10 Monate Freiwilligendienst in Chile – Das Projekt in der Fundación La Semilla

Eigentlich muss die Überschrift dieses Textes lauten: “Die Projekte in der Fundación La Semilla” . Ich arbeite jetzt seit sechs Monaten in der Fundación in der 5. Region Chiles, etwa 100 km nördlich der Hauptstadt Santiago. Die Zeit verging sehr schnell und doch habe ich in dieser Zeit unglaublich viel erlebt und getan. Doch zunächst zur Fundación im Allgemeinen:

Die Fundación La Semilla existiert seit 18 Jahren und orientiert sich an den Lehren des katholischen heiligen Don Bosco. Eigentlich spielt die Religion in der Stiftung keine Rolle, es ist aber gut, den katholischen Hintergrund zu kennen. Die Zentrale der Stiftung, von wo aus die Projekte organisiert und verwaltet werden, liegt in dem kleinen Ort Hijuelas am Fuße einer Hügelkette. Mit dem Bus braucht man etwa 35 Minuten zur nächsten etwas größeren Stadt La Calera, wo man auch eine Einkaufsgalerie findet. Quillota ist mit dem Bus etwas mehr als eine Stunde entfernt, dort bekommt man eigentlich alles, was man so für den Alltag braucht. Um zur Großstadt Viña del Mar oder auch Valparaiso an der Pazifikküste zu kommen, kann man einen Bus von La Calera nehmen. Die Fahrt dauert etwa 1 ½ bis 2 Stunden. Alle Fahrten sind mit dem Auto etwa doppelt so schnell.
Die Projekte der Fundación sind sehr vielseitig und in der ganzen Region verteilt. Zur Fundación selbst kommen täglich Senioren (zum Teil auch Menschen mit Behinderung), die oft einfach nur zusammenkommen, um zu plaudern und jemanden zu haben, mit dem sie lachen können. Manchmal nehmen sie auch an Workshops teil (z.B. Internetschulungen, Weben, Arbeiten mit Leder…). Außerdem macht ein Physiotherapeut Übungen. Ansonsten werden ab und zu einige kleine Events veranstaltet. Die meiste Arbeit auf dem Gelände der Fundación gibt es jedoch in den Sommerferien (Januar und Februar). Dann gibt es nämlich Ferienlager. Das war für mich die vielleicht schönste Erfahrung. Dort arbeitete ich mit anderen Jugendlichen aus Hijuelas zusammen als Betreuer. Es ist eine sehr intensive Erfahrung, aber auch ein tolles Gefühl, so vielen Kindern Dinge zu erklären, Abenteuer zu erleben und mit ihnen die Sommerferien zu verbringen. In den Ferienlagern habe ich viele Freunde kennengelernt.

In den anderen Monaten arbeitet man hauptsächlich außerhalb in anderen Projekten. Es gibt mehr als 100 Projekte (die ich gar nicht mal alle selbst kenne), dauernd laufen alte Projekte aus und neue kommen hinzu.
Ich habe zum Beispiel mit in Schul- und Familiengärten geholfen, habe ein Fußballturnier organisiert und Workshops zum Thema Umweltschutz durchgeführt. Die interessanteste Arbeit ist für mich jedoch die als Klavierlehrer. Ich habe das Glück, mein Hobby hier in Chile weiterführen zu können. Ab und zu kann ich auch als Pianist (z.B. bei einer Eröffnung eines neuen Projektes) auftreten. Das war für mich anfangs sehr ungewohnt, aber mit der Zeit hat es mir viel Spaß gemacht.
So war es übrigens mit vielen Dingen in der Fundación. Oft war der Anfang schwierig, ich musste erst mal reinfinden, doch dann hat sich die Mühe gelohnt und nun will ich diese ganzen Erfahrungen aus den verschiedenen Projekten nicht mehr missen. Es ist wirklich eine sehr schöne Arbeit, ich kann sie nur für die nächsten Freiwilligen empfehlen.
Als Freiwilliger sollte man gerade in diesem Projekt sehr flexibel sein, denn es passiert manchmal, das einem am Abend vorher gesagt wird, was man am nächsten Tag zu machen hat und die Projekte wechseln oft. Das gute ist: Man muss kein “Spezialist” für Kinder mit Behinderung sein oder Vorwissen in Medizin mitbringen oder so etwas dieser Art. Es ist natürlich immer gut, aber nicht notwendig. Wenn man jedoch ein Instrument spielt, oder sonstige Hobbys hat, gibt es gute Möglichkeiten diese einzubringen. Gerade das macht die Arbeit so reizvoll und verbessert die Erfahrung und den Austausch mit den Menschen.