GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Stefanie (16)

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Autorin Gastmutter Stefanie

Mehrere Gastfamilien berichten auf unserem Gastfamilien-Blog von ihrem Alltag mit Gastkind. Nachdem im vergangenen Schuljahr die italienische Gastschülerin Miriana bei ihnen war, haben Gastmutter Stefanie und ihre Familie nun Elli aus Australien aufgenommen.

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Gastschülerin Elli und Gastschwester Anna

Gemeinsamer Trip nach Prag

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Gatsschülerin Elli und ihre Gastgeschwister in Prag

Prag war wunderschön, wir haben 10 Tage in der „Goldenen Stadt“ verbracht. Auch das Wetter zeigte sich von der goldenen Oktoberseite, sonnig, mild, kein Regen... einfach wunderbar und perfekt für eine Städtereise. Prag hat viel zu bieten, und wir haben längst nicht alles gesehen... aber die Highlights waren sicherlich dabei: Karlsbrücke, Burg, St. Veitsdom, Rathaus mit der berühmten astronomischen Uhr, diverse Museen... unter anderem ein Alchemiekeller unter dem zweitältesten Haus der Stadt – dieser war jahrhundertelang verschlossen und wurde nur durch Zufall wiederentdeckt. Und so hat man heute die Gelegenheit, ein historisch verbürgtes alchemistisches Labor zu besichtigen. Die Führung dort war auf Englisch, was Elli natürlich sehr entgegenkam. Ja ja, die Sprachkenntnisse... so weit her ist es damit noch nicht. Und bisher hatten wir auch nicht den Eindruck, dass es sehr viel besser wird. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass sie immer noch kaum spricht...

vielleicht traut sie sich nicht, weil sie in der fremden Sprache noch unsicher ist, vielleicht ist sie vom Typ her so schüchtern und zurückhaltend, dass sie auch zuhause in ihrer gewohnten Umgebung so ist.... ich weiß es nicht. Es ist anstrengend und man muss sich sehr genau überlegen, wie man sie etwas fragt. Denn wenn man fragt „Ist dieses oder jenes in Australien auch so?“, kann man darauf wetten, dass man nur ein „Ja“ oder eben ein „Nein“ bekommt. Mehr nicht. Also.... man fragt besser, WIE etwas bei ihr zuhause ist, dann hat man zumindest die Chance auf einen Halbsatz.

Spielerisch Deutsch lernen

Meine zehnjährige Tochter Marie ist traurig, denn sie hatte sich eine „große Schwester“ gewünscht, mit der man sich austauschen kann.... neulich hat sie sich beklagt, dass überhaupt kein Gespräch möglich ist und dass Fragen immer nur mit „ja okay“ oder „nein“ beantwortet werden. Daraufhin habe ich sie erinnert, dass sie sich auch selbst am Riemen reißen muss und sich einmal vorstellen soll, wie es ist, wenn man mit 15 Jahren plötzlich am anderen Ende der Welt ist, die Sprache noch nicht gut versteht, das Zuhause und die gewohnte Umgebung vermisst.

Da darf man auch als deutsche Gastschwester mal ein bisschen Eigeninitiative zeigen und nicht immer darauf warten, dass das neue Familienmitglied „von alleine“ kommt und eigene Ideen und Wünsche äußert.

Gesagt, getan – und 15 Minuten später saßen beide am Küchentisch, hatten gelbe Post-It Zettel auf der Stirn und spielten „Was bin ich?“. Kommunikative Spiele sind immer eine gute Idee, denn da kommt man mit „Ja, nein, ok“ nicht sehr weit, sondern muss auch mal selbst Fragen und ausführlichere Antworten formulieren.

Gestern haben alle Kinder mal zusammen eine Fernsehshow geguckt. Das kommt sonst nicht vor, denn Elli ist nach dem Abendessen immer sofort in ihrem Zimmer verschwunden. Aber ich hatte den Eindruck, dass es ihr gefallen hat, auch einmal „Klein gegen Groß“ zusammen mit ihren Gastgeschwistern zu sehen, alle scheinen sich gut amüsiert zu haben.

Begleitmusik zu St. Martin

Auch heute waren alle zusammen recht vergnügt, denn sie haben Lieder für das Sankt-Martins-Singen geübt, welches hier bei uns am 10. November stattfinden wird. Die Kinder gehen dann singend mit Laternen von Haus zu Haus und werden dafür mit Süßigkeiten belohnt. In diesem Jahr wird allerdings nicht nur gesungen, denn Elli hat ihre Querflöte mit und wird für die Begleitmusik sorgen. So ein „gemeinsames Projekt“ sorgt für Gemeinschaft – sie sitzen zusammen, singen, spielen, kopieren die Noten, lachen über schiefe Töne und haben viel Spaß.

Also, es gibt durchaus Anzeichen, dass es langsam besser wird. Jeder ist nun mal anders – und wie gesagt -  wer zuhause auch eher ein stiller Mensch ist, dem fällt es in fremder Umgebung und in einer fremden Sprache sicherlich nicht leicht, auf andere zuzugehen und die Initiative zu ergreifen. einer fremden Sprache sicherlich nicht leicht, auf andere zuzugehen und die Initiative zu ergreifen.