, etc. angeboten.

Auch an Ausflügen konnte ich teilnehmen, so z.B. an den wunderschönen „Arrow Lake“, an dem millionenschwere Villen, z.B. von Jay Leno, zu sehen sind; nach Los Angeles und in die Universal Film Studios in Hollywood. Die Landschaft, die man unterwegs sieht, ist atemberaubend – hohe Bergketten, lange Streifen aus Wüste und Steppe und dann wieder die majestätischen Redwood-Bäume in den Nationalparks. Außerdem gehörten Wasserrationierung und riesige Waldbrände zu meinem kalifornischen Sommer mit dazu. Doch auch einfach das alltägliche Leben von typischen Amerikanern mitzuerleben ist sehr interessant, z.B. wenn man mit der Gastfamilie zu einem der großen Supermärkte fährt und dort Wochenrationen in ganz anderen Dimensionen als bei uns in Deutschland kauft. Die Auswahl an Produkten dort ist gigantisch, z.B. wenn es so viele Sorten Cornflakes gibt, soweit das Auge reicht.

Natürlich gab es hier und da auch kulturelle Unterschiede, z. B. in der Erziehung, im täglichen Miteinander, oder bei der Arbeit. Doch mein Experiment e.V. Vorbereitungsseminar hatte mich so gut geschult, dass ich mir in jeder Situation, in der ich versucht war alles mit Deutschland und unseren Gewohnheiten zu vergleichen, eines der wichtigsten Mottos von Experiment vor Augen hielt und zwar: Go to learn, not to teach! So blieb ich nicht nur eine Außenstehende, die alles be- und verurteilte, sondern wurde wirklich Teil der Familie, der Kultur und der Gemeinschaft in meinem Projekt und kann diese Einblicke nun zu Hause mit meinem Umfeld teilen. Die Zeit hat mich gelehrt, wie ich Vorurteile abbauen und Verständnis aufbauen kann. Am Ende weiß ich: „Just go with the flow!“

Ich möchte mich noch einmal ganz, ganz herzlich bei Experiment und dem super Team um Ana bedanken, vor allem auch bei den Ehrenamtlichen, die unser Vorbereitungsseminar unvergesslich gemacht haben. Ohne das Stipendium von Experiment hätte ich diese ganzen Erlebnisse nie machen können. Ich werde mich immer gern an die tolle Zeit in Kalifornien zurückerinnern!

Fiona