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Schüleraustausch Frankreich

Bonjour! Mein Auslandsjahr in Frankreich

Ich heiße Nele, bin 15 Jahre und lebe in der Nähe von Berlin. Ich möchte euch von meinen Aufenthalt in Frankreich berichten. In der Zeit von Anfang Januar bis Mitte Juni 2020 war ich dort zum Schüleraustausch. Meine Gastfamilie lebt in einem eigenen Haus in La Chataigneraie, einem kleinen Dorf mit ca. 3.000 Einwohnern im Department Vendee. La Chataigneraie befindet sich etwa 80km von der Atlantikküste entfernt. Der nächstgrößere Ort ist La Rochelle.

Die Anreise & meine Gastfamilie

Die Einreise nach Frankreich verlief ohne Probleme. Ich wurde am Flughafen in Paris von einer Frau der französischen Partnerorganisation CEI abgeholt und zum Bahnhof gebracht. Sie hat mich in den Zug Richtung Poitier gesetzt. Dort wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt und von dort ging es noch einmal mit dem Auto (3 Stunden) nach La Chataigneraie.

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern Angelique und Didier sowie meinen drei Gastschwestern Emma, Elise und Arizona und meinem Gastbruder Gabriel und einem Cocker-Spaniel. Gabriel studiert derzeit, so dass ich in seinem Zimmer wohnen konnte. Meine Gastschwestern sind 6, 16 und 18 Jahre alt. Mein Gastvater spricht ausschließlich französisch, so dass am Anfang die Verständigung etwas holprig war, aber das hat sich mit der Zeit gebessert. Meine älteren Gastschwestern sowie meine Gastmutter sprechen auch Englisch, so dass ich im Notfall, was anfangs etwas häufiger vorkam, auf Englisch zurückgreifen konnte. Ich wurde von meiner Gastfamilie sehr herzlich aufgenommen und wir haben uns die ganze Zeit sehr gut verstanden. Bereits vor meiner Ankunft in Frankreich hatte ich zu meinen Gastschwestern Kontakt über Whatsapp.

Meine Schule in Frankreich

In Deutschland habe ich ca. 4mal die Woche außerhalb der Schule Sport gemacht. Aufgrund der langen Unterrichtszeiten in Frankreich und auch, da das Sportangebot in dem kleinen Dorf sehr begrenzt war, hatte ich somit eine fast sportfreie Zeit in Frankreich.

Während meiner Zeit in La Chataigneraie wurde ich einmal von einem Herrn der französischen Partnerorganisation besucht, zweimal haben wir telefoniert. Da es keine Probleme gab, war das auch völlig ausreichend.

Hier in Deutschland besuchte ich die 9. Klasse, wurde aber in Frankreich in die 10. Klasse eingestuft. Das war grundsätzlich auch kein Problem, lediglich in Mathematik hatte ich Probleme. Das Lycee, welches ich besuchte, befindet sich in Pouzauges, was ungefähr 20 km von La Chataigneraie entfernt ist. Meine beiden Gastschwestern und ich sind jeden Tag mit einem Schulbus hingefahren. Meine Gastschwester Elise war mit mir zusammen in einer Klasse, was ich schon mal super fand. Am ersten Schultag ging Elise mit mir zum Sekretariat, wo ich meinen Kursplan erhielt. Anschließend ging Elise mit mir im Schlepptau zu den jeweiligen Kursen. Das war sehr hilfreich, so dass ich mich schnell in der Schule zurecht fand.

In der Schule habe ich anfangs so gut wie gar nichts verstanden, doch meine Gastschwestern, deren Freunde, Klassenkameraden  und Lehrer waren super nett und haben mir sehr geholfen. Da ich mit gefühlt kaum Sprachkenntnissen nach Frankreich gefahren bin, denke ich, dass ich mich doch positiv entwickelt haben. Auch bin ich ins Handballteam der Schule aufgenommen worden, was mir großen Spaß gemacht hat.

