Australien - meine Ankunft und der erste Monat vor Ort

Im Laufe der Vorbereitungen für das Auslandsjahr, wirkte der Abflug stets wie in weiter Ferne, ein unscharfer Eindruck in der Zukunft ohne jeden Bezug zur Realität. Dieser Eindruck änderte sich jedoch schlagartig mit dem Packen meiner Koffer. Als all die wichtigen Sachen verstaut waren, wurde mit einem Mal klar, auf was ich mich da eigentlich eingelassen hatte. Fast ein gesamtes Jahr, fern von Familie und Freunden, ja sogar fern von der Sprache die mich mein gesamtes Leben begleitete. Eine beängstigende Erkenntnis. Mit einem Mal war sie da, die Aufregung, ja vielleicht sogar die Angst von der alle gesprochen hatten als ich ihnen von meinen Plänen erzählte.

Als der Flug um 22:30 pünktlich Deutschland verließ wirkte alles was ich erlebte erneut unglaublich unreal, fast wie in einem Traum. Die folgenden acht Stunden konnte ich genießen, an Schlaf war jedoch kaum zu denken, die Aufregung hielt mich wach.

Meine Gastfamilie holte mich am Flughafen ab und somit hatte ich die Gelegenheit meine Gastmutter, Schwester sowie meinen Gastbruder auf der rund 100-minütigen Autofahrt durch das nächtliche Melbourne, was mit seinen Wolkenkratzern seinen zwei riesigen Autobahnen und dem Melbourne Star, einem Riesenrad annähernd in der Größenordnung besser kennen zu lernen. Als ich dann am Haus meiner Gastfamilie ankam, wer die kurze Phase der Vitalität, ausgelöst durch Vorfreude, Aufregung und die winterlichen 3 grad des Südaustralischen Winters, schon lange wieder verflogen, sodass ich mein Zimmer erst nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf einräumen konnte.

Die Tage danach waren ins besonders vom Jetlag geprägt der mich nachmittags um 17uhr ins Bett und morgens um 5 aus dem Bett trieb. Abgesehen davon wurde viel Organisatorisches in der ersten Woche erledigt. Vom Bankkonto über eine Brotdose zum Handyvertrag wurde alles beschafft. Am ersten Wochenende nahm meine Familie mich auch zum australian Football (AFL) ins Etihad Stadion im Herzen Melbournes mit. Ein sehr ungewohnter, chaotischer Sport, mit dem ich mich jedoch später (mehr oder weniger Freiwillig) noch mehr beschäftigen würde. Am darauffolgenden Montag ging es dann in die Schule. Ich konnte allerdings noch nicht am Unterricht teilnehmen, ein Vorstellungsgespräch bei dem ich auch meine Fächerwahl treffen konnte fand aber statt. Am Dienstag danach wachte ich bereits um 4 Uhr auf, dem noch immer anhaltenden Jetlag sei Dank, und dann ging es auch schon in den Unterricht. Da ich erst am Nachmittag selbigen Tages eine Schuluniform organisieren würde, wurde ich noch etwas seltsam beäugt. Der Unterricht war zu Beginn etwas schwer zu verfolgen, was sich jedoch schnell änderte. Da ich am ersten Tag allerdings die Pausen mit dem Oberstufenkoordinator verbrachte, der dafür sorgte, dass alles organisiert wurde hatte ich kaum Gelegenheit Mitschüler kennen zu lernen. Das hatte ich mir anders vorgestellt. In meiner Vorstellung waren Freunde immer schon vorhanden gewesen, einen Gedanken an wie ich sie gewinnen sollte hatte ich nie verschwendet. Dementsprechend deprimierend waren die Aussichten nachdem der Schultag vorbei war. Das sollte sich aber sehr schnell ändern, bereits am nächsten Tag nahm mich eine Gruppe auf, alles waren ohnehin sehr nett zu mir.

Nun nach einem Monat ist mein Resümee durchweg positiv. Der gute erste Eindruck von meiner Familie bewahrheitete sich und auch die Gruppe die mich anfangs „adoptierte“ stellte sich als sehr nett heraus. Erste Freundschaften entstehen. Auch wenn ich noch nicht zu viel vom Land gesehen habe, das kühle, regnerische Wetter das im Süden während der Wintermonate vorherrscht, schränkt doch sehr ein, genieße ich meine Zeit in vollen Zügen. Und für mich bleiben auch noch zehn Monate, in denen das Wetter besser sein sollte, um Australiens rauen Süden zu erkunden und zu entdecken.