Eigentlich finde ich es total schwierig, meinen Auslandsaufenthalt mit dem ESK kurz zusammenzufassen. Vielleicht habe ich auch deshalb auf die gefühlt tausend Fragen, wie es in Tschechien war, mit „ja, war super“ geantwortet. Diese Antwort fasst es gut zusammen, wird aber gleichzeitig der Zeit überhaupt nicht gerecht.

Um aber überhaupt erzählen zu können, wie ich den Aufenthalt erlebt habe, muss ich erzählen, was ich überhaupt gemacht habe. Ich war von August bis Dezember 2021 in Rychnov nad Kněžnou in Tschechien und habe dort im “OKO centrum” als ESK volunteer gearbeitet.

Das OKO centre ist ein Nachbarschaftszentrum, in dem vor allem Sprachkurse in Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch angeboten werden, aber auch Ferienbetreuung, Jugendreisen und Workshops stattfinden. Zudem ist es in der Stadt einfach ein Ort der Begegnung und des Zusammenkommens.

Mein ESK Freiwilligendienst war komplett auf Englisch

Ich habe dort vor allem den Englischunterricht unterstützt. Einerseits gab es die Kurse im Zentrum, die aus Kindern, Schüler*innen und Erwachsenen aller Altersstufen bestanden, andererseits aber mein liebster Bestandteil der Arbeit dort, die Schulbesuche. Wir haben insgesamt über 90 Klassen besucht und in den Schulen dann einzelne Englischunterrichtsstunden geleitet. Während dieser Besuche habe ich super viele Schüler*innen kennengelernt und konnte so die Kultur und das Land noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen.

Der Unterricht war immer nach dem Konzept der “non formal education” gestaltet, das heißt wir haben ohne Bücher oder ähnliches gearbeitet und das Wichtigste war es, zu sprechen. Jede*r, die*der eine Fremdsprache lernt, weiß, wie schwer es ist, aus ihrer*seiner Komfortzone herauszutreten und sich zu trauen, diese neue Sprache auch zu sprechen. Bei diesem Schritt habe ich versucht, zu helfen. Es ging nicht darum, perfekt zu sprechen oder bloß keine Fehler zu machen, sondern vielmehr darum, sich gegenseitig verstehen zu können. Dafür war es hilfreich, dass Englisch die einzige Sprache war, die beide Seiten verstehen konnten, so “mussten” die Schüler*innen zumindest versuchen, Englisch zu sprechen.

Ich habe als ESK volunteer viel Zeit damit verbracht, die Unterrichtsstunden zu planen und vorzubereiten und über den Zeitraum ganz klar meine Kompetenzen erweitert. Außerdem fiel es mir während der Zeit immer leichter, auf neue Menschen zuzugehen. Ein weiter Punkt, in dem ich viel gelernt habe, ist Projekte mit einem “internationalen Team” zusammen zu planen und durchzuführen. Der andere Volunteer in meinem Projekt kam aus Spanien, mein Mentor aus England und die Koordinatorin des Projektes aus Tschechien.

Landschaftsfoto vom OKO centrum, dem Ort, an dem der ESK Dienst durchgeführt wurde.

Die Stadt Rychnov, in der ich gewohnt habe, war ganz anders als meine Heimatstadt Hamburg. Irgendwie logisch, mit knapp fünfzehntausend Einwohner*innen war es für mich einfach ein winziges Dorf. Dieses “Landleben” war für mich einfach eine ganz neue Erfahrung. Man begegnet sich auf dem Dorfplatz, kennt sich und hält für eine kurze Unterhaltung an. Es gibt für alles ein Geschäft, aber eben auch nur eins. Nach 18 Uhr sind die Straßen wie leergefegt und man kann alles zu Fuß erledigen. Das alles war anfangs eine riesige Umstellung für mich, trotzdem habe ich mich schnell daran gewöhnt. Die Sprache war natürlich ein weiterer Punkt, der für mich sehr neu war. Da habe ich länger gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Vor allem haben außerhalb von meinem Projekt nur sehr wenige Menschen Englisch gesprochen habe. Das war für mich neu und ich habe länger gebraucht, bis ich mich getraut habe, auch ein paar Sätze Tschechisch zu versuchen.

Aus der Sprachbarriere habe ich allerdings letztendlich sehr viel gelernt und mitgenommen, denn natürlich ist es nicht selbstverständlich, dass alle Menschen Englisch verstehen und sprechen. Und man kann sich dann immer doch irgendwie anders verstehen!

Was mich von allem am meisten überrascht hat, wie anders Tschechien als Deutschland ist, auch wenn es Nachbarländer sind. Natürlich kam bei mir die Umstellung von Stadt zu Land dazu, aber das ist sicherlich nicht der einzige Unterschied. Jedes Land hat seine ganz eigene Kultur, eigene Spezialitäten, Traditionen, Bräuche und Mentalität. Und selbst in Europa kann das von Land zu Land komplett verschieden sein. Man muss nicht ans andere Ende der Welt reisen, um eine andere Traditionen und Bräuche kennenzulernen, andere Mentalitäten anzutreffen, Spezialitäten auszuprobieren, Unterschiede und Gemeinsamkeiten beobachten und in eine andere Kultur einzutauchen.