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FWD_Ungarn

Freiwilligendienst im bilingualen Kindergarten in Ungarn

Mittlerweile ist schon alles Routine geworden: Man weiß, wo man gut einkaufen kann, kennt die Kinder, die Eigenheiten der Erzieherinnen. Die Mitbewohnerinnen und Mitfreiwilligen sind zu Freunden geworden. Man fühlt sich wohl. Das war aber nicht immer so – unser Freiwilligendienst begann etwas gehetzt ...

‚Noch schnell über die Grenze‘, heißt es für uns Ende August 2020, bevor Ungarns Grenzen ab 01. September geschlossen werden. Die Information der Grenzschließung bedeutete für uns schnelles Kofferpacken, Umbuchen unserer Reise und eine rasche Verabschiedung von Familie und Freunden. Unsere spannende Reise nach Ungarn beginnt.

Während des Aufenthaltes haben wir immer wieder Zeitpunkte erlebt, an denen nicht klar war: Können wir bleiben oder wird alles abgebrochen? Doch die Konfrontation mit einer womöglich bevorstehenden Abreise hat uns gelehrt, unsere Zeit in Ungarn zu genießen zu wissen. Wir haben die Quarantäne genutzt, uns als Gruppe von Freiwilligen richtig kennenzulernen. Wir konnten uns von Anfang aufeinander verlassen, haben viel gelacht und alles gemeinsam kennengelernt, tiefe Freundschaften entstanden. Als bald die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden, waren wir natürlich traurig, wussten aber das Beste daraus zu machen. Als Gruppe begannen wir gemeinsam zu kochen und den anderen Rezepte aus dem eigenen Heimatland vorzustellen. Dabei sind Spezialitäten wie Spätzle, Tortilla Patata und Lasagne, aber auch ungarische Gerichte, wie Palacsinta, Pfannkuchen, Lecsó, eine Art Eintopf mit ganz viel Paprika, und Gulaschsuppe.

Bei der Arbeit im Kindergarten haben wir oft gehört: „Es tut uns leid, dass nicht alles ist, wie ihr und wir es uns vorgestellt haben. Durch die Pandemie läuft auch im Kindergarten einiges anders“. Doch was wir erlebt haben, ist, dass Hilfe besonders in Ausnahmesituationen gebraucht wird. Es sind kleine Aufgaben, wie ein Kind für den Nachhauseweg fertigzumachen, weil die Eltern aufgrund von Hygienevorschriften den Kindergarten nicht betreten dürfen, oder den Essenwagen für die Helferin zur Küche zu schieben, weil sie gerade Spielzeug desinfiziert. Der Dank ist jedoch umso größer.

Auch die Kinder freuen sich bei den Kontaktbeschränkungen, die nachmittägliche Treffen mit Kindergartenfreunden verhindern, dich als Spielkameraden zu haben. Für uns im bilingualen Kindergarten war es auch schön, mit weniger Kindern zu arbeiten. Wir hatten die Möglichkeit, mehr auf die einzelnen Kinder einzugehen, sodass wir mit mehr Zeit und Materialien erfolgreich die deutsche Sprache gelernt haben.

Natürlich verläuft ein Freiwilligendienst während einer Pandemie anders. Doch für seine Umwelt und Mitmenschen wird man um einiges aufmerksamer. Selbstverständlich wäre es schöner, ohne Corona, ohne Kontakt- und Projektbeschränkungen und mit Reisefreiheit in Ungarn zu sein und den Freiwilligendienst zu machen. Letztendlich ist es aber immer noch eine einmalige Erfahrung, als Freiwillige zu arbeiten, in einem anderen Land zu leben und unglaublich inspirierende und tolle Leute kennenzulernen. Wir können jedem, der ins Ausland gehen möchte, aus tiefstem Herzen raten: lass Dich nicht von Corona abhalten! Es wird mit Sicherheit anders als erwartet, aber genau das ist das Spannende.