In eine andere Welt eingetaucht - Freiwilligendienst in Chile (2016)

Unsere Teilnehmerin Charlotte hat einen sechswöchigen Freiwilligendienst in einem Tierheim in Chile gemacht. Hier berichtet sie von ihrer Zeit in Santiago:

Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man etwas Schönes erlebt! Jetzt hat mein Alltag in Deutschland schon wieder angefangen und ich sitze im Hörsaal der Uni. Ich habe mich so lange auf meine drei Monate in Chile gefreut, alles vorbereitet und nun ist diese Reise schon wieder vorbei. Aber natürlich war es eine wunderschöne Zeit, in der ich viele schöne Erfahrungen gesammelt und unvergessliche Momente erlebt habe.

Nach zwei Wochen Spanischkurs, der vor allem darauf ausgelegt war, das „chilenische“ Spanisch zu verstehen, arbeitete ich sechs Wochen in einem Tierheim für Straßenhunde. In Santiago de Chile sind Straßenhunde im Straßenbild keine Seltenheit – fast an jeder Ecke sieht man streunende Hunde. Sie sind häufig krank, haben Verletzungen und sind unterernährt. Es gibt zwar einige Organisationen und Projekte, die sich um diese Tiere kümmern, aber immer noch viel zu wenige. Das liegt vor allem am fehlenden Bewusstsein der Chilenen für das Thema Tierschutz und dem fehlenden Verantwortungsbewusstsein für die Haltung eines Hundes. Viele Chilenen kaufen sich ein Haustier, sind sich jedoch keineswegs im Klaren darüber, was für Aufgaben sie haben und welche Verantwortung sie tragen. So werden viele Hunde einfach auf der Straße ausgesetzt und sind auf sich allein gestellt.

Gut, dass es so Menschen wie Lidia (Besitzerin des Tierheims) gibt, die sich ehrenamtlich engagieren und ein großes Herz für Tiere haben. Am ersten Arbeitstag holte sie mich von der nahe gelegenen Metrostation ab, stellte mich den Arbeitern der Auffangstation vor und erklärte mir meine Aufgaben. Sie führte mich zu einer großen Halle, in der in zwei langen Reihen Käfige aneinander gereiht standen. Im ersten Moment war ich etwas überfordert: Der Lärm von etwa 60 bellenden Hunden ist wirklich enorm! Ich hatte zuvor noch nie so viele Hunde auf einmal gesehen. Jeder, der schon mal in einem Tierheim war, kennt den Blick der Tiere: diesen klassischen Hundeblick. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, mit welchem Hund ich als erstes Gassi gehen sollte. Am liebsten hätte ich alle mitgenommen. So viele süße Hunde! Unter ihnen sind alte und junge Tiere sowie Welpen, die den verschiedensten Rassen angehören. Auch jede Größe ist dabei. Ein richtig bunter Haufen!

Im Tierheim gab es verschiedene Aufgaben für mich wie z.B. das Säubern der Käfige oder die Futterverteilung. Die Hauptaufgabe bestand jedoch darin, mit den Hunden spazieren zu gehen. Das Gassi gehen tat ich meist – natürlich nur, wenn die Hunde sich gut verstanden – mit anderen Freiwilligen gemeinsam. Wir gingen mit den Hunden in den nahe gelegenen Park und spielten mit ihnen. Es war immer wieder schön, in die zufriedenen Hundeaugen zu blicken, wenn sie mit anderen Hunden tobten und sich im Gras wälzten. Die „Arbeit“ machte so viel Spaß und ich schloss die Hunde so sehr in mein Herz, dass mir der Abschied richtig schwer fiel. Aber nach insgesamt acht Wochen war meine Zeit in Santiago vorbei und ich reiste noch einen Monat durch Chile, was ich jedem nur empfehlen kann: Ein wunderschönes Land mit so vielfältiger Natur und unglaublich netten Menschen! Hier kann man sich nur wohlfühlen.

Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich für einen Freiwilligendienst in Chile entschieden habe. Die Projektarbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe meine Zeit dort sehr genossen. Neben den tollen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, habe ich eine Menge netter Menschen kennengelernt, mit denen ich Einiges erleben durfte. Das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen, hat einfach Spaß gemacht. Ich kann jeden, der überlegt als Freiwilliger ins Ausland zu gehen, nur zu dieser Entscheidung ermutigen. Für mich war es eine wahnsinnig tolle Erfahrung und ich würde es immer wieder machen.