Der Schulbesuch in Frankreich ist, im Vergleich zu einem Schultag in Deutschland, sehr anstrengend. Ich habe zusammen mit meinen Gastschwestern das Haus um 7 Uhr verlassen und wir sind erst wieder 18:30 zurück gekommen. Lediglich Mittwoch hatten wir einen kurzen Schultag und wir waren bereits 14 Uhr zurück. Nach dem Abendessen, welches in Frankreich jeden Tag aufs neue zelebriert wird, habe ich meist noch Schulaufgaben gemacht und bin dadurch oft erst nach 24 Uhr oder noch später ins Bett gekommen. Anfang März habe ich in Frankreich ein Zeugnis für das zweite Trimester bekommen und meine Noten sehen gar nicht mal so schlecht aus. Allerdings wurde ich nicht in allen Fächern bewertet. Auf das Zeugnis bin ich sehr stolz. Lediglich in Mathematik hatte ich größere Schwierigkeiten.

Die Corona-Pandemie

Leider war mein Aufenthalt in Frankreich stark durch die Corona-Pandemie beeinflusst. Mitte März war ich das letzte Mal in der Schule und bis zu meiner Ausreise Mitte Juni hat die Schule auch nicht mehr begonnen. Das fand ich sehr bedauerlich, da ich der Meinung bin, dass meine Sprachkenntnisse sich am besten in der Schule verbessert haben.  Auch konnte ich mich von meinen Klassenkameraden in Frankreich nicht verabschieden. Ebenso wurde die geplante Pilgerreise nach Lourdes, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte, abgesagt. Meine Gastfamilie war sehr  nett und hat mich trotz der erschwerten Gegebenheiten weiter sehr unterstützt.

Seit Mitte März hatte ich viel Zeit. Wir haben Schulaufgaben übers Internet erhalten, die ich versuchte, so gut wie möglich zu lösen. Mit meinen Gastschwestern habe ich Filmabende gemacht, natürlich alle auf Französisch. Ein paar mal haben wir auch Karaoke-Abende im Partykeller veranstaltet.

Leider hat sich mein Wunsch nicht ganz erfüllt, dass sich mein Wortschatz, die Grammatik und insbesondere das Sprechen so verbessert hat wie gewünscht. Doch ich möchte mich nicht beklagen, da ich froh war, dass ich meinen Aufenthalt trotz Corona in meiner Gastfamilie fortsetzen konnte. Obwohl meine Gastschwestern auch den ganzen Tag zu Hause waren, habe ich nicht so viel auf französisch kommuniziert wie in der Schule. Nach einigen Wochen Corona blieben wir immer öfter tagsüber auf dem eigenen Zimmer.

Die Corona-Restriktionen waren in Frankreich noch stärker als in Deutschland. Ich glaube, ich habe fast 8 Wochen nicht das Grundstück in Frankreich verlassen. Zum Glück waren wir schon vorher zweimal an den Atlantik gefahren, so dass ich ein kleines Stück Frankreich kennenlernen durfte.

Ich habe mich auf jeden Fall verbessert, was das Sprechen, Verstehen und Schreiben betrifft und konnte auch in der schweren Situation viele weitere Entwicklungen an mir feststellen. Ich habe viele praktische Erfahrungen gesammelt und hoffe, dass ich irgendwann noch mal die Möglichkeit bekomme, einen Auslandsaufenthalt bei besseren Bedingungen zu machen.

Eigentlich war geplant, dass meine Gastschwestern mich im Sommer in Deutschland besuchen. Dieser Plan wurde wegen der immer noch bestehenden Corona-Krise aufgegeben. Ich hoffe sehr, dass es im nächsten Jahr klappt.

Mein Fazit

Insgesamt war mein Auslandsaufenthalt in Frankreich toll. Ich hatte eine gute Zeit und wurde von Anfang bis Ende gut von Freunden, Familie, Lehrern oder Klassenkameraden unterstützt, so dass ich durch deren Hilfe mich schnell an das neue Umfeld, die Schule  und Sprache eingewöhnen konnte.

Damit sich meine Französisch-Kenntnisse nicht wieder verschlechtern, besuche ich in den Sommerferien noch einen Kurs beim Institute Francais, belege darüber hinaus seit 2 Wochen noch einen Online-Französischkurs, schaue hin und wieder einen Film auf Französisch und bemühe mich um einen Lehrer mit dem ich vielleicht einmal in der Woche Sprechen üben kann.

Eure Nele