Mit dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst in Mexiko

Seit Anfang August ist die 19-jährige Janne mit dem geförderten Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) in Mexiko. Sie bleibt noch bis Anfang Februar. Was sie bisher erlebt hat, beschreibt sie in diesem Artikel:

"Die zwei Monate, die ich jetzt bereits hier in Mexiko bin, sind wie im Fluge verstrichen und es macht mich schon etwas traurig zu wissen, dass ich nur noch wenig Monate hier sein werde, da sich Mexiko und im speziellen Oaxaca bereits jetzt wie meine Heimat anfühlt. Auch wenn die ersten Wochen für mich zeitweise aus Heimweh bestanden, so habe ich mich doch an all das Neue gewöhnt und mich mit dem angefreundet was für mich erst merkwürdig und fremd schien, wie die Benutzung des Bades, die Handwäscherei, oder die Raumteilung mit meiner Schwester.

Mit meiner Familie in Mexiko habe ich richtig viel Glück, darüber bin ich sehr dankbar, denn ich komme mit ihr sehr gut aus und meine gleichaltrigen Schwestern haben mich von Anfang an als Schwester behandelt (aber als nette Schwester, bisher ohne Streitereien) und ich kann mich ihnen anvertrauen wenn ich Probleme oder Heimweh habe. Meine Mutter ist die Woche über zuhause und arbeitet am Wochenende in einem Labor als Chemikerin und hat deshalb in der Woche Zeit uns mit leckerem, frisch gekochtem, mexikanischen Essen zu verwöhnen.

Mein kleiner Bruder ist 10 und geht täglich von vier bis sieben Uhr in die "Kinich Fundacion" in der ich mein halbes Jahr arbeite. Die Fundacion ist wie eine Nachmittgasbetreuung mit Unterricht für Kinder von 4- 14 und wird von jungen Studenten und Lehrern geleitet.

Mir wurden die 3. und 4. Klässler in meine Obhut gegeben, die ich gemeinsam in einer Klasse unterrichte. Im Gegensatz zu Malte, dem Freiwilligen von weltwärts, der für die 5. Klässler und aufwärts Englisch unterrichtet, kann ich in meiner Klasse jedes Fach unterrichten, jedoch reduziert sich dies meistens auf Spanisch, Mathematik und Englisch, da viele Kinder besonders in diesen Fächern Aufholbedarf haben. Anfangs war es für mich etwas schwierig zu unterrichten, da ich Angst hatte, viele fachspezifische Begriffe vorallem für die Naturwissenschaften nicht zu kennen, doch meine Sorge hat sich schon bald gelegt, da zum einen mein Wortschatz für diese Klassenstufe ausreicht und zum anderen auch Unterstützung von meiner “local coordinator”, anderen Lehrern, aber vorallem von meiner Klasse bekommen habe, die mir meine grammatischen Defizite verzeihen und sich über jedes gesprochene Wort freuen, das ich äußere.

Mein wilder Haufen bestehend aus acht und neunjährigen Jungen und Mädchen hat mich bereits das ein oder andere Mal zum verzweifeln gebracht, wenn eine “Wir haben keine Lust auf Unterricht und verschwören uns gegen die maestra”- Einstellung aufkommt zum Beispiel. Besonders die kleinen “Machos” sind manchmal schwer zu bändigen, da einige Jungen von Zuhause aus lernen, dass sie nur auf Männer hören brauchen und so bereits mit ihren 8 Jahren in patzigen Ton mit mir reden, mit dem ich jedoch gelernt habe umzugehen. Und selbst die “härtesten” Jungs kommen zu mir um mir stolz mitzuteilen, dass sie in der Schule besser geworden sind und das macht mich als ihre “maestra” natürlich selber Stolz.

