Betreuerinnen-Blog - Betreuerin Julitta (7)

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Julitta, die Autorin des Betreuerinnen-Blogs

Da gingen nun doch schon wieder 3 Monate ins Land. So gibt es nun viel zu berichten.

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Betreuerin Julita mit Emma und Gastmutter

Im August hatte ich das Vergnügen eine junge Deutschlehrerin aus Madagaskar zu betreuen. Emma hat 2 Wochen bei einer engagierten Gastmutter in Bruchsal verbracht, die bereits mehrere Lehrerinnen und Studentinnen aufgenommen hatte. Auf dem Programm standen die Städte Speyer und Heidelberg, Museen, ein Musical und ein Besuch auf dem Wochenmarkt Ich selber habe die beiden in Speyer getroffen. Dabei habe ich sehr viel über die madagassische Lebensweise erfahren. Ein Land, welches uns doch sehr fremd ist und das so vieles an Kultur und Natur zu bieten hat.

Am 1. September fanden in Bad Laasphe, Frankfurt und Wiesbaden unsere Gastfamilienseminare im Anschluss an das Orientierungsseminar der Schüler statt. Ich hatte das Vergnügen in Wiesbaden mit dabei zu sein und den frischgebackenen Gasteltern Tipps für ihr Abenteuer Gastfamilie zu geben. Es war wie immer sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Vorstellungen, Erwartungen und auch Befürchtungen der verschiedenen Familien sind. Für mich startete dann auch die Betreuung von 3 Schülern und ihren Gasteltern. Hanan aus Italien konnte ich bereits beim Seminar kurz begrüßen. Wir hatten den gleichen Nachhauseweg mit der Bahn, so dass wir da noch die Möglichkeit hatten uns schon etwas kennen zu lernen. Alice, ebenfalls aus Italien, hatte das Seminar in Frankfurt besucht. Sie ist in meiner Nachbargemeinde untergebracht bei einer Willkommensfamilie für 3 Monate. Beim Erkunden der Umgebung mit ihrer Gastfamilie traf ich alle ganz spontan in unserer ortsansässigen Eisdiele. Bei dieser Gelegenheit konnte sie ihr erstes deutsches Eis testen und ich denke, das Urteil fiel gar nicht so schlecht aus.

Joe und seine Gastfamilie besuchte ich in der 1. Woche ebenfalls und war überrascht, wie gut er schon deutsch spricht. Er hat großes Interesse an der deutschen Kultur, besucht bereits einen Kochkurs und freut sich auf seinen 1. Schultag, worauf er in Baden-Württemberg noch eine Woche warten muss. Da die Familie sich nur auf 6 Wochen festlegen wollte, musste ich leider auch schon besprechen, wie wir eine Anschlussfamilie finden können. Das Thema hatte sich aber schon ein paar Tage später erledigt, als mir die Gastmutter freudig mitteilte, dass der "Familienrat" beschlossen hat, Joe so schnell nicht mehr herzugeben. Ich freue mich sehr, dass er nun bis zum Programmende in der Familie bleiben kann.

Zum Beginn der neuen "Einreiseperiode" bietet sich ein Gastfamilientreffen ganz gut an. Anke aus der Neckargemeinde Gundelsheim schlägt vor, dass wir zusammen mit unseren derzeitigen Gastfamilien die Greifenwarte auf Burg Guttenberg besuchen könnten. Ich bin begeistert von der Idee und so nutzten wir den Feiertag am 3. Oktober um Adler, Geier und ihre Verwandten auf der Burg zu beobachten und viel über sie zu erfahren. Den Nachmittag schlossen wir mit einem gemütlichen Beisammensein im Burgrestaurant ab. Für die 5 Familien und ihre Schüler eine tolle Gelegenheit sich auszutauschen.

 

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Gruppenbild mit Fahne

Inzwischen möchte auch Alices Gastfamilie ihr Familienmitglied auf Zeit nicht mehr missen und so wird auch hier die Willkommensfamilie zur Langzeitgastfamilie. Das klappt ja dieses Jahr wirklich wunderbar, denke ich. Doch da lag ich falsch, denn bei Hanan und ihrer Gastmutter stimmt die Chemie nicht und ein Familienwechsel ist unausweichlich. Wie so oft, geht dann nichts mehr und ich überlege, wo ich das Mädchen auf die Schnelle unterbringen kann. Spontan fielen mir zwei ehemalige Familien ein, in denen sie sich wohlfühlen könnte. Ich rief beide an und beide konnten sich vorstellen als Übergangsfamilie zu fungieren. So zog die Schülerin eine Woche später nach Heidelberg um. Ein Gastfamilienwechsel ist für alle Beteiligten immer sehr aufregend. Jeder fragt sich, was er falsch gemacht hat, und jeder möchte so gut wie möglich aus der Situation wieder herauskommen. Es ist schwer zu akzeptieren, dass es manchmal einfach nicht passt. In diesem Falle kommt noch ein Schulwechsel hinzu. Die Fahrkarte ist nicht mehr gültig, die Schulbücher müssen zurückgebracht werden, Abmeldung an der einen Schule, eine Anmeldung in der nächsten Schule – es gibt viel Bürokratie. Ich versuche beiden Familien so viel wie möglich abzunehmen und bekomme dabei wie immer Hilfe aus der Geschäftsstelle. Ob Hanan in Heidelberg bleiben kann, steht noch nicht fest. Ich würde ihr gerne einen weiteren Schulwechsel ersparen und hoffe, eine Anschlussfamilie dort zu finden bei der sie bis zum Ende ihres Austauschjahres bleiben kann.