GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Stefanie (13)
Freitag, Juni 22, 2018 - 12:40 von experiment

21. Juni.... langsam aber sicher müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass Miriana bald wieder nach Hause fliegt. Sie ist ein ganz selbstverständlicher Teil der Familie geworden, so dass wir sie sicher sehr vermissen werden.
Aber schon jetzt ist klar, dass es kein Abschied für immer werden wird. Wir bleiben in Kontakt – hier hat sie entdeckt, dass Briefeschreiben auf die ganz altmodische Art sehr spannend und schön sein kann. Da auch ich gerne und oft Briefe schreibe, werden wir neben den elektronischen Medien auch diese Art der Kommunikation nutzen. Und nach der Schule kann sie sich durchaus vorstellen, nochmal nach Deutschland zu kommen, vielleicht für eine freiwillige Tätigkeit im sozialen Bereich... wir werden sehen. Vielleicht fahren wir auch mal alle zusammen nach Italien, mit so persönlichen Kontakten vor Ort wäre das bestimmt ein ganz toller und eindrucksvoller Urlaub.

Ihre Mutter und ihr Vater zählen sicher schon die Tage, bis sie ihre Tochter endlich wieder haben! Miriana war nicht gerade oft in Kontakt mit ihren Eltern. Natürlich sprechen und skypen sie, aber sie hat sich so auf das Leben in Deutschland eingelassen, dass sie gar nicht das Bedürfnis hat, sich ständig mit „Zuhause“ auszutauschen. Sie ist hier sicher ein gutes Stück mehr „erwachsen“ geworden. Nicht nur, weil sie jetzt 18 und damit volljährig ist. So ein Auslandsaufenthalt schafft Distanz zum bisherigen vortrauten Leben, man sieht neue Dinge, man lernt neue Menschen kennen, man macht eigene Erfahrungen ohne die Familie, man ist auf sich allein gestellt.... Sicher ist die „Wiedereingliederung“ in die Familie zuhause nicht immer ganz einfach, denn es kommt ein anderer Mensch zurück als der, der vor einem knappen Jahr das Zuhause und die gewohnte Umgebung verlassen und sich auf das Abenteuer Auslandsaufenthalt eingelassen hat. Das kann konfliktträchtig sein, denn auch die Eltern müssen erst akzeptieren, dass ihr Kind erwachsener und selbständiger geworden ist... Viele wichtige Erfahrungen haben sie nicht mit ihrer Tochter geteilt, neue Freundschaften - vielleicht sogar die erste Liebe - kennen sie nur aus Erzählungen und waren eben nicht „live dabei“.
Auch die Tatsache, dass sie hier ihr eigenes Zimmer und Badezimmer hatte und zu Hause wieder das Zimmer mit ihrem Bruder teilen wird, kann für Unstimmigkeiten sorgen (und auch der Bruder wird sich an das „eigene“ Zimmer gewöhnt haben). Ich bin gespannt und hoffe, dass ihre Familie keine Probleme damit haben wird, die Veränderungen zu akzeptieren.

Schön finde ich, dass sie ein Tagebuch schreibt, dass sie ihrer Lieblingsoma zum Lesen geben möchte – so wird sie ihre Erfahrungen zumindest ein wenig teilen können.

Wir sind ganz froh, dass wir in den Sommerferien erstmal drei Wochen nach Griechenland fahren. In anderer Umgebung wird es uns vielleicht nicht so schwerfallen, dass Miri nicht mehr dabei ist...

In der Schule läuft es gut. Mittlerweile sind alle Klausuren geschrieben und sie ist ganz gut damit zurechtgekommen. Mathe wird wohl nie ihr Lieblingsfach werden, aber das ist zu Hause auch nicht anders! Sie unterstützt auch unsere (Grundschul-)Kinder tatkräftig bei den Hausaufgaben und liest und rechnet mit Jonas. Die beiden haben Spaß daran und uns als Eltern gibt es ein wenig mehr Zeit für andere Dinge.

Sprachlich war sie ja von Anfang an wirklich sehr gut. Mittlerweile sprechen wir aber auch immer öfter über die Feinheiten der deutschen Sprache, über Redewendungen und umgangssprachliche Ausdrücke, die sie in der Schule niemals lernen würde. So spricht sie ein sehr lebendiges Deutsch. Ich hoffe, dass ihr das für ihre Zukunft nützlich sein wird, es ist sicher ein großer Vorteil gegenüber potentiellen Mitbewerbern um einen Ausbildungsplatz o.ä. Ich bin mir sicher, dass sie beruflich etwas machen wird, wo sie ihr perfektes Deutsch auch anwenden kann.

Vor einigen Wochen haben wir mit anderen Austauschschülern und Gastfamilien sowie unseren Experiment-Betreuern in unserem Garten eine Grillparty veranstaltet. Das Wetter spielte mit und es war ein rundum gelungener Tag. Alle hatten sich viel zu erzählen!

In den nächsten Wochen stehen noch einige Ausflüge auf dem Programm, denn die verbleibende Zeit wollen wir noch gut nutzen. Sie schaut mit uns auch die Fußball-WM - obwohl Italien dieses Mal gar nicht mitspielt!

