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Oleg Lepschin

„Don’t panic and don’t lie!“ – Auswirkungen des Coronavirus

Oleg Lepschin ist ehemaliger Austauschschüler von Experiment e.V. und war im Schuljahr 2007-08 in den USA. Seit seinem Auslandsjahr unterstützt er die Bonner Austauschorganisation ehrenamtlich. Nach seinem Studium für Internationale Not- und Katastrophenhilfe und seinem Abschluss in Disaster Management arbeitete er in verschiedenen Hilfsprojekten und internationalen Unternehmen. Für Experiment e.V. beantwortet er einige Fragen zur Berichterstattung im Rahmen des neuen Coronavirus und gibt Ratschläge für Austauschorganisationen bezüglich aktueller Leitlinien in der Krisenkommunikation.

1. Das neue Coronavirus hat Deutschland mittlerweile erreicht. Wie bewertest du die aktuelle Medienkommunikation rund um den Virus?

Die Medienkommunikation würde ich insgesamt als widersprüchlich bewerten. Das verbreitet natürlich Unsicherheit. Was den Ursprungsort des Virus, nämlich China, betrifft, wird aktuell gemeldet, dass die Anzahl der täglichen Neuerkrankungen bereits seit einiger Zeit zurückgeht. Dies melden chinesische Gesundheitsbehörden, ebenso wie Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein wichtiger Parameter in der Gesamtbetrachtung. In Deutschland gibt es ebenfalls von mehreren Experten unterschiedliche Angaben zum Coronavirus. Von „alles unter Kontrolle“ bis hin zu der Aussage, man stehe kurz vor einer Pandemie, eine sich weit ausbreitende Krankheit über Länder und Kontinente hinweg, ist alles dabei. Diese zwei Aussagen widersprechen sich jedoch nicht grundsätzlich: Auch einer Pandemie kann man gewappnet und bestmöglich vorbereitet entgegentreten.

2. Aktuell ändert sich die Lage zu Erkrankungen stündlich. Wie kann man da überhaupt oder am besten kommunizieren?

Die Frage ist, ob man überhaupt im Stundentakt kommunizieren muss. Das hilft niemandem, sondern schürt Unsicherheit. Hilfreich ist sicherlich, eine Routine zu finden und dann zu berichten, wenn es auch wirklich etwas zu berichten gibt.

3. Wie und wo kann man sich verlässlich über das Coronavirus und die aktuelle Lage informieren – um einer Erkrankung vorzubeugen, aber auch im Falle einer möglichen Infektion?

Hier empfehle ich grundsätzlich das Robert-Koch-Institut, welches eine deutsche Bundesoberbehörde ist. Das Institut hat die Gesundheitslage der deutschen Bevölkerung im Blick und informiert darüber. Auf der Internet-Seite www.rki.de werden täglich Risikobewertung, Infektionsschutzmaßnahmen und Strategie aktualisiert und publiziert.

4. Die Verbreitung der Viruskrankheit wirkt sich u.a. auf die Reise- und Austauschbranche aus. Womit müssen wir als Anbieter zahlreicher Austauschprogramme in mehr als 30 Länder rechnen?

Die Folgen der Virusausbreitung sind natürlich für diverse Wirtschaftszweige enorm. In China wurden ganze Produktionswerke stillgelegt und auch das öffentliche Leben steht in einigen Landesteilen nahezu still, Fluggesellschaften lassen zahlreiche Flugzeuge am Boden und der globale Austausch von Waren und Dienstleistungen nimmt vor allem Richtung Asien ab. Bezogen auf die Austauschbranche ist es nachvollziehbar, dass zum Beispiel Eltern Bedenken haben, ihre Kinder an Austauschprogrammen teilnehmen zu lassen.

Unter Umständen müssen sich Reiseanbieter und Austauschorganisationen auf eine höhere Storno-Rate bzw. eine abflachende Anzahl an Neu-Anmeldungen einstellen. Dies ist aber komplett davon abhängig, wie sich die Situation weiter entwickelt und ob es z.B. weitere Reisewarnungen für bestimmte Regionen geben wird.

5. Was rätst du Austauschorganisationen in der Kommunikation zu Teilnehmenden, (Gast-)Eltern und Partnerorganisationen?

Die wichtigste Kommunikationsregel sollte sein: Don't panic and don’t lie! Ich rate Austauschorganisationen dazu, offen und transparent mit allen Beteiligten zu kommunizieren, soweit dies möglich ist. D.h. es sollten nur valide Informationen und keine Spekulationen weitergegeben werden. Hier ist das Auswärtige Amt eine maßgebliche Quelle, was Reisewarnungen angeht. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Ansprechpersonen für Rückfragen verunsicherter Reisender zur Verfügung stehen.

6. Was können Programmteilnehmende und ihre Eltern von Experiment e.V. als Austauschorganisation erwarten?

Die Sicherheit und das Wohl der Teilnehmenden sowie aller Mitarbeiter*innen und Kooperationspartner sollte immer das höchste Ziel sein. Experiment e.V. ist im ständigen Austausch mit seinen internationalen Kooperationspartnern und verfolgt intensiv die aktuelle Berichterstattung. Im Kontakt mit Programmteilnehmenden und ihren Eltern gab es bereits Hinweise zu Verhaltensregeln und Hygienemaßnahmen. Außerdem wird in Einzelfällen individuell geklärt, welche Optionen bzgl. Antritt, Abbruch oder Verschiebung der Austauschaufenthalte möglich sind. Dies ist aus meiner Sicht genau der richtige Ansatz, denn es hilft niemanden, in Panik zu verfallen. Wichtig ist eine sachliche und lösungsorientierte Kommunikation.

 

Weitere Informationen:  

www.rki.de

www.bundesgesundheitsministerium.de

www.auswaertiges-amt.de

www.euro.who.int/de