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Gastfamilie Wolf

Das Experiment „Gastfamilie“ beginnt!

Am 9. Februar hieß es für unsere Familie „Das Experiment“ kann beginnen. Sehr aufgeregt begrüßten mein Mann, unsere drei Kinder und ich unser Gastkind Paula Andrea am Bahnhof. Elf Monate sollte das 16- jährige Mädchen aus Kolumbien nun bei uns sein. Kaum zu glauben, dass davon schon wieder vier Monate vergangen sind.

Paula zeigte sich zu Beginn eher ruhig und zurückhaltend. Doch schon schnell merkten wir, dass wir auf einer „Wellenlänge“ liegen. Für mich als Gastmutter war es toll zu sehen, dass Paula sich schnell und ganz selbstverständlich in unseren Familienalltag integrierte. In der ersten Woche nach ihrer Ankunft, nutzten wir zusammen die Gelegenheit, unsere Umgebung besser kennenzulernen, machten die erste Shoppingtour und wanderten auf den Brocken. Auch hier zeigte sich, dass wir uns gut verstehen. Paula kennt das Wandern und bewegt sich, so wie wir, gern an der frischen Luft.

Somit war klar, dass der erste gemeinsame Urlaub unserer Familie im April nach Österreich führen sollte. Unsere Tochter Nele und Paula bezogen gemeinsam ein Zimmer. Spätestens ab diesem Zeitpunkt brach bei beiden die anfängliche Schüchternheit auf. Die Mädchen nutzten die gemeinsame Zeit in einem Zimmer zum Film schauen, Schminktipps austauschen und zum Reden (meistens bis tief in die Nacht J). Der gemeinsame Urlaub bestand aus langem Frühstück, einer täglichen Wandertour von 4-5 Stunden und gemeinsamen Abenden mit leckerem Essen.  Paula taute in dieser Woche immer mehr auf. Innerhalb unserer Familie wurde deutlich, wie viel sie schon versteht und selbst sprechen kann ...(wenn sie möchte). Denn nach Beschreibungen ihrerseits, ist sie wohl im Unterricht der Klasse eher schweigsam. Noch fehlt ihr hier das notwendige Selbstbewusstein.

 

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Gastfamilie Wolf

Paula besucht mit unseren 2 älteren Kindern die Schule. Die sprachlichen Unsicherheiten stellen das Mädchen doch vor eine große Herausforderung. Gerade in Unterrichtsfächern wie Geschichte oder Soziologie, fällt es ihr schwer, zu folgen. In den Naturwissenschaften fällt ihr das Lernen leichter. Toll ist es, dass einige ihrer Lehrer, sehr auf sie eingehen und zum Beispiel Fachbegriffe in ihrer Muttersprache Spanisch parat haben. Das in Klasse 9 eine Klassenfahrt durchgeführt wird und wir alle es für eine tolle Idee hielten mitzufahren, missfiel ihr sehr. Doch wir als ihre „Ersatzeltern“ blieben bei unserer Meinung, dass diese gemeinsame Zeit mit den Klassenkameraden eine Bereicherung sein wird. So verabschiedeten wir eine sehr aufgeregte und auch ein wenig „mürrische“ Paula an einem Montagmorgen im Mai. Doch schon nach einem Tag kam die Nachricht, dass alles nicht so schlimm sei wie gedacht und sie einige Mädchen ihrer Klasse nun besser kennt. Am Freitag konnten wir dann eine sehr müde, aber fröhliche Paula in die Arme schließen. Nach dieser Woche hat Paula tatsächlich besser Anschluss gefunden. Wir als Familie merkten aber auch, wir sehr wir uns aneinander gewöhnt haben und es vermissen, wenn einer fehlt.  Selbst unser jüngster Sohn Oskar, im Umgang mit Paula noch zurückhaltend, begrüßte sie mit einer festen Umarmung und „Hooollllaaaa Paula.

Nach 4 Monaten ist Paula nun auch vollständig in unsere große Familie und unseren Freundeskreis integriert. Bei Omas 90. Geburtstag hat sie die vielen Namen unserer Verwandtschaft gelernt, uns am Lagerfeuer das Salsa Tanzen beigebracht und bei gemeinsamen Abenden mit Freunden hören wir nun oft spanisch-kolumbianische Musik.

Nun sind es noch 4 Wochen bis zu den Sommerferien, welche unsere Kinder und auch Paula sehnsüchtig erwarten. Nach Österreich wird sie dann Frankreich mit uns erkunden. Doch Eines haben wir uns für die freien Tage fest vorgenommen - eine Wanderung zum 2 Kilometer entfernten Petersberg. Na mal sehen, ob wir das schaffen!

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