Freiwilligendienst mit 17 – eine tolle Erfahrung in Ecuador

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Freiwillgiendienst in Ecuador mit 17 Jahren

Meine geplanten sechs Monate Freiwilligendienst mussten zwar auf 11 Wochen verkürzt werden, dennoch habe ich eine Vielzahl an neuen und spannenden Erfahrungen im Land Ecuador gesammelt.

Meine Reise begann mit einem 11-stündigen Flug nach Quito, wo ich am Flughafen von Noemi und Luis abgeholt wurde. Im Anschluss habe ich dann direkt meine Gastfamilie kennengelernt und durfte bei ihr einziehen. Meine Gastfamilie nahm mich direkt mit der stürmischen ecuadorianischen Mentalität in ihre Familie auf. Die Familie bestand aus drei Personen: Martha, Martin (mein Gastbruder) und Carol (meine Gastschwester). Doch auch wenn ich sehr gerne meine gesamte erste Zeit mit der Gastfamilie verbracht hätte, waren meine ersten vier Wochen in Quito schon voll mit Programm: Morgens Sprachschule, danach teilweise Besichtigungen und an den Wochenenden Ausflüge, zum Beispiel nach Otavalo. Zeit für einen richtigen Kulturschock blieb mir da fast gar nicht, weil ich abends todmüde ins Bett fiel und einfach sofort einschlafen musste. Die vier Wochen waren so schnell vorbei, wie sie angefangen hatten.

In das Urwalddörfchen Ahuano, in dem ich meinen wirklichen Dienst ableisten würde, kam man nach einer fünfstündigen Taxifahrt nur durch Überquerung eines Flusses, dem Rio Napo. Schon da wurde mir klar, dass sich das Leben im Regenwald noch einmal enorm vom Leben in Quito unterschied. Anders als meine Gastfamilie in Quito konnte meine Gastfamilie in Ahuano überhaupt kein Englisch, was ich allerdings super fand, da ich dadurch mein Spanisch einfach verbessern musste. Meine Familie lebte in einem selbstgebauten Haus – es ist aber anders als man sich das vorstellt, denn das Haus der Gastfamilie war eins der schönsten, die ich je gesehen habe. Mein Gastvater German hatte es selbst gebaut und es war einfach ein Träumchen. Der Familienwechsel tat mir gut, da meine Gastfamilie in Quito gegen Ende das Interesse an mir verloren zu haben schien. Meine Gastfamilie in Ahuano bestand aus sechs Personen: meinen drei kleinen Schwestern Dulce, Paulina und Christina, meinen Gasteltern German und Narcissa und dem Hausmädchen Kati. Auch die zwei Katzen und Hühner waren Teil der Familie, auch wenn mir nach ein paar Tagen auffiel, dass es überraschend oft Huhn zum Frühstück gab.

In Ahuano wurden mir insgesamt die Entwicklungsunterschiede in Ecuador noch einmal richtig bewusst. Ahuano besteht zu 70% aus sogenannten Kitchuas, den Eingeborenen. Die Kinder von diesen sollte ich unterrichten und ich war doch sehr überrascht, dass diese kein Papier, keine Stifte und erst recht keine Schere zu Hause hatten. Als ich einmal Aufkleber in die Schule mitgebracht habe, war dementsprechend die Aufregung groß. Doch nichts destotrotz konnte man die Freude den Kindern ansehen und auch die Bereitschaft zu lernen war groß. Auch wenn ihr Englisch sich nach meiner Zeit nicht wirklich verbessert hatte, bin ich der festen Überzeugung, dass es für die Kinder schön und bereichernd war, auch mal mit Farben malen zu können oder Memory zu spielen, weil das bei ihnen zu Hause nicht immer möglich war.

An das Leben außerhalb der Zivilisation (was so auch nicht ganz stimmt, weil es doch eine Einkaufsstraße mit vier Kiosken und ein paar Ständen gab), konnte ich mich schnell gewöhnen. Meine Gastfamilie zeigte mir die schönen und die problematischen Seiten des Regenwaldes und Ahuanos. Ein großes Problem stellt zum Beispiel das junge Alter dar, in dem viele Mädchen schwanger werden, manchmal schon mit 13 oder 14. Meine Gastmutter, die als Krankenschwester arbeitet, versucht hier eine grundsätzliche Aufklärung zu schaffen, doch von Verhütung war hier beispielsweise nie die Rede.

Trotz dem ungewohnten Lebensstil vergingen die sieben Wochen im Regenwald viel zu schnell und ich war ein bisschen traurig, als ich (wegen der Uni) dann doch schon so früh zurückkehren musste. Ich komme auf jeden Fall irgendwann wieder!

Brenda