Image
Kuratorium Mitglied

Interview mit Kuratoriumsmitglied Christoph Räthke

Herr Räthke, Sie sind neues Mitglied im Kuratorium von Experiment e.V. Wann sind Sie zum ersten Mal mit Experiment e.V. in Kontakt gekommen und was verbinden Sie mit dem Verein?

Bettina Wiedmann kenne ich seit vielen Jahren, und das Thema „andere Länder und Menschen entdecken“ begleitet mich seit meiner ersten Interrail Tour nach dem Abi. Damals habe ich gelernt, dass wenig so konkret und bereichernd ist wie ein Netzwerk von Freunden über Länder und Kontinente hinweg – und zwar fürs ganze Leben!

Sie sind nicht nur selbst Gründer, sondern begleiten seit 2012 mit der Berlin Startup Academy junge Gründer*innen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen. Darunter sind auch Social Entrepreneurships wie Projekt Together. Kann man gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen und Verantwortung überhaupt vergleichen? Was können gemeinnützige Unternehmen von StartUps lernen?

Ja, man muss das sogar vergleichen. Wenig hält die „Sozialen“ so sehr zurück wie ihre traditionelle Existenz in einem separaten Wirtschaftskonstrukt. Kein System, das ausschließlich von nicht selbst erwirtschafteten Mitteln lebt, kann nachhaltig sein. Bei der Startup-Methodik geht es darum, mit möglichst geringen, dafür aber innovativen Mitteln exponentielle und nachhaltige Effekte zu erzielen – also eigentlich genau das, was der Sozialsektor auch will. Angesichts dessen ist es nach wie vor eine enorme verschenkte Chance, eine Schande geradezu, wie wenig er sich in die Startup-Szene einbringt und profitiert. 

Können Sie uns von einer besonders außergewöhnlichen oder lustigen interkulturellen Begegnung erzählen, die Sie im Laufe Ihres Lebens gemacht haben?

Die habe ich schon alleine mit den Schwaben in Berlin ständig! – Nein, da gibt es sehr, sehr viele. Ich liebe Lateinamerika und spreche Spanisch, und ich werde nie vergessen, wie eine alte Dame sich neben mich auf eine Parkbank setzte, auf dem Marktplatz von Cuzco. Nach einer Weile erzählte sie von dem Tag, an dem der Sendero Luminoso, die kommunistische Terrororganisation Perus, in ihr Dorf kam und ihre Söhne rekrutieren wollte. Als die Mutter sich weigerte, erschossen sie ihre vier Söhne vor ihren Augen. Die Dame fing dann an, zu weinen, und ich, der deutsche Tourist, dessen größte Sorge die war, ob ich morgen ein Ticket für den Luxuszug nach Macchu Picchu bekäme, nahm sie in den Arm und wusste überhaupt nicht, wie mir geschah.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Kuratorium von Experiment e.V.? Wie möchten Sie Ihre eigenen Erfahrungen als Kurator von Experiment e.V. einbringen? Und was erwarten Sie von Experiment e.V. im Gegenzug?

Anstelle Erwartungen zu hegen, möchte ich jetzt erst einmal herausfinden, was ich beitragen kann. Ich bin seit 20 Jahren Unternehmer und Mentor für aufstrebende Gründer und Konzerne; dabei habe ich viel Handwerkliches und Organisatorisches gelernt, mit dem ich Experiment vielleicht unterstützen kann.

Experiment e.V. blickt auf über 85 Jahre Erfahrung zurück. Wo sehen Sie den Verein in der Zukunft?

Fragen Sie mich das in einem Jahr nochmal – bis dahin kenne ich hoffentlich die Möglichkeiten und Pläne viel besser.