Ich werde bald wieder berichten....

GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Stefanie (12)
Donnerstag, Mai 17, 2018 - 12:00 von experiment

Und schon ist Mai – viel ist passiert seit dem letzten Blogbeitrag.

In den Osterferien haben wir Freunde in einem Vorort von Paris besucht. Miriana erwies sich als überaus anpassungsfähig – ein gemeinsames Zimmer mit allen drei Kindern und ein doch etwas chaotisches Haus waren überhaupt kein Problem für sie. Aber wer von sich selbst sagt, wie ein Chamäleon zu sein, der meistert solche Kleinigkeiten mit Bravour. Diese Eigenschaft hilft ihr sicher auch, sich so unproblematisch in den Familienalltag zu integrieren. Dieser Familienalltag hat sich mit ihr aber auch verändert – man nutzt die gemeinsame freie Zeit bewusster, denn schließlich möchte man auch, dass die Gastschülerin oder der Gastschüler etwas nach Hause „mitnimmt“ und sich an viele schöne Gegebenheiten gerne erinnert. Das Wetter in Frankreich war überschaubar, aber trotzdem haben wir diverse Schlösser, Museen und Ausstellungen besucht. Vom Eiffelturm über eine Playmobil-Ausstellung und Exponaten aus der Luft- und Raumfahrttechnik sowie alten Gemälden und Statuen war alles dabei. So haben wir in nur einer verregneten Woche recht viel gesehen und erlebt.

Zuhause erwartete uns dann bereits der Osterhase und die Kinder konnten im Garten bei einigermaßen trockenen Wetter Schokoeier suchen. Völlig unbekannt in Italien! Im April gab es dann viele sonnige und warme Tage und wir konnten viel Zeit im Garten verbringen.

Der 8. Geburtstag von Jonas wurde auf einem nahen Reiterhof gefeiert – so konnte Miriana mal wieder einem ihrer Hobbies frönen und sich hoch zu Roß durch den frühlingshaft grünen Wald führen lassen.
Ein schöner Ausflug war der Besuch der Wurstfabrik Wiltmann – organisiert von unserer Experiment-Betreuerin Petra. Dort haben wir interessante Eindrücke sammeln können – so eine Wurstfabrikation ist irgendwie doch ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben. Viel mehr Handarbeit und weniger industrielle Produktion – und die leckeren Produkte konnten direkt vor Ort probiert werden. Durch den Fabrikverkauf waren wir auf Wochen mit Salami versorgt. Es war auch nett, einmal andere Gastfamilien und Gastschüler kennenzulernen.

Auch der Mai war bisher richtig gut und brachte schon einige gemeinsame Unternehmungen.
Unbekanntes Kulturgut war der typisch deutsche Vatertag – junge und nicht mehr so ganz junge Väter (und auch solche, die es vielleicht noch werden wollen) mit phantasievoll gestalteten Bollerwagen, komplett mit Grill, Musik- und Zapfanlage und viel Platz für Gläser, Holzkohle und diverse geistige Getränke – so etwas hat Miriana in Italien noch nie gesehen.

Am Muttertag waren wir bei strahlendem Sonnenschein im Archäologischen Freilichtmuseum in Oerlinghausen, um eine Zeitreise in die Steinzeit zu machen – Haselnüsse rösten, Bogenschießen und Speer werfen inklusive.

Viele denken, dass eine Gastschülerin die persönliche Freiheit einschränkt, denn schließlich ist da plötzlich jemand „Fremdes“ in den eigenen vier Wänden, um den man sich kümmern muss und der in den privaten Bereich „eindringt“...

Wir machen die Erfahrung, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir haben jetzt deutlich mehr Zeit – denn Miriana entlastet uns durchaus. Sei es durch das tägliche Betreuen der Spülmaschine oder auch durch das Malen, Basteln oder Bauen mit den Kindern. Wer sich auf eine lange Zeit im Ausland einlässt, der will im Normalfall auch selbständig sein – und um den muss man sich nicht 24 Stunden am Tag kümmern.
Und plötzlich ist es möglich, auch als Paar mal ab und an wieder allein zu zweit zu einem Konzert oder in ein Restaurant zu gehen. Denn schließlich ist die „große Schwester“ da, die sich gerne kümmert und uns im Notfall auch Bescheid geben würde. Das alles sind natürlich keine „Pflichtaufgaben“, sie ergeben sich aber automatisch, wenn sich das Gastkind so gut in die Familie einfügt. Auch hier ist es ein Geben und Nehmen – und jede Interaktion ist gut für die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten. Übrigens profitiert auch unsere fünfjährige Tochter Anna. Sie bekommt regelmäßige Logopädie-Einheiten, da manche Buchstaben noch nicht so ganz kommen wollen und auch die Grammatik noch durcheinander geht... Die regelmäßige Beschäftigung und das ständige Gespräch mit Miriana haben eine deutliche Verbesserung ihrer kommunikativen Fähigkeiten bewirkt – manchmal ist es eben ganz gut, wenn jemand anderes als Mama oder Papa mit dem Kind übt.

