GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Stefanie (17)

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Autorin Gastmutter Stefanie

Mehrere Gastfamilien berichten auf unserem Gastfamilien-Blog von ihrem Alltag mit Gastkind. Nachdem im vergangenen Schuljahr die italienische Gastschülerin Miriana bei ihnen war, haben Gastmutter Stefanie und ihre Familie nun Elli aus Australien aufgenommen.

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Die Familie mit Austauschülerin Elli vor dem Weihnachtsbaum

St. Martin mit australischer Note

Das Sankt-Martins-Singen war ein voller Erfolg und die Kinder waren die einzigen weit und breit, die von einer Querflöte begleitet wurden. Elli hat sich über die Süßigkeiten gefreut, denn sie ist eindeutig ein „sweet tooth“ und man kann ihr mit etwas Schokolade immer ein Lächeln entlocken.

Der Mutter im fernen Australien wurde begeistert von dieser deutschen Tradition berichtet – und dank moderner Technik konnten wir die Familie daheim auch sofort mit Videos und Fotos versorgen.

"So ein Aufenthalt hinterlässt Spuren"

Im letzten Blogbeitrag hatte ich noch die leise Hoffnung, dass sich die Kommunikation mit Elli langsam bessert und sie ein bisschen aus ihrem Schneckenhaus herauskommt... nun muss ich sagen, dass sich diese Hoffnung leider nicht erfüllt hat.

Sie ist nett und freundlich – aber wir sehen sie manchmal nur sehr selten und müssen ständig darauf achten, dass sie auch mal Zeit mit uns verbringt.

Wann immer sie kann, schläft sie bis 12 Uhr oder länger und auch danach ist sie liebend gern allein in ihrem Zimmer. Das mag für eine inzwischen 16-jährige durchaus normal sein, keine Frage. Aber schade finde ich es dennoch, denn dafür hat sie nicht die weite Reise angetreten. Ich frage mich ohnehin, aus welchem Grund sie nach Deutschland gekommen ist, denn sie spricht wirklich kaum und wenn, dann nur auf Aufforderung.

Aber wer weiß, was sie tief im Inneren von Deutschland mitnehmen wird... Irgendwas wird hängenbleiben und vielleicht auch irgendwann Früchte tragen. Manchmal braucht so eine Entwicklung einfach etwas länger. Ich denke, dass auch sie anders nach Hause fliegen wird als sie vor fünf Monaten in Deutschland angekommen ist. So ein Aufenthalt auf der anderen Seite der Welt wird Spuren hinterlassen, ganz bestimmt.

Zwischendurch habe ich mich auch mal an ihre Mutter gewandt und erfahren, dass Elli auch zuhause nicht viel spricht und am liebsten allein in ihrem Zimmer ist. Das ist gut zu wissen und hat uns geholfen, ihr Verhalten einfach als persönlichkeitsbedingt zu akzeptieren. Sie macht auch keinen unglücklichen Eindruck, soweit ich das sagen kann – sie kommuniziert eben nur selten. Wenn wir sie nicht aktiv ins Familienleben einbinden, kann es passieren, dass wir sie einen ganzen Tag lang gar nicht sehen – und so ist diese Programm ja nicht gedacht. Darum bemühen wir uns immer wieder aufs Neue, auch wenn es - ehrlich gesagt - inzwischen manchmal schwer fällt.

Ihre Mutter hatte mich auch gebeten, für einen Geburtstagskuchen zu sorgen. Das habe ich natürlich gerne gemacht und wir haben einen schönen 16. Geburtstag mit Torte, Kerzen und Geschenken gefeiert. Und die warme Mütze, die es von uns geschenkt gab, ist oft in Gebrauch, denn wer normalerweise 35 °C im Dezember hat, kann sich nur schwer an die deutschen Temperaturen gewöhnen!

Einige Zeit später kam dann ein großes Paket für uns aus Australien – mit landestypischen Süßigkeiten, von Oma und Tante selbst gestrickten Mützen und Schals sowie Tee und Seife... was für eine fabelhafte Weihnachtsüberraschung, wir haben uns sehr gefreut!

Weihnachtszeit und zum ersten Mal Schnee

Ein wunderschöner Moment war, als sie das erste Mal in ihrem Leben Schnee gesehen hat! Da war sie sogar richtig ausgelassen, das muss etwas ganz Besonderes für sie gewesen sein. Bisher hatten wir erst zwei Mal ein bisschen Schnee, aber wenn es das Wetter zulässt, werden wir noch in den Harz oder ins Sauerland fahren – ich werde die Schneehöhen dort täglich beobachten, denn Elli wird ja nicht mehr sehr lange Gelegenheit haben, durch den Schnee zu stapfen. Im Moment sieht es ehr nach Sturm und Regen aus, aber vielleicht haben wir ja noch Glück. Auch die Kinder drücken alle verfügbaren Daumen...

Ich denke, dass ihr die Weihnachtszeit gut gefallen hat, in Australien oder aber zumindest in ihrer Familie scheint man nicht sehr viele Traditionen für die Festtage zu haben. Auf die Frage, was man denn zuhause so an Weihnachten tue, sage sie nur „wir sind faul und essen viel“ ….Naja, wenn man ehrlich ist, ist es in Deutschland nicht so viel anders!

Wir haben versucht, möglichst viel „Familienzeit“ mit Elli in den Advent einzubauen. So waren wir z.B. alle zusammen in Dortmund zum historischen Lichter-Weihnachtsmarkt. Dort herrschte eine sehr weihnachtliche Atmosphäre, alles war von Kerzen, Fackeln und Laternen mit echtem Feuer beleuchtet und wir hatten einen sehr harmonischen Tag. Diese Erlebnisse wird sie bestimmt nie vergessen, auch wenn sie typbedingt nicht gerade vor Begeisterung aus dem Häuschen war.

Drei Tage vor Heiligabend haben wir unseren Weihnachtsbaum, wie in jedem Jahr, in einer Schonung selbst ausgesucht und geschlagen. Es hat fürchterlich geregnet und wir waren alle pitschnass und durchgefroren, aber dafür haben wir gemeinsam einen sehr schönen Baum gefunden und hatten viel Spaß.

An Weihnachten war sie wohl das erste Mal in einer evangelischen Kirche, denn Weihnachten ohne einen festlichen Gottesdienst geht für uns gar nicht.

Sie hat sich sehr große Mühe gegeben, jeden in der Familie mit einem passenden Geschenk zu bedenken. Wir haben uns sehr gefreut – vor allem, weil man merkte, dass sie nicht einfach „irgendwas“ besorgt hatte, sondern sich wirklich Gedanken über die Geschenke gemacht hatte. Marie zum Bespiel konnte sich über ein wunderschönes ledergebundenes Notizbuch mit einem Drachen auf dem Cover freuen – das war das perfekte Geschenk für die deutsche Gastschwester, die gerne schreibt und total auf Drachen steht.

Baldiger Abschied

An Silvester habe ich Elli sehr fröhlich erlebt, sie hat sogar getanzt! Und den Partygästen ihrer deutschen Gastoma (die am 31.12. Geburtstag hat) australische Schrittkombinationen zu einigen aktuellen Lieder beigebracht. Alle hatten viel Spaß und sie hat bis nachts um drei mit uns gefeiert.

Die Zeit mit ihr geht jetzt rapide dem Ende entgegen... das Zugticket nach Frankfurt ist gekauft, von dort wird sie am 19. Januar wieder nach Hause fliegen.