Eindrücke aus Spanien

Hinter einem die letzten, sehr emotionalen Tage in der Heimat voller Anspannung und Nervositaet, steht man endlich am Flughafen in Spanien, alleine und nur mit seinem riesigen Koffer. Man hat das Gefuehl, die Zeiger stehen wieder auf null, wie als wenn man den Teppich unter den Fuessen weggezogen bekommt: Jetzt geht es los, ein neues, weisses Blatt und Ich kann es beschreiben und bemalen, wie Ich Lust habe!

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Austauschülerin auf einem spanischen Straßenfest

Der Kopf ist nur voller Fragen: "Werde Ich mich wohlfuehlen?", "Werde Ich mich schnell einleben?", "Werde Ich Heimweh haben?". Am Ende weiss man, das man einfach anfangen muss ES zu leben. Dieses neue, aufregende Leben voller Leichtigkeit! Ja, Ich fuehle mich "leicht" hier, ein bisschen wie als wuerde Ich in einer Seifenblase schweben, die Ich bald wieder verlassen muss. Sich selber treu zu bleiben war das Schwerste für mich. Man kommt an einen neuen Ort, die Leute kennen dich nicht, wissen nicht, wie du bist und es braucht seine Zeit, bis man sich selber wieder voll und ganz ausleben kann.

Diese Eingewoehnungszeit ist schwer und man fuehlt sich oft ein wenig einsam mit sich selbst, weil man oft Gefuehle und Gedanken fuer sich behalten muss, weil man noch niemanden zum Teilen fuer sie hat oder sich schlicht und einfach nicht auf der neuen Sprache ausdruecken kann. Aber waehrend man sich all' diese Gedanken macht und Dinge analysiert, vergeht die Zeit und man steckt mittendrin, das Gefuehl der absoluten Ahnungslosigkeit vor der Ankunft verblasst und man kann sich schon fast gar nicht mehr daran erinnern wie es war, als einem das Leben im Gastland noch wie wundersame, unerforschte schmarze Materie vorkam. Mittlerweile ist alles einfach Selbstverstaendlichkeit, ein fortwaehrender Prozess - man beginnt, jeden Tag zu geniessen und bekommt schnon Panik vor der Abreise! Der groesste Fehler ist, immer sagen zu wollen "Jetzt habe ich mich aber entgueltig eingelebt!", dieses Gefuehl erneuert sich bei mir immer wieder, es passieren neue Dinge, man veraendert sich, neue Menschen, Erfahrungen kommen dazu. Klar, es gibt irgendwann eine gewisse Routine, aber ich bin einfach so motiviert und froehlich - ich nehme hier jeden Tag neu an und spontan ergeben sich neue Dinge und neue Einsichten: Man kann an jedem Punkt noch Dinge aendern: weiterhin Leute kennenzulernen, sich Hobbies zu suchen oder die Beziehung mit seiner Gastfamilie zu aendern und zu verbessern - nicht aufgeben! Manchmal denke Ich "Irgendwie eine verrueckte Idee, einfach alles Geliebte und Vertraute Stehen und Liegen zu lassen, um ein paar Monate woanders ein neues Leben anzufangen", aber irgendwo weiss Ich auch, dass niemand unveraendert wieder nach Hause kehrt, denn man muss sein Haus verlassen, um sich selber kennenzulernen!

In der Zeit meines Austauschs hat mich am meisten beeindruckt, dass man von Tag zu Tag mutiger und selbstbewusster wird, dass man die spanische "alegria" nicht erklaeren kann, sondern sie selber gelebt haben muss!
(Margo S. Spanien 2011-12)