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Alexandra J.

Gastfamilie werden: Ein plötzlicher Abschied

Das allumfassende Thema – Corona – hält die Welt in Atem. Täglich steigt die Zahl der Infizierten, Einschränkungen im Alltag bestimmen das Leben vieler Menschen. Eine Krise, die es so auf der Welt noch nicht gegeben hat beeinflusst alles – so auch natürlich das Thema Schüleraustausch.

Ich musste innerhalb von 24 Stunden Abschied von unserer Gastschülerin aus den USA nehmen. Trotz, dass die Gedanken an einen baldigen Heimflug schon vorhanden waren, kam dieser Schritt doch wie ein Schlag. Nach der Ankündigung Trumps, die Grenzen für Europäer zu schließen – morgens um 7 wohlgemerkt – überschlugen sich die Ereignisse. Whats App Nachrichten von der Gastschülerin, Anrufe beim Ehemann, keiner wusste so richtig, was nun zu tun ist. Ein paar Stunden später dann die Nachricht des Bundestages, dass das Programm beendet ist und die Schüler nach Hause fliegen müssen. Wie schnell das dann geht, was bis dahin noch nicht abzusehen.

Als ich von der Arbeit nachmittags nach Hause kam fühlte ich schon die gedrückte Stimmung. Das Zimmer der Gastschülerin ein Chaos vom Kofferpacken. Wer hätte es für möglich gehalten, dass dies unser letzter Abend zusammen sein wird.

Nach dem Abendessen wurde mit allen Familienmitgliedern noch einmal per Videochat gesprochen. Alle waren sprachlos und erschüttert von der baldigen Abreise. Viele Tränen gab es auch. Aber auch ein Versprechen, dass man sich so schnell wie möglich wiedersehen wird.

Da die Abreise an einem Freitag war, musste ich natürlich auf die Arbeit, konnte aber in der Mittagspause nach Hause kommen um mich zu verabschieden. Ein Abschied nach der geplanten Zeit ist schon schwer genug. Aber zu denken, man hat ja noch genug Zeit um all die schönen Dinge zu tun, die geplant waren um dann innerhalb kürzester Zeit eines Besseren belehrt zu werden, war ein Schock, der immer noch tief sitzt.

So schlimm und emotional Abschiede auch sind, zeigen sie uns auch auf eine brutale Art und Weise, wie wichtig uns Menschen sind, die wir eigentlich als selbstverständlich erachten. Umso erstaunlicher ist es, dass man so empfindet, auch wenn solch ein Menschen noch vor einem halben Jahr völlig fremd war. Von heute auf morgen sind sie weg und man vermisst sie sehr.

Dieser Abschied war eine schmerzhafte Erfahrung für mich und auch für meinen Mann. Trotzdem möchten wir die Erfahrung als Gastfamilie nicht missen. Das Gefühl, besondere Freundschaften über Länder- und Kulturgrenzen hinweg geschlossen zu haben, ist unbezahlbar und macht uns sehr stolz. Und gerade in Zeiten wie diesen ist es umso wichtiger zusammen zu halten. Es ist betrifft nicht nur einen – es betrifft uns alle. Und nur gemeinsam können wir es auch überstehen.