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Gastfamilie Doris H.

Experiment verbindet Kulturen: Gastfamilienaufenthalt in Madagaskar

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Goethe-Institut bietet Experiment e.V. einen Gastfamilienaufenthalt für Deutschlehrer*innen aus Subsahara-Afrika an. Die Lehrer*innen nehmen deutschlandweit an Fortbildungsseminaren am Goethe-Institut teil und haben vorher oder nachher die Möglichkeit, zwei Wochen in einer deutschen Gastfamilie zu verbringen. Aus diesen Begegnungen entstehen oftmals langjährige Freundschaften.

So erging es zum Beispiel Doris H.: Nachdem sie eine madegassische Deutschlehrerin bei sich aufgenommen hat, ist ein enger Kontakt entstanden. Nun hat sie einen Gegenbesuch gemacht, von dem sie hier eindrücklich berichtet:

Emma H. war 2018 als Deutschlehrerin nach einem Kurs beim Goethe-Institut bei mir in Bruchsal zu Gast. Nun wurde der Gegenbesuch endlich wahr und ich war vom 6. bis zum 20. Dezember 2019 in Madagaskar.

In Emmas Haushalt leben ihr Mann, fünf Kinder und ihre Eltern. Sie wird von einer Haushaltshilfe unterstützt. Emma zeigte mir ihr tägliches Leben, vom Einkaufen auf dem Markt und den Vorbereitungen der Mahlzeiten bis zum Kochen auf einer echten Feuerstelle, was gelernt sein muss. Speziell für mich wurde einige Male Kartoffelsalat zubereitet – lecker! Ansonsten ist der Hauptbestandteil einer Mahlzeit Reis mit ein wenig Hühnchen, Fisch oder Gemüse. Getrunken wird Reiswasser.

Zusätzlich zu all dieser Arbeit unterrichtet sie noch Deutsch in drei Klassen an zwei Schulen, dem Lycée Mahazengy und dem Lycée Privée Les Semeurs. Je Klasse übernahm ich während meines Besuchs eine Unterrichtsstunde. Am Ende der Stunden haben wir ein deutsches Weihnachtslied gesungen.

Beim Appell im Lycée Mahazengy wurden die madagassische und die deutsche Fahne gehisst. Selbstverständlich wurde dann auch die deutsche Nationalhymne gesungen. Nach einer kleinen Ansprache übergab mir der Direktor das Mikrofon. In einem anschließenden Gespräch äußerte er den Wunsch nach einer deutschen Partnerschule. Mein Eintrag ins Gästebuch war auch ganz wichtig. Den gleichen Wunsch äußerte der Leiter des Lycée Privée Les Semeurs.

Emma und ihr Mann Andry hatten Urlaub erhalten, um Ausflüge mit mir zu unternehmen. Wir besuchten unter anderem mehrere lokale Unternehmen und ein Weingut. Ich wusste vorher gar nicht, dass in Madagaskar Wein wächst!

Einen Ausflug ans Meer hatte ich mir gewünscht, ohne zu wissen, dass dort das Klima heiß und schwül ist. Wir waren an der Ostküste in Manakara. Dort gibt es einen herrlichen Sandstrand. Das Meer ist sehr unruhig und die Wellen sind wild und hoch. Weitere Ausflüge zeigten mir die Vielfalt der Landschaft.

Der krönende Abschluss war eine Familienfeier, die Emma organisierte. Es gab gutes Essen, Getränke, Tanz und Abschiedsgeschenke für mich. Der Raum war mit Girlanden dekoriert und die Kinder erhielten Krönchen. Die Herzenswärme von Emma und ihrer Familie gingen mir sehr nahe. Ich bin dankbar, dass ich dort sein durfte.