Bericht von der Entdecker-Tour Dresden: Eine Experiment-Weihnachtsgeschichte

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Foto der Autorin des Textes

Von Tabea Zorn

„Dresden ist sehr schön.“ Mit diesen Worten seiner Gastmutter wurde Fernando überzeugt, sich bei der Entdeckertour nach Dresden anzumelden. Fernando ist 17 Jahre alt und kommt aus Brasilien. Für ein halbes Jahr lebt er als Austauschschüler hier in Deutschland. Und nun ist er hier: in der Landeshauptstadt von Sachsen. Mit 17 anderen Austauschschülern aus der ganzen Welt. Dieses Wochenende werden sie gemeinsam die Stadt entdecken, sich kennenlernen und durch Dresden in ein Stück deutsche Kulturgeschichte eintauchen.

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Die Austauschschüler in Dresden

Als Fernando zum ersten Mal die Dresdener Altstadt sieht, staunt er nicht schlecht. „Wow! Ist das cool!“  Seine Augen sind groß. Sie schauen von einem alten, verschnörkelten Gebäude zum nächsten. Dazu geben die Glocken der Hofkirche ihr stündliches Konzert. Drüben vom Weihnachtsmarkt weht ein leckerer Duft Dresdener Stollen zu ihm herüber.

Bei der Stadtführung hängt Fernando an dem Mund der Stadtführerin. Er lauscht, wie sie ihm von Martin Luther und seiner Bedeutung für Sachsen erzählt. „Als ich meiner brasilianischen Mutter erzählt habe, dass ich die Stadtführung in Dresden sehr interessant fand, sagte sie nur: Fernando, du hast dich ja verändert.“ Fernando muss lachen. Früher hat er sich immer vor Stadttouren gedrückt. Doch hier unterhält er sich mit der Stadtführerin, stellt Fragen, will mehr wissen. Vielleicht liegt es an dem Charme der Stadt. Vielleicht liegt es an seiner Weiterentwicklung durch die Erfahrungen als Austauschschüler. Vielleicht an beidem.

Danach geht es auf den Weihnachtsmarkt. Den Striezelmarkt - einer von insgesamt sechs Weihnachtsmärkten in Dresden. Zeit zum Ausprobieren gibt es hier genug. Fernando probiert etwas vom Dresdener Stollen und kauft einen der bekannten Herrnhuter Sterne.

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Austauschschüler beim Eislaufen

Am Nachmittag geht es aufs Eis. Eislaufen mitten auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt. Ein Traum für Fernando. Es wird Fernandos Highlight für die Zeit auf der Entdeckertour, obwohl er nicht sehr erfahren in Sachen Eislaufen ist.  In Brasilien gibt es so etwas nicht viel. Dort ist es im Winter durchschnittlich 15 Grad warm. Wenn er dort nicht im T-Shirt rausgehen kann, dann nennt er das frisch. Und so steht er auf seinen Schlittschuhen da und versucht, sich vorzubewegen. Er ist zaghaft, wackelt, fällt. Es ist anstrengend. Noch kommt er nicht weit. Doch die anderen helfen ihm. Und wenn er stürzt, dann stützen sie ihn, um aufzustehen. Er lernt und wird langsam besser. Inmitten der Weihnachtslichter; Bei untergehender Sonne; Mit frischem Wind, der ihm um die Nase tanzt; Arm in Arm mit den anderen Austauschschülern über die Eisfläche schweben. Oder zumindest so tun als ob.

Der Abend klingt in der Gruppe aus, bei einem gemeinsamen Pizzaessen. Das ist auch ein Stück deutsche Kultur. Am Essenstisch werden die Erlebnisse vom Tag ausgetauscht. „Dresden ist sehr anders als die Städte, in denen wir leben. Brasilianische Städte sind sehr laut, heiß und eng.“ erzählt Joao Paolo, ein anderer brasilianischer Austauschschüler. Fernando und er sind schon lange Freunde. In Brasilien gehen sie sogar zusammen in eine Klasse.

Jetzt sind sie müde. Vier Weihnachtsmärkte, Schlittschuhlaufen, Stadtführung – etwa 20 Kilometer ist er mit den anderen Austauschschülern heute gelaufen.

Am nächsten Tag geht es ins Hygiene-Museum. Fernando ist verblüfft, als er die gläserne Kuh Heidi sieht. Er kann all ihre Organe, Adern und Knochen sehen. Kein Wunder, warum sie damals für eine große Aufruhr gesorgt hat.

„Ich habe es sehr geliebt“ lautet Fernandos Fazit. Das Museum,  die Stadt, die Zeit mit den anderen Austauschschülern, die Entdeckertour.

Im Januar geht es für Fernando zurück nach Brasilien. Davor fährt er aber noch einmal auf Entdecker-Tour - nach Amsterdam. Dort soll es auch sehr schön sein, hat seine Gastmutter gesagt.

Experiment e.V. bietet regelmäßig Entdeckertouren in verschiedene deutsche und europäische Städte für die internationalen Austauschschüler/innen und ihre Gastgeschwister an.