Für Anna und auch für uns alle wird es sicherlich zunächst sehr ungewohnt sein, wenn Miriana im Juli wieder nach Italien geht – aber daran wollen wir jetzt noch nicht denken. Das geht auch ihr so, wie der nachfolgende Beitrag zeigt, den zur Abwechslung mal Miriana selbst geschrieben hat:

1. Mai
Drei, vier, fünf... wie viele Monate sind schon vorbei? Warte mal... ACHT! Nein, wirklich? Das ist unglaublich, wie die Zeit fliegt.
Ehrlich gesagt, fühle ich mich ein bisschen komisch.
Auf einer Seite bin ich froh, dass ich ziemlich bald meine Familie, meine Freunde, meinen Hund wieder sehe. Ich vermisse alle und vor allem vermisse ich die alltäglichen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel den Bus nehmen, mit Nerone spazieren gehen, Theater machen, ins Fitnessstudio gehen, mit meinem Bruder streiten... Und ich könnte weiter schreiben aber ich will nicht euch langweilen.
Auf der anderen Seite gibt es ein wunderschönes "Parallel-Leben", das ich seit dem ersten September baue.
Mein Motto, das ich immer versuche, zu folgen, lautet: " Sei immer positiv und fröhlich und leb jeden Tag, so wie dein letzter wäre ".
Bis jetzt kann ich nicht unzufrieden sein. Ich bin stolz auf mich! Ich habe so viel erlebt, so schöne Erinnerungen habe ich in meinem Kopf und ich werde die IMMER mit mir haben.
Meine Gastfamilie hat mich seit dem Anfang fühlen gemacht, dass ich dazu gehöre; ich habe alles, das ich brauche und was sehr wichtig ist, ist dass wir immer viel miteinander sprechen bzw. wenn Probleme da sind, wenn etwas uns nicht gefällt (Außerdem läuft alles sehr gut).
Niemand von uns soll irgendwas drin lassen, weil das ohne Lösung bleiben würde und man sich schlecht fühlen würde, auch wenn es die Möglichkeit gäbe, das zu verbessern. Deswegen... IMMER SPRECHEN!
Ich habe auch viele Freunde hier, deutsche und von allen Seiten der Welt.
Ich gehe aus, ich besuche Leute (und sie besuchen mich), die ein wichtiger Teil meines Lebens geworden sind.
In der Schule geht es auch gut, wenn es auch das Schwierigste ist. Wegen der Sprache versteht man nicht so viel im Unterricht und oft denkt man: "Worüber reden sie überhaupt? Was für ein Fach ist das nochmal?"
Aber ich kann ruhig sagen, dass alle immer bereit sind, mir zu helfen. Man kriegt aber immer mehr mit und mit der Sprache geht es immer besser.
Heimweh? Wenig. Ich vermisse mein Leben, natürlich. Aber ich weiß, dass ich wieder zurück fahren werde, deshalb möchte ich Deutschland komplett genießen. Ich rufe ungefähr einmal pro Woche meine Eltern an, aber nicht mehr; wenn man traurig ist (selten für mich, aber es könnte passieren), soll man versuchen, beschäftigt mit irgendwas zu sein.
Ich bin froh und ich lerne ganz viel! Von der deutschen Sprache zu neuen Erfahrungen.
Ich würde dieses Jahr hundertmal machen und ich würde nichts verändern.
Ich habe noch ein ein paar Monate und viel kann noch passieren, deswegen.... Gehe ich jetzt die erleben! Tschüss! ;D

BETREUERINNEN-BLOG - Julitta (5)
Donnerstag, April 26, 2018 - 14:10 von experiment

Die letzten beiden Monate waren für mich als Betreuerin eher etwas entspannt.
Ludovica ist nun schon mehr als 6 Monate bei ihrer Familie in Hassloch. Ich traf mich Ende Januar mit ihr in Neustadt für das Halbjahresinterview. Sie spricht mittlerweile super deutsch und hat sich sehr gut in der schönen Pfalz eingelebt. Es ist wirklich immer wieder beeindruckend, wie die Schüler oft innerhalb kurzer Zeit die deutsche Sprache beherrschen. Ludovica wird dabei kräftig von ihrer Gastmutter unterstützt. Begeistert berichtete sie mir von ihrem Schüler-Praktikum in einem Kindergarten, was wohl viel Spaß gemacht hat. Es ist schön zu hören, dass alles gut klappt und sie sich sowohl in der Familie, als auch in der Schule wohl fühlt.

Anfang Februar hatte ich dann das Vergnügen Carolina aus Ecuador bei ihrer Gastfamilie in Bad Schönborn zu begrüßen. Sie überrascht mich ebenfalls mit einem tollen Deutsch, welches sie sich allerdings in ihrer Heimat angeeignet hat. Da sie am Faschingswochenende angereist ist, konnte sie schon hautnah erleben wie Lebensfreude in Deutschland aussehen kann. Selbstverständlich hatte ihre Gastfamilie ein passendes Kostüm schon für sie bereit gelegt, mit dem sie den Faschingsumzug im Ort stilecht am Straßenrand miterleben konnte. Ihr Projekt in der Mutter-Kind-Klinik startete am Rosenmontag und auch hier wurde natürlich erst mal Fasching gefeiert. Allzu viel Alltag hatte sie also noch nicht erlebt. Eines konnte sie allerdings schon nach 3 Tagen feststellen, nämlich dass es große Unterschiede zwischen Deutsch und Deutsch gibt. Da die zu betreuenden Kinder aus verschiedenen Ecken Deutschlands kommen, wird sie gleichzeitig mit mehreren Dialekten konfrontiert – eine echte Herausforderung für das junge Mädchen. Sie ist dennoch sehr motiviert und auch die Chemie mit der Gastfamilie scheint zu stimmen.

Erfreuliche Nachrichten bekam ich von einer Gastmutter, die gerne wieder eine Deutschlehrerin aus Afrika aufnehmen möchte. Nichts leichter als das, denn Miriam Mentel hatte schon einige Anmeldungen von Lehrerinnen aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Die Entscheidung wurde auch schnell getroffen und so freue ich mich sehr, dass ich im Sommer eine junge Lehrerin aus Madagaskar betreuen darf.

Am 19. März besuchte ich zusammen mit Katja Dudenhausen von der Geschäftsstelle die Mutter-Kind-Klinik in Bad Schönborn. Wir hatten dabei die Gelegenheit sowohl die Klinik, als auch das Tätigkeitsfeld von Carolina kennen zu lernen. Der Leiter der Kinderbetreuung hat sich sehr viel Zeit genommen, um uns von den neu erworbenen Alpakas bis zu den einzelnen Gruppen- und Therapieräumen alles zu zeigen. Es war ein wirklich interessanter Tag. Für mich ist es nun leichter, mich mit Carolina über ihr Projekt zu unterhalten, was sich beim 6-8 Wocheninterview schon bewährte. Bei herrlichem Frühlingswetter besuchten wir das nächst gelegene Eiscafé und unterhielten uns über ihre ersten Wochen hier im Südwesten Deutschlands. Sie hat sich mittlerweile schon ganz gut bei ihrer Familie und bei ihrem Projekt eingelebt, an das wechselhafte Wetter angepasst und schon einiges in Deutschland gesehen. Sehr beeindruckend war für sie die Reise nach Berlin mit anderen Austauschschülern und das Osterfest, bei dem auch die älteren Kinder ihrer Gastfamilie nach Hause gekommen waren.

Da ich Ludovica nun schon längere Zeit nicht gesehen hatte, verabredete ich mich auch mit ihr ein paar Tage später in Speyer. Der Zufall will es, dass dort gerade ein historischer Mittelaltermarkt stattfand. So tauchten wir am Samstagnachmittag in eine andere Zeit ein und ließen uns von Gauklern, Krämern und verschiedenen Edelmännern bzw. Edelfrauen unterhalten. Zum Abschluss des schönen Tages gab es noch ein echt italienisches Eis.

Nachruf auf unser Ehrenmitglied Christiane Wolff
Freitag, April 20, 2018 - 14:01 von experiment

Wir nehmen Abschied von unserem Ehrenmitglied Christiane Wolff. Sie ist in der der Nacht vom 18. auf den 19.4.2018 im Alter von 92 Jahren verstorben. Bei aller Trauer sind wir in erster Linie erfüllt von Dankbarkeit für alles, was Christiane Wolff für unseren Verein geleistet hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Heimbert Wolff war sie seit den 1950er Jahren lange Zeit „das Experiment in Berlin“. Frau Wolff organisierte ehrenamtlich komplette Elderhostel-Reisen (jetzt Road Scholar) sowie andere Gruppenprogramme mit Gastfamilienaufenthalten und Rahmenprogramm ohne Unterstützung durch eine Geschäftsstelle. Aber Christiane Wolff war nicht nur ehrenamtliche „Programm-Koordinatorin“ und Betreuerin, sie und ihr Mann waren auch Jahr für Jahr für zahlreiche Personen Gastfamilie. Sie hat an die 7000 internationale Gäste betreut und viel über die deutsche Kultur im geteilten Berlin vermittelt. Für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde Frau Wolff mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auch nach dieser sehr aktiven Zeit blieben Christiane und Heimbert Wolff unserem Verein treu. Im Jahr 2006 begann Frau Wolff, ihre Experiment-Erlebnisse in einem Buch festzuhalten, das HIER zu finden ist. Nach dem Tod ihres Mannes Heimbert im Jahre 2011 intensivierte sich der Kontakt zu unserem Verein wieder. Dies ist vor allem auch unserem ehemaligen Vorstandsmitglied und unserer langjährigen Ehrenamtlichen Cordula Kleidt zu verdanken, die sich in den letzten Jahren weit über das zu erwartende Maß um Frau Wolff gekümmert hat. Cordula Kleidt zeigte mit ihrem beispiellosen Einsatz, dass Experiment e.V. mehr ist als eine Austauschorganisation, sondern dass wir ein Verein sind, in dem es um Menschlichkeit geht. Auch andere Ehrenamtliche übernahmen in Berlin Besuchsdienste bei Frau Wolff.

Wer Frau Wolff kennen lernen konnte, weiß, dass sie durchaus ihre eigene Meinung hatte und vor Konflikten nicht zurückschreckte. Sie war eine starke Frau mit eigenem Kopf und genauen Vorstellungen davon, wie bestimmte Dinge gehandhabt werden sollten. So blieben wir trotz aller Verbundenheit bis zum Schluss beim „Sie“, da sie von dem neumodischen Trend, dass „sich alle Welt beim Vornamen nennt“ einfach nichts hielt. Immer wieder sprachen wir auch darüber, inwiefern sich der heutige Verein von „ihrem Experiment“ unterschied. Wir waren nicht immer derselben Meinung, ob diese Veränderungen nun gut oder schlecht waren. Meistens konnten wir uns getreu Donald B. Watt aber darauf einigen: It’s not good, it’s not bad, it’s just different.

Frau Wolff war eine Person mit einem großen Herzen. Für sie war Experiment e.V. Lebensinhalt und Lebensmotivation zugleich. Bis zuletzt schrieb sie an weiteren Memoiren und unterhielt mit zahlreichen Experimenterinnen und Experimentern weltweit Kontakt. Einen Teil ihres Erbes hat sie Experiment e.V. vermacht mit der klaren Vorgabe, daraus ein „Christiane und Heimbert Wolff“-Stipendium ins Leben zu rufen. Ziel des Stipendiums soll es sein, jungen Menschen aus Deutschland die Möglichkeit zu bieten, einen Freiwilligendienst in einem Schulprojekt im Ausland zu leisten. Auch diese letzte Geste zeigt die tiefe Verbundenheit von Frau Wolff mit unserem Verein und unserer Arbeit und wie sehr ihr interkultureller Austausch am Herzen lag.

Wir danken Christiane Wolff für alles, was sie für den interkulturellen Austausch getan hat, und werden ihr Andenken in Ehren bewahren.

Bettina Wiedmann

Link zu den Memoiren: https://www.experiment-ev.de/infomaterial?document_type=66

Bettina
"ZUHAUSE IN DER WELT" / Erfahrungen einer Freiwilligen in Slowenien
Donnerstag, März 29, 2018 - 15:40 von experimentev editor

Ich war mit Experiment 2014/2015 in Slowenien und habe dort meinen Europäischen Freiwilligendienst absolviert. Auch wenn das ganze schon ein bisschen her ist, denke ich oft und gerne an diese Zeit zurück. Für mich war es die bisher beste Zeit und ich habe in dem 3/4 Jahr einiges gelernt und mich verändert. Ich habe neue Freunde gefunden, eine zweite Familie und ein zweites Zuhause. So viele Menschen aus ganz Europa sind mir begegnet, so viele Kulturen sind aufeinander getroffen, so viele verschiedene Menschen mit verschiedenen Geschichten.

Jeder hatte seine eigenen Gründe, warum er einen EFD machen wollte. Für mich stand schon immer fest, dass ich nach dem Abi ins Ausland gehen möchte. So machte ich mich also mit meinen 18 Jahren auf den Weg nach Slowenien. Als schüchternes Mädchen ging es in eine Schule und ein Jugendzentrum, ohne Land oder Sprache zu kennen. Ich musste mich einigen Hürden stellen und es war auch nicht immer einfach, aber ich bin über mich hinaus gewachsen. Ich wurde selbstständiger und erwachsener. Ich habe gelernt mein Heimatland wertzuschätzen, da mir vorher gar nicht so bewusst war, wie gut wir es hier eigentlich haben, aber das man für dafür auch was tun muss. Ich bin aber auch neugieriger geworden. Andere Länder, andere Kulturen und Traditionen... Es gibt einfach so viel zu sehen und zu erleben auf der Welt und selbst wenn wir alle verschieden sind, so sind wir doch alle gleich. Für mich ist Deutschland zwar meine Heimat, aber Zuhause kann ich überall sein. Freunde verteilt auf der ganzen Welt machen es möglich. Es ist zwar schwierig den Kontakt zu halten, doch würde ich jetzt in ein Land fahren, in dem einer meiner Mitfreiwilligen wohnt, so wäre ich dort sofort willkommen.

Vor allem aber Slowenien hat es in mein Herz geschafft. Ich habe dort immer noch sehr gute Freunde, eine Familie und wundervolle Erinnerungen an eine tolle Zeit, die mich und meine Einstellung zum Positiven verändert haben. Eine solche Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen, denn man wird auf jeden Fall schlauer und lernt auch viel über sich selbst. Und eines ist sicher, es ist auf jeden Fall kein verlorenes Jahr. Es ist ein ganz wertvolles. Also leb deine Träume - "Živi svoje sanje". Die Welt ist viel zu spannend, um sie nicht zu bereisen und zu erkunden.

Marie Rudde

Mein Praktikum in der Abteilung "Schüleraustausch weltweit"
Mittwoch, März 28, 2018 - 13:46 von experiment

Nachdem ich vor 7 Jahren mit Experiment e.V. in den USA war, bin ich fast zufällig auf die Möglichkeit gestoßen, ein dreimonatiges Praktikum in der Abteilung Schüleraustausch weltweit zu machen. Ich studiere im 6. Semester Englisch und Geschichte auf Lehramt in Bonn und wollte mit dem Praktikum einen Einblick in die außerschulische Berufswelt bekommen.

Es macht viel Spaß zu sehen, welche Schritte eine Bewerbung durchläuft, bis ein fertiger Teilnehmer ins Ausland reist, und diese zu bearbeiten. Oft erinnere ich mich daran, wie ich all diese Schritte selber durchlaufen bin, von der ersten Bewerbung, über das Auswahlgespräch, bis hin zum Ausfüllen der Platzierungsunterlagen und der Beantragung des Visums.

Besonders das Banner, das auf dem Vorbereitungsseminar hing und auf dem „it’s not right or wrong, it’s just different“ stand, ist mir in Erinnerung geblieben. Im streng konservativen Südosttexas war einiges anders als ich es von Deutschland gewohnt war. Aber genau dadurch bin ich deutlich toleranter geworden. Es ist mir sehr wichtig geworden zu verstehen, warum Menschen so denken, handeln und leben wie sie es tun, und sie nicht zu verurteilen. Und bis heute kommt jedes Jahr zu Weihnachten ein Päckchen aus Texas bei mir an.

Jetzt wo ich in der Geschäftsstelle arbeite, realisiere ich, wie wichtig die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter für das Funktionieren des Vereins ist. Nur durch sie können die hohen Qualitätsstandards von Experiment e.V. umgesetzt werden.

Wer als Ehrenamtlicher also auch mal die andere Seite dieser Arbeit sehen möchte, dem kann ich ein Praktikum in der Geschäftsstelle nur empfehlen.

Robert Paul

Austauschgeschichten mit Experiment e.V. – Aus der Sicht einer Bochumer Gastfamilie
Mittwoch, Februar 28, 2018 - 13:56 von experimentev editor

Zu dem Zeitpunkt als wir uns als Familie entschlossen hatten, zum ersten Mal einen Gastschüler aufzunehmen, war unsere Hauptmotivation, dass wir etwas zurückgeben wollten, etwas gutmachen wollten. Unsere älteste Tochter verbrachte ein Highschool-Jahr in Kanada (noch mit einer anderen Organisation, die privatwirtschaftlich arbeitet) und uns war klar, ohne Gastfamilien ist so etwas nicht möglich.

Wir entschieden uns für eine neue Austauschorganisation, die gemeinnützig tätig ist und informierten uns über die Gründung von Experiment e.V. und über die Aufgaben und Tätigkeiten des Vereins. Wir kamen übereinstimmend zu dem Entschluss, dass wir es hier mit einer vertrauenswürdigen Einrichtung zu tun haben. Unseres Erachtens ist das für Gastfamilien genauso wichtig wie für die nationalen und internationalen Gastschüler. Wir meldeten uns also und bekamen ein mehrseitiges Formular, in dem wir Angaben über uns, unsere Wohnsituation, unsere Motivation, unsere Interessen u.a. machen mussten. Vorne drauf kam noch ein nettes Familienfoto von uns, um unserem zukünftigen Gastkind direkt einen vertrauensvollen Eindruck zu geben.

Nachdem wir uns geeinigt hatten, dass es möglichst ein Junge im Alter unseres Sohnes sein sollte, bekamen wir von Experiment e.V. drei Vorschläge von Kandidaten. Das ist uns echt schwer gefallen. Man denkt doch auch daran, ob die beiden anderen wohl auch eine Familie bekommen werden. Außerdem ist es auch nicht ganz einfach, anhand von schriftlichen Unterlagen zu entscheiden, wer wohl am besten zu uns passen könnte. Nach Tagen der Überlegung entschieden wir uns dann für Lorenzo aus Italien. Uns hatte seine Art beeindruckt, sich – durchaus kritisch – zu reflektieren, was für einen so jungen Menschen sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Dennoch wollten wir zunächst auf Nummer sicher gehen und erstmal nur bis Januar Gastfamilie sein. Ein ganzes Jahr schien uns doch zu riskant. Wir wollten erst Erfahrungen sammeln. Nachdem wir dann noch einen Besuch von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin von Experiment e.V. bekommen hatten, konnte es losgehen.

Am 5. September 2015 holten wir, sehr aufgeregt, Lorenzo vom Bahnhof ab. Auch wenn er etwas zurückhaltend wirkte, war er uns sofort sympathisch. Leider stellte sich schon im Auto auf dem Weg nach Hause heraus, dass seine Deutschkenntnisse nach 3 Jahren Unterricht in Italien nur rudimentär waren, so dass wir uns zunächst in Englisch unterhielten, was alle relativ sicher sprechen konnten. Für die erste Phase des Kennenlernens war das gar nicht so schlecht, allerdings war es später auch schwierig, wieder davon weg zu kommen und Deutsch mit ihm zu sprechen. Er wählte immer den leichteren Weg in Englisch. Bis wir ihm dann, nach ca. 6 Wochen, sagten, dass wir ab sofort kein Englisch mehr verstehen würden; wir hätten es über Nacht alle verlernt. Von da an wurde es schwierig für Lorenzo. Er musste sich nun nicht nur in der Schule mit Deutsch quälen, sondern auch zu Hause. Das und die ganzen neuen Eindrücke müssen ihn sehr angestrengt haben, denn er war immer müde. Wir waren gut von Experiment e.V. vorbereitet worden und wussten, dass das kommt und auch, dass das nur eine Phase ist. Und so war es auch. Wir lernten mit ihm Vokabeln und er brachte uns etwas Italienisch bei. Mit der Zeit wurde es immer besser und es bestätigte sich mal wieder, dass junge Menschen so viel schneller eine neue Sprache lernen. In den Herbstferien fuhren wir alle zusammen in den Schwarzwald in den Urlaub. Wir hatten uns schon länger vorher überlegt, dass wir Lorenzo im Urlaub sagen wollten, dass er das ganze Jahr bei uns bleiben kann. Fast ein wenig feierlich teilten wir es ihm dann mit und schauten in verdutzte Augen. Ihr war von seiner italienischen Organisation gar nicht gesagt worden, dass wir ihn nur bis Januar behalten wollten. Durch unsere Entscheidung war das ja nun egal, aber wir stellten uns auch vor, wenn er es dann durch uns hätte erfahren müssen, dass er nochmal die Familie wechseln muss. Das wäre gar nicht schön gewesen.

Weihnachten kam schnell und wir verglichen die Adventszeit und die Feiertage mit ‚Natale‘ in Italia. Das war eine sehr schöne, harmonische Zeit. Lorenzos Eltern schickten uns zu Weihnachten eine Nudelmaschine, die wir zwischen den Jahren auch direkt nutzten um Tortellini zusammen zu machen. Überhaupt hat sich unser Speiseplan stark bereichert seit Lorenzo bei uns war. Im Kochen sind die Italiener einfach unschlagbar. Ein weiteres Highlight folgte dann im März. In Absprache mit beiden Austauschorganisationen und nach intensiven Gesprächen mit Lorenzo, besuchten uns seine Eltern, seine kleine Schwester und seine Großmutter. Wir waren etwas gespalten, was diesen Besuch anging. Einerseits freuten wir uns sehr darauf, Lorenzos Familie kennenzulernen, andererseits hatten wir Angst, dass es für ihn ein Einschnitt sein könnte und er danach Heimweh bekäme. Er versicherte uns mehrfach, dass er sich bei uns so wohl fühlen würde, dass er gar nicht zurück wolle...Wir ließen uns also darauf ein. Und es war eine wunderbare Zeit, in der sich eine Freundschaft zwischen den beiden Familien entwickelte. Lorenzo war nach der Abreise ganz der Alte und alle waren glücklich. Im Juli sollte es für unseren italienischen Sohn zurück nach Rom gehen. Je näher der Termin rückte, umso unglücklicher wurde er. Er wollte noch bleiben. Wir beschlossen also, dass wir ihn noch mit in unseren Urlaub nach Schweden nehmen und seine Familie ihn dort abholen würde. Nach einer letzten Woche mit Lorenzo kam dann auch seine Familie. Es gab einen wirklich tränenreichen Abschied an einem schwedischen See und dann...Leere... Wir hatten noch eine Woche in Schweden, aber es war komisch. Wir waren nicht vollständig. Es hat einige Zeit gedauert bis wir den Abschiedsschmerz überwunden hatten und wir waren sehr erstaunt darüber, wie sehr einem ein zunächst völlig Fremder in 10 Monaten ans Herz wachsen kann. Was für eine wunderbare Erfahrung!

Wir haben heute noch guten Kontakt zu der ganzen Familie und uns schon diverse Male gegenseitig besucht. Oder wir schreiben uns über What’sApp, was allerdings vorwiegend die Mütter untereinander tun. Italienisch oder Deutsch ist nun kein Problem mehr. Alle haben etwas gelernt. Mittlerweile studiert Lorenzo in Rom und wir überlegen, ob wir dieses Jahr vielleicht mal ein Mädchen in unsere Familie aufnehmen. Es wird sicher ganz anders werden, manches vielleicht schlechter, anderes noch besser. Aber es wird bestimmt wieder spannend werden! Zwischenzeitlich ist übrigens auch unser Sohn (Texas) und unsere jüngste Tochter (Irland) mit Experiment e.V. im Ausland gewesen. Wir haben also noch etwas gutzumachen! :-)

GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Stefanie (11)
Montag, Februar 19, 2018 - 15:10 von experiment

Was sind wir froh, dass Miriana ein ganzes Schuljahr bei uns bleibt und nicht nur ein halbes... denn ansonsten wäre sie jetzt schon wieder in ihrer Heimat und würde uns fehlen – das ist uns so richtig bewusst geworden, als sie sich neulich mit anderen Gastschülern traf und meinte, dass einige davon schon Abschied feierten. Mit anderen mag das anders sein, aber mit ihr wäre ein halbes Jahr definitiv nicht genug. Zum Glück sieht sie das auch so!

Ich habe sie vor einigen Tagen gefragt, ob sie denn eigentlich kein Heimweh habe. Daraufhin meinte sie, dass sie ja wüsste, dass sie ihre Familie und Freunde wiedersehe und darum einfach keinen Anlass habe, traurig zu sein. Sie möchte lieber hier jeden Tag genießen und meint, dass sie sich diese Erfahrung durch Heimweh nur verderben würde. Das finde ich wirklich bewundernswert!

Normalerweise sollte ja längst das große Tief über uns und vor allem sie hereingebrochen sein, mit Heimweh und dem dringenden Wunsch, sich ins eigene Zimmer und in sich selbst zurückziehen. Inzwischen sind wir aber sicher, dass dieser Kelch an uns vorübergeht. Sie ist so ein positiver Mensch, da ist einfach kein Platz für Tiefs und deprimierte Phasen... Besser so!

Es ist schön, dass man jetzt schon auf einige Monate mit guten Erfahrungen und Erlebnissen zurückblicken kann und trotzdem noch Unternehmungen für das kommende halbe Jahr planen kann. Sie ist unsere erste Gastschülerin, die ein ganzes Schuljahr bleibt und wir waren sehr skeptisch, ob das überhaupt etwas für uns ist – es ist eine lange Zeit und kann noch eine sehr viel „längere Zeit“ sein, wenn man sich nicht versteht. Aber da wir wissen, dass Experiment sich kümmert, wenn es nicht läuft, haben wir es gewagt. Eine gute Entscheidung!

Die Weihnachtszeit war schön, ist aber wie im Flug vergangen. Ein besonderes Highlight war sicherlich das Aussuchen und Selbst-Schlagen eines Tannenbaumes. Das kennt sie von zuhause gar nicht, dort sind alle Weihnachtsbäume aus Plastik und blinken in bunten Farben vor sich hin.
Viel Spaß hatten wir beim gemeinsamen Keksebacken.
Zusammen mit den Kindern hat sie ein kleines Theaterstück eingeübt, welches am 24.12. uraufgeführt wurde. Wir haben Tränen gelacht...
Einen bleibenden Eindruck hat die Feuerzangenbowle hinterlassen, die bei uns immer am Heiligen Abend zelebriert wird.
Der Weihnachtsmann kommt hier schon am 24. statt am 25.12. und brachte ihr eine Eintrittskarte für ein Götz-Alsmann-Konzert. Jetzt freuen wir uns auf eine Jazz-musikalische Reise nach Italien, in das Mutterland der Tarantella und des mediterranen Schlagers. Wir sind gespannt!

Der Weihnachtsmarkt hat ihr gut gefallen und sie hat ihn mit ihren Schulfreundinnen des öfteren besucht. Wir sind froh, dass sie schon viele Kontakte geschlossen hat und am Wochenende zu Geburtstagen oder zu anderen Aktivitäten eingeladen wird. Außerdem hat sie sich mit einem anderen Gastschüler aus Mexiko angefreundet, der uns auch schon besucht hat. Mit ihm zusammen hat sie dann mexikanisch gekocht – das war ein wirklich „internationaler“ Tag mit leckerem Essen, einem lustigen Sprachenmix aus deutsch, italienisch, englisch und spanisch und vielen neuen Eindrücken und Berichten über den Alltag in Mexiko. Beim nächsten Besuch sollen mexikanische Brownies gebacken werden, zusammen mit den Kindern.

Da die Schule ja einen großen Teil dieses „Experiments“ ausmacht, habe ich Miriana für diesen Blogbeitrag dazu interviewt. Besonderes Augenmerk hat sie dabei auf die Unterschiede zwischen dem italienischen und dem deutschen Schulsystem gelegt.

Ihr gefällt, dass sie hier „nur“ von Montag bis Freitag in die Schule gehen muss. In Italien ist auch der Samstag ein Schultag, dafür ist regelmäßig mittags Schulschluss – während hier fast an jedem Tag Nachmittagsunterricht stattfindet. Sie zieht längere Schultage aber eindeutig vor – denn so hat sie zwei komplett freie Tage am Wochenende. Außerdem muss in Italien sehr viel mehr zuhause gelernt werden!
Den großen Vorteil des Kurssystems sieht sie darin, dass man mehr Menschen kennenlernt und mehr „Kommunikation“ auch mal mit anderen Leuten möglich ist.
Der Raumwechsel zwischen den Stunden sorgt hier für Abwechslung, auch die 5-Minuten-Pausen hält sie für positiv. In ihrer Heimat lernt man die ganzen Jahre in einem festen Klassenverbund – und immer im selben Raum. Das kann Vorteile haben (die Klasse ist wie eine große Familie und gibt Sicherheit und Stabilität) – aber eben auch Nachteile, vor allem, wenn die Klassengemeinschaft nicht die beste ist. 5-Minuten-Pausen gibt es dort nicht, nur immer eine Pause von 10 Minuten nach je zwei Stunden.

Sie liebt die Schulmensa, die es zuhause nicht gibt. Sie nutzt sie ausgiebig, um sich in Freistunden mit ihren Freunden dort zu treffen, um zu essen, Hausaufgaben zu machen.... Außerdem gibt es bei uns auch noch zwei Aufenthaltsräume, die mit Computern und Sofas ausgestattet sind.

Manchmal hat sie Freistunden in der Mitte eines Schultages, dann kann sie entscheiden, ob sie die Schule für einen Spaziergang oder für einen Kaffee zuhause verlässt und dann zur nächsten Stunde wieder hingeht. Das ist in Italien nicht möglich, wenn es eine freie Stunde gibt, müssen alle in der Schule bleiben und werden von einem Vertretungslehrer betreut.

