Christmas Day the Aussie way!

Auf Sonnenschein und Hitze hatte ich mich ja eingestellt, aber das Ganze verbunden mit Schneeflockendekoration ist dann doch etwas komisch... Den ganzen Dezember über hat mich Brisbane leider erfolglos versucht davon zu überzeugen, dass es nun Weihnachtszeit ist.

Wenn in allen Schaufenstern unechter Schnee rieselt und auf Weihnachtskarten Schneemänner abgedruckt sind, obwohl so viele Australier noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben und manche Kinder gar nicht wissen was das ist – dann ist das einfach nicht sehr überzeugend!
Dazu stand seit Anfang Dezember ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer meiner Gastfamilie (sogar für Australier ganz untraditionell ein echter) und in herkömmlichen Supermärkten gab es Plastikbäume in allen vorstellbaren Farbnuancen zu kaufen. Praktischer Weise schon fertig geschmückt und in Kartons verpackt. Der "Merry Christmas"-Schriftzug und die Regenbogenlichterketten machen die Fake-Pflanze normalerweise zum echten Hingucker.

Meine Gastfamilie hat es etwas schlichter gehalten, wofür ich echt dankbar war und wir haben aus alten Klaviernotenblättern lange Girlanden gebastelt. Davon abgesehen bestand meine Weihnachtsvorbereitung aus: IKEA-Lebkuchenhäuser bauen, die Brisbane Lights anschauen (Wohnhäuser unvorstellbar detailliert mit Lichtern, Figuren und Bildern geschmückt), Rentiere und Krippenfiguren aus Ton basteln, eine nachgemachte Stadt Bethlehem anschauen (eine Kirchengemeinde hat mehrere Stände aufgebaut und mit Schauspielern den Kirchplatz in einen Marktplatz in Bethlehem verwandelt), den Weihnachtsbaum schmücken, Bibelstunden am Morgen, zu Santa Lucia schwedisches Weihnachten bei den Großeltern feiern, Papier-Schneeflockengirlanden basteln, Jingle Bells rauf und runter hören, Schokolade essen, und und und…
Obwohl das ganze einem sehr bekannt vorkommt, war es doch ganz anders. Der einzige, aber riesige Unterschied war, dass man unweihnachtliche Kleidung wie Flipflops und Shorts trägt und die Schokolade innerhalb von 2 Minuten davon schmilzt.

Am 24.12. dann morgens aufzuwachen und zu wissen, dass es nun dieses Jahr ein ganz normaler Tag mit normalen Öffnungszeiten und allem drum und dran ist, war schon komisch. Wir deutschen Demi Pairs haben uns dann schick gemacht und uns zu Mittag in einem Schokoladenrestaurant getroffen. Wirklich realisiert, das nun Weihnachten ist, haben wir aber da noch nicht. Es war mehr ein ganz normales Treffen an einem ganz normalen Tag, nur dass wir alle schöne Kleider anhatten.

Für mich kam das einzige richtige Weihnachtsgefühl erst in der Vorweihnachtsmesse auf. Als ich dann am Abend „Stille Nacht“ auf Englisch in der St. Stephens Kirche gehört habe, war es wie in der Christmette im heimatlichen Dorf zu Hause in Deutschland.

Aber auch in dem Vorweihnachtsgottesdienst habe ich große Unterschiede zu meinen bisherigen deutschen Weihnachtsfesten festgestellt. Die Atmosphäre ist komplett anders. Während in Deutschland die Familien schon eine Stunde zu früh in der Kirche Platz nehmen und schick gekleidet, ruhig und andächtig warten bis die Messe beginnt, um dieser dann konzentriert und ernsthaft zu folgen, kamen und gingen die Menschen in Brisbane, wann sie wollten. Auch die Wahl der Kleidung fiel dann eher auf Alltagskleidung wie Flipflops und T-Shirt. Die Stimmung war nicht ernst, sondern sehr unruhig, was ich als schade empfunden habe.

Am 25.12. ging es dann aber rund: Nach dem morgendlichen Skypegespräch mit meiner Familie habe ich mich ins Wohnzimmer begeben, wo meine Gastfamilie schon knietief in Geschenkpapier stand. Die Kids haben total aufgeregt darauf gewartet mir ihre Geschenke zu übergeben und natürlich auch ihre zu bekommen. Was mich sehr gefreut hat war, dass sie sich wirklich Mühe und Gedanken bei den Geschenken gemacht haben. Super Erinnerungsstücke!

Nach dem Frühstück ging es dann an den letzten Schliff im Haus, denn viele Gäste wurden erwartet. Zu Besuch kamen die Großeltern beider Seiten, Tante und Onkel mit zwei Kindern und zwei befreundete Familien mit insgesamt 6 Kindern und eine Asiatin, die zurzeit bei der Großmutter wohnte. Bei viel Wein, Sekt und großem Buffet wurden dann die aktuellsten Geschichten erzählt und die brandneuen Weihnachtsgeschenke der Kinder ausprobiert.

Was für mich ganz neu war, war dass wir dann nachmittags alle zusammen gekommen sind und im Kreis um einen Kuchen mit brennenden Kerzen standen und "Happy Birthday" für Jesus gesungen haben. Mir ist aufgefallen, dass ich Weihnachten nie als einen Geburtstag angesehen habe.

Und ich habe Weihnachten immer als das große Familienfest angesehen, am 24. mit der eigenen Familie, am 25. mit der einen Seite der Verwandtschaft, am 26. mit der anderen Seite der Verwandtschaft. Natürlich weiß ich, dass das in jeder Familie auch in Deutschland ganz anders ist, aber den Weihnachtstag mit so vielen Menschen und auch Freunden zu feiern war mir persönlich ganz fremd.

So plötzlich wie es gekommen war, war Weihnachten dann auch schon wieder vorbei, denn es wird hier nur am 25.12. gefeiert. Auch wenn man sich zwischendurch mal nach Hause zu seiner Familie gewünscht hat, bin ich unglaublich dankbar für diese Erfahrung. Das eine Familie, in der ich mich mittlerweile schon so zu Hause fühle und deren ganze Verwandtschaft und Freunde mich so offen aufnehmen und sich freuen, dass ich da bin, ist ein unglaubliches Gefühl. Es war für mich nicht das richtige Weihnachtsgefühl, das man mit Kälte, Schnee, Kamin und Weihnachtsmarkt verbindet, aber trotzdem war es ganz ganz besonders und faszinierend.