Einmal Neuseeland und zurück - Gegenbesuch beim Gastkind

Im Sommer 2016 haben wir uns zum zweiten Mal entschlossen, eine Austauschschülerin für einen längeren Zeitraum als Gast aufzunehmen. So kam uns die Anfrage von Experiment, im Februar 2017 eine Schülerin aus Neuseeland für ein halbes Jahr aufzunehmen, sehr entgegen.

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Gastschülerin Betty und ihre Karnevalsgarde

Das Abenteuer Gastfamilie beginnt

Betty ist eine aufgeschlossene, sehr interessierte Schülerin. Da sie ein Jahr älter als unsere Tochter war, hatte sie sich bereits nach zwei Wochen dazu entschieden, in eine höhere Klasse zu wechseln und einen eigenen Freundeskreis aufzubauen. Ich denke, dass hatte für beide Mädchen den Vorteil, dass sie zwar immer doch gemeinsame Aktivitäten planen konnten, aber nicht völlig aufeinander fixiert waren.

Wir haben uns von Anfang an so gut verstanden, dass Betty sich nach kurzer Zeit entschlossen hatte, für ein ganzes Jahr in Deutschland zu bleiben.

Das Jahr haben wir genutzt, um viele Ausflüge zu unternehmen, gemeinsam den Kirchentag in Berlin zu besuchen (die Rede Obamas hatte sie tief beeindruckt) oder nach Dänemark in Urlaub zu fahren.

Aber auch mit ihren Freunden hat Betty viel unternommen. Dass sie dabei z.B. beim open-flair-Festival in Eschwege wegen des vielen Regens nur noch durch den Schlamm waten konnten und dass unser altes Zelt dann doch nicht mehr ganz regendicht war, hat sie nicht erschreckt, denn Regengüsse war sie aus ihrer Heimat gewohnt.

Sicherlich war der Aufenthalt von Betty für uns auch deshalb einfach, weil sie zu Beginn ihres Aufenthaltes gerade volljährig geworden war und damit einige Probleme umgangen werden konnten. Aber sie hat sich immer an die verabredeten Regeln gehalten und wir haben schnell gemerkt, dass wir uns völlig auf sie verlassen konnten.

Eine Neuseeländerin im Karnevalsverein

Da Betty in Neuseeland im Nationalteam der Cheerleader aktiv war, haben wir versucht, einen Ersatz zu finden, was sich jedoch als schwierig erwies. Bis wir schließlich auf die Idee kamen, ihr den örtlichen Karnevalsverein vorzuschlagen. Die Choreographie und die Bewegungsabläufe von Cheerleader und Garde ähnelten sich durchaus, und so hat Betty begeistert in einem sehr deutschen Verein mittrainiert. Und so kam ich den Genuss, zum ersten Mal an der Proklamationsfeier des Prinzenpaares teilzunehmen. Ansonsten wäre ich nie auf die Idee gekommen, so ein Fest zu besuchen.

Zum Ende des Aufenthaltes kam noch ihre japanische Freundin Ayano, die mittlerweile in Auckland lebt, zu Besuch. Sie wollte eigentlich nur drei Tage bleiben, aber dann haben sich alle anderen Verabredungen mit europäischen Bekannten zerschlagen – und sie blieb zweieinhalb Wochen. Auch da war unsere Flexibilität gefragt. Aber die Begegnungen mit beiden hat uns nachhaltig beeindruckt.

Uns allen ist der Abschied nach einem Jahr sehr schwergefallen.

Gegenbesuch in Auckland

Und so hat es dann nicht sehr langer Zeit bedurft, bis sich unsere Familie zu einem Besuch in Auckland entschlossen hatte.

Um es kurz zu sagen: Wir hatten dort eine fantastische Zeit. Wir sind am 24.12.2018 dort angekommen und haben sowohl Heiligabend (welches gleichzeitig auch der 18. Geburtstag unserer Tochter Lavinia war), also auch die Weihnachtsfeiertage gemeinsam verbracht. Am 26. sind wir einer Einladung der Gastfamilie nach Rotorua gefolgt und haben einige Tage gemeinsam diese besondere, thermisch aktive Region besucht.

Wir haben in dieser Zeit lange Gespräche mit der Familie geführt und viel über die Kultur Neuseelands und die Lebensweise der „Kiwis“ gelernt. Die Offenheit und die Zugewandtheit hat uns sehr beeindruckt, die Gastfreundschaft war überwältigend.

Bettys Mom hat uns verabschiedet mit den Worten: „This is a friendship for lifetime.“

Diese Worte haben uns sehr berührt!

Sigrid Engewald