Einzigartige Lebensfreude - 3 Monate Freiwilligendienst in Chile

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Freiwilligendienst in Chile

Das Abi in der Tasche und was nun? Für mich war klar: Ich möchte ein fremdes Land kennenlernen. Deshalb entschied ich mich für einen Freiwilligendienst in Chile.

Zunächst lernte ich in einem zweiwöchigen Sprachkurs in der Hauptstadt Santiago hauptsächlich den typischen chilenischen Slang, denn ohne diesen versteht man selbst mit ein paar Brocken Spanisch in Chile nur Bahnhof. Nach dem kurzzeitigen Großstadtleben saß ich auch schon im Bus nach La Cruz, meinem neuen Zuhause für die nächsten drei Monate, etwa 100 Kilometer nördlich von Santiago.

Mein Projekt fand in zwei Einrichtungen in La Calera statt, was ich mit dem „Micro“ (dem chilenischen Minibus) in etwa 15 Minuten erreichen konnte, statt. So habe ich morgens im „Colegio Antumapu“ im Englischunterricht der Schule geholfen und nachmittags in einer Art Kinderheim namens „Refugio de Cristo“ mitgearbeitet.

Ein typischer Tag begann für mich in der Schule. Ich half im Englischunterricht, die verschiedenen Klassen umfassten dabei das ganze Spektrum - von Vorschule bis Abschlussklasse. Meine Tätigkeit bestand darin, dass ich besonders mit den jüngeren Schülern die Aussprache und neue Grammatik übte. Bei den älteren Kindern korrigierte ich oft nur die Aufgaben und stand für Fragen zur Verfügung, da sie sehr selbstständig arbeiteten. Nach der gemeinsamen Mittagspause mit dem Kollegium ging ich zum „Refugio de Cristo“, wo ich den Betreuerinnen beim Putz der Räumlichkeiten half, bis die Kinder aus der Schule zurückkehrten. Danach spielten wir zusammen oder lernten, falls ein Test bevorstand.

Den schönsten Moment in meinem Projekt erlebte ich mit einem Vorschulkind. Für eine Vorführung vor den Eltern musste jedes Kind der Klasse drei kleine Sätze auf Englisch lernen. Ich probte mit einem Jungen und brachte ihm seinen Text Stück für Stück bei, was sich als kleine Herausforderung darstellte, da die Kinder natürlich noch gar nicht lesen können. Nach einiger Zeit hatten wir uns eine kleine Technik überlegt, indem ich nur nacheinander drei Finger heben musste und er dann seine drei Sätze aufsagte. Im Laufe der Stunde saß derselbe Junge nun mit dem Lehrer, mit dem ich in der Klasse war, zusammen und hatte Schwierigkeiten mit seinem Text. Ich ging zu ihm hin und hob nacheinander drei Finger und siehe da: er konnte die Sätze fehlerfrei aufsagen. Nicht nur der Lehrer war begeistert, dass ich es ihm mit meiner eigenen Technik beigebracht hatte, sondern auch der Junge freute sich, dass er seine Aufgabe so gut gemeistert hatte.

Es hat mir besonders gefallen, mit den Kindern zu arbeiten, da sie eine einzigartige Lebensfreude ausstrahlen und sich unendlich freuten, wenn sie etwas Neues gelernt haben und selbst den Erfolg spürten. Natürlich war es nicht immer einfach, da ich im Kinderheim nur Kinder vor mir hatte, die mit ihren 8 Jahren schon schreckliche Dinge gesehen haben. Doch ich merkte sofort, dass die Kinder dort glücklich sind und ihre Betreuerinnen trotz der harschen Worte, wenn jemand mal wieder seine Schuluniform auf dem Boden liegen gelassen hat, nicht missen wollen.

Auch in der Schule war die Verbindung zwischen Schüler/in und Lehrer/in viel stärker als sie hier in Deutschland ist. Zur Begrüßung wurde ich von der Hälfte der Erstklässler in den Arm genommen und auch die älteren Schüler tauschten sich in der Pause gerne mit ihren Lehrern über ihre Freizeit und Hobbys aus. Egal, ob ich mich im Kinderheim, in der Schule oder auf einer Grillparty meiner Nachbarn befand, überall fühlte es sich wie eine kleine Familie an. Die Sympathie und Gastfreundlichkeit unter den Chilenen ist mir fast täglich positiv aufgefallen.

Meine Tätigkeit in Chile hat mir eine Menge Spaß gemacht und auch außerhalb der Arbeit habe ich tolle Menschen kennengelernt, interessante Gespräche geführt und drei Monate erlebt, die ich auf der Stelle wiederholen würde.

Anna-Lisa