Den Berufswunsch als Demi Pair in Irland gefunden

Wie den meisten Abiturienten, war mir damals noch nicht bewusst, welcher Beruf mich nach meiner Schullaufbahn am meisten reizen würde. Daher entschied ich mich, einfach mal Abstand vom eigenen Land und dem Alltag zu bekommen. Ich war 19, als ich in den AerLingus-Flieger stieg, der mich in die Hauptstadt Irlands brachte. Bei -6 Grad ging es Ende Januar los – immerhin 0 Grad in Dublin – ich war sichtlich überrascht. Vor lauter Aufregung trug ich nur das Demi-Pair T-Shirt von Experiment und wurde herzlich von meiner Gastmutter und 3-jährigem Sohn empfangen. Im Auto warteten noch die 2-jährige Tochter und das gerade mal zwei Wochen alte Baby samt Gastvater auf mich. Die Fahrt vom Norden in den Süden Dublins schien mir wie ewig. Und das Englische hatte ich mir irgendwie sehr viel schwieriger vorgestellt – also: kein Grund zur Sorge!

Nach zwei Wochen in Dublin feierte ich meinen 20. Geburtstag – definitiv war es komisch, Familie und Freunde nicht an Ort und Stelle dabei zu haben, aber meine Gastfamilie hat mir mit selbstgebackenen Muffins und tollem Geschenk den Tag versüßt. Am Abend unternahm ich etwas mit neu gewonnenen Bekanntschaften aus aller Welt.

Mit dem 3-jährigen Sohn hat es von Anfang an gefunkt – zu der 2-jährigen musste ich mir über Wochen hinweg den Kontakt Stück für Stück aufbauen. Das wird an dem Alter gelegen haben. Die Beziehung zu allen dreien wurde über die Zeit immer inniger und ich konnte mir noch nicht so richtig vorstellen, wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Ich hatte fast kein Heimweh – nur nach 5 Monaten reisten einige gut gewonnene Freunde von mir ab, sodass es schwierig war, für die letzten 2 Monate nochmal neue Kontakte zu knüpfen. Das kleine Tief habe ich aber problemlos überwunden, man lernt ohnehin ständig neue Leute aus aller Welt kennen. Dieses ermöglichte mir u.a. die (etwas chaotische) Sprachschule, meine Gastmama, die Kontakt zu anderen, ihr bekannten Aupairs herstellte und die typische irische Art Leute im Pub kennenzulernen.

Meine Gastfamilie nahm mich sogar zweimal mit in den Urlaub – der Urlaub an der Südküste war wunderschön. Das Wasser war hellblau und entsprach so gar nicht meinen Erwartungen von Irland. Ich verlebte einen der heißesten Sommer in Irland – was für ein Glück!

Orte, die ich wärmstens empfehlen kann sind: Dingle Island, Ring of Kerry, die Landschaft Connemara, Glendalough, die Wicklow Mountains, höchstgelegenster Pub Irlands: Johnnie Fox’s Pub, sowie Plätze in Dublin: Howth (mit Bootsfahrt von Dun Laoghaire) und der Bray Head. Etwas enttäuscht war ich vom Norden – Belfast, aber das ist wirklich Geschmackssache.

Und natürlich sollte man auch die Möglichkeit nutzen, im Meer baden gehen zu können. Als waschechter Ire geht man sogar an Weihnachten baden und die anderen 364 Tage im Jahr!

Nun war mir auch endlich klar, wo mich die Reise letzten Endes hinführen würde, denn mein Berufswunsch stand fest! Ich entschied mich für das Grundschullehramt und bin auch jetzt, mittlerweile im 2. Semester, sehr glücklich damit.
 

Allgemein hat mich meine Reise nach Dublin sehr geprägt. Ich bin viel flexibler und offener gegenüber vielen Dingen des Lebens geworden, habe meine Leidenschaft zu der Arbeit mit Kindern und das Reisen für mich entdeckt und halte stetig Kontakt mit Gastfamilie (durch Mails und Fotos), Freunden aus Brasilien, Venezuela, Spanien, Italien und Städten Deutschlands.

Mittlerweile habe ich meiner Gastfamilie (ein halbes Jahr später) einen Besuch abgestattet. Es war unglaublich, die Kinder wiederzusehen. Natürlich hatte sich das Baby am meisten verändert. Ein tolles Erlebnis! Trotzdem war ich traurig, das neue Aupair in meiner damaligen Rolle zu sehen, zudem ich das erste Aupair in der Familie war. Ich wusste aber, dass für mich längst ein neuer Lebensabschnitt begonnen hatte.

Ich bereue nichts und würde jederzeit wieder die Möglichkeit nutzen, einen Auslandsaufenthalt zu machen!