Viele Menschen hier in Mexiko wundert es warum so jungen Menschen, wie ich einer bin, eine längere Zeit im Ausland verbringen, um zu arbeiten und Projekte zu unterstützen ohne dabei Geld zu verdienen. Ich kann dazu nur sagen, für mich ist es eine größere Bereicherung wenn ich sehe, dass die Menschen hier meine Arbeit schätzen und dabei eine positive Entwicklung stattfindet. Wenn ich dann ab und an mit einem Bild oder einer selbgebastelten Karte eines Kindes überrascht werde, in dem “Du bist die beste Leherin der Welt Yanel!” steht, schmunzel ich nicht nur über die kreative Art meinen Namen zu schreiben, sondern freue mich sehr die Veratwortung hier für die Kinder zu übernehmen. Es macht mir Spass hier die Schule mal aus einem anderen Blickwinkel als in Deutschland zu betrachten und auch wenn mein Aufgaben ganz Andere sind, als ich es mir vorher vorgestellt hatte, nämlich wirklich größtenteils nur zu unterrichten, so kann ich doch meine Kreativität in der Umsetzung des Unterrichtes mit einbauen, oder auf andere Weise die Fundacion unterstützen. So plane ich im Moment mit Zuri, meiner local coordinator, einen Sketcheabend, an dem die Kinder kleine Sketche und Lieder in Spanisch, aber auch in Englisch, ihren Eltern präsentiern können. Mit dem Geld, das wir damit einnehmen wollen wir die Materialien der Fundacion aufbessern, denn Geldmangel hat mein Projekt, wie wahrscheinlich andere Projekte auch, sehr.

Es gibt noch weitere positive Entwicklunge hier, die mir die Wichtigkeit der Fundacion und der Freiwilligen zeigen, jedoch begrenze ich mich hier auf die wesentlichen, sodass ich noch Platz habe über meine andere Arbeitsstelle zu berichten. Vormittags besuchen Malte und ich nämlich Schulen und unterstützen Lehrer bei ihrer Arbeit, vorallem natürlich in Englisch. Das Problem hierbei ist nur, dass die letzten beiden Monate keine Schule war, da die Lehrer im Bundesstaat Oaxaca gegen eine neue Verordnung der Regierung demonstrieren und so keinen Unterricht in der Zeit stattfindet (so wie ich es vertanden habe, soll aber ab nächster Woche der Unterricht wieder beginnen).

Nur Mittwochs sind wir Freiwilligen in einer Schule für schwererziehbare, oder geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder tätig. In dieser unterstütze ich die Grundschullehrerin bei den 1. Klässlern, die noch alle kindlich sind und kaum Schwierigkeiten bereiten, sondern im Gegenteil sich über neuerworbene Dingen freuen und viele Fragen zu Deutschland stellen; “Wie ist es da so?”, “Gibt es da auch Schnee?”, “Spielst du dann mit dem Schnee auch?”…

Natürlich habe ich in meiner Zeit hier auch schon mehr erlebt, als nur die alltäglichen Gegebenheiten, wie der Independence Day der hier in Mexiko DER Nationalfeiertag ist, an dem einfach jeder feiert, aber auch die ruhigen Stunden bei meiner ersten Wanderung waren wunderschön, da die Landschaft einfach nur atemberaubend ist und wir viel Glück mit dem Wetter hatten. Zukunfspläne stehen natürlich auch an, wie der Besuch des Pazifiks, oder weiter Wanderungen, die mir die Vielfalt der Landschaft in Oaxaca noch mehr zeigen sollen.

Ich hoffe dass meine folgenden Monate genauso schön sind und dass ich all meine Erfahrungen und Begegnunge mit den Menschen aus Mexiko wieder mit nach Deutschland bringen kann um diese dort weiterzuerzählen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich an so einem kulturellen Austausch mitmachen darf und hoffe, dass in der Zukunft viel mehr Menschen die Chance dazu erhalten ebenso einen Aufenthalt zu machen, da es meiner Meinung nach einen gegenseitigen Nutzen gibt und die Länder noch näher zusammenbringt."

Janne