Drei Monate Freiwilligendienst in Südafrika

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Freiwilligendienst in Südafrika Schule

Wie viele junge Deutsche wollte auch ich nach dem Abitur einige Zeit im Ausland verbringen. Natürlich um neue Erfahrungen zu sammeln, eine andere Sprache (besser) zu lernen und um auch einfach mal meinem Alltag zu entkommen und etwas Anderes kennen zu lernen.

Meine drei Monate Auslandsaufenthalt in Kapstadt waren sehr gut vom Timing her geplant, da ich genau zum Sommeranfang nach Südafrika kam. Da gerade im November das Wetter besonders ungemütlich in Deutschland wurde, war es natürlich extrem anders und schön die typische Winter- und Weihnachtszeit im Hochsommer zu verbringen.

Ich glaube wie einem ein Auslandsaufenthalt gefällt, hat viel mit den eigenen Erwartungen zu tun. Um nicht enttäuscht zu werden, habe ich meine niedrig gehalten und versucht mich auf nichts Konkretes einzustellen, sodass meine drei Monate zu einer der schönsten Zeit meines bisherigen Lebens werden konnten.

Als Projekt hatte ich mir eine Arbeit im sozialen Bereich gewünscht und bin dann in Kapstadt an eine Schule vermittelt worden. Die Sid G. Rule, eine Grundschule im Viertel Grassy Park, einem der Vororte Kapstadts, wurde zu meiner täglichen Volunteerarbeit. Als Teacher Assistant half ich in ein und derselben 1. Klasse mit, um einerseits meiner Lehrerin eine Unterstützung zu sein (sie arbeitet erst seit kurzem wieder an dieser Schule), aber auch um den Kindern näher zu sein. Da die Schule an die 800 Schüler/innen unterrichtet, war es logisch, dass ich nicht in jeder Klasse hätte aktiv mithelfen können. Die Kinder waren zwar unglaublich offen und neugierig, aber natürlich baut man eine engere Beziehung zu ihnen auf, wenn man jeden Tag bei ihnen ist. Morgengebet und Begrüßung, das Unterrichten in Mathe, Englisch sowie Afrikaans und life skills wurden sehr schnell zum Alltag. Aber auch die zwei Stunden nachdem alle Kinder schon nach Hause gehen durften und du Arbeitsblätter kontrollierst, Bücher sortierst oder Listen schreibst, wurden schnell zur Normalität. Da war es umso schöner, dass mein Arbeitsweg mit dem gestellten Fahrrad nur fünf Minuten betrug.

Trotzdem war die Arbeit unglaublich erfüllend und hat mir extrem viel Spaß bereitet, wobei ich nie gedacht hätte, dass das Unterrichten so viel Arbeit und Stress bedeuten kann. Gerade wenn man erst frisch sein Abi gemacht hat, ist es interessant nun einmal auf der anderen Seite zu stehen und alles aus einer "Lehrerperspektive" zu sehen. Aber auch insgesamt war es einfach interessant zu beobachten, welche Unterschiede (aber auch Gemeinsamkeiten) Südafrika zu Deutschland hat. Vieles was einem immer so selbstverständlich von Zuhause erscheint, weil man es ja auch nie anders kannte, wird plötzlich hinterfragt. Manchmal kann man sich dadurch auf eine wunderbare Art noch einmal neu kennenlernen.

Deshalb war es auch super förderlich, dass ich außerhalb von meinen Projekten (ich habe über die Weihnachtsferien noch drei Wochen in einem Tierheim gearbeitet) in einer Gastfamilie gelebt habe, die mir zugeteilt wurde. Durch mein Wohnen bei dieser liebenswerten Familie habe ich voll und ganz die Erfahrung von einem ‚Leben woanders‘ am eigenen Leib erleben dürfen. Diese Erfahrungen haben mich emotional so wachsen lassen und mir eine wirkliche Vorstellung davon gegeben, was ich in meinem Leben eigentlich so erreichen möchte. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, ich hatte zwar extremes Glück mit wirklich allem, aber es läuft sicherlich nicht immer alles rund. Aber auch solche Dinge geben einem im Endeffekt mehr Selbstbewusstsein oder auch einfach die Erfahrung mit fremden und unangenehmen Situationen umgehen zu können.

Südafrika (und bestimmt auch viele andere Orte der Welt) sind voller wunderbarer und freundlicher Menschen. Ich habe super schnell Anschluss gefunden und dort auch Freunde fürs Leben gewonnen. Aber gerade, weil ich dort einen Freiwilligendienst leistete und auch eine Gastfamilie hatte, hat man einen ganz anderen Eindruck von einem Land und kann alles ohne den ganzen Touri und Urlaubsschnack genießen. Sich einfach wirklich mit den Menschen und der Kultur vor Ort auseinander zu setzen (und zusätzlich die Touristenklassiker des Landes mitzunehmen) ist das wirklich Interessante. Es ist einfach ehrlicher durch den Freiwilligendienst dadurch vielleicht auch nicht für jeden etwas, aber in meinem Fall eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben gefällt habe.

Nele

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Freiwilligendienst in Südafrika Schule Grassy Park