ZUHAUSE IN DER WELT / Wie der Austausch mein Leben verändert hat…

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Foto der Autorin des Textes

Jeder der sich mit dem Thema Austausch beschäftigt hat, kennt dieselben üblichen Leiern, doch ich möchte hier einmal erzählen, wie es für mich persönlich war und wie es mich geprägt hat.

Obwohl es nicht üblich war in der Realschule einen Austausch zu machen, hatte ich mich entschieden, in der 9ten Klasse, für ein halbes Jahr in die USA zu gehen. Was ich damals mit meinen naiven 14 Jahren nicht wusste, wie sehr diese Entscheidung mein weiteres Leben beeinflussen würde.

Eine neue Familie - und eine neue Schwester

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Eleni in den USA sechs Jahre nach ihrem Schüleraustausch

Verhältnismäßig schnell hatte ich eine Gastfamilie gefunden. Die ersten Skype-Gespräche wurden geführt und schon schnell merkte ich, dass ich eine schöne Zeit haben werde. In diesem halben Jahr sind meine Gasteltern und ich zu einer richtigen Familie zusammengewachsen, die ich nicht mehr in meinem Leben missen möchte. Meine Gastfamilie ist ein richtiger Teil meiner Familie geworden, der fest in meinem Leben verankert ist. Für mich sind auch sie Mum und Dad, und haben den gleichen Stellenwert in meinem Leben, wie meine Eltern.

Gleichzeitig zu meinem Austausch hat sich meine Familie entschlossen, eine Gastschülerin aus Korea aufzunehmen. Ursprünglich sollte sie nur für ein halbes Jahr bleiben, also die Länge meines Aufenthalts, aber gemeinsam wurde dann beschlossen, ihren Aufenthalt um ein weiteres halbes Jahr zu verlängern. So habe ich auch gleichzeitig noch eine Schwester dazugewonnen.

"Fernweh im Blut"

Doch nicht nur den familiäre Zuwachs, hat mir der Austausch gebracht, sondern ich bin auch durch die Erfahrungen gewachsen. Ich bin selbstständiger geworden, und habe auf eine Art und Weise mich selbst gefunden. Ich habe mich auf eine neue Art kennengelernt. Gleichzeitig hat es auch mein Fernweh geweckt und mich geöffnet. Mit Fernweh im Blut, wollte ich immer mehr Kulturen entdecken und neue Länder bereisen. Letzten Endes bin ich dann beruflich in Italien gelandet, wo ich derzeit arbeite und meinen Lebensmittelpunkt habe. Ohne die positiven Erfahrungen des Austausches wäre es mir wahrscheinlich nicht so einfach gefallen, spontan meine sieben Sachen zu packen und der Firmenexpansion nach Italien zu folgen. Eine Entscheidung die ich bis heute nicht bereue.

Zuletzt durfte ich mich im vergangen Sommer auch wieder daran erinnern, dass ich neben all den beschriebenen Sachen auch noch ein zweites Zuhause in den USA dazugewonnen habe. Als ich 6 Jahre nach dem Austausch meine Familie besuchen war und ich das erste Mal wieder das Haus betreten habe, hat mich das heimische Gefühl überraschend überwältigt. Es war ein „nach Hause kommen“.

Abschließend möchte ich sagen, dass zu keinem Zeitpunkt ich die Entscheidung bereut habe, den Austausch gemacht zu haben. Für mich war es in aller Hinsicht ein Gewinn und in keiner Weise ein Verlust, und ich kann es nur jedem empfehlen.

Eleni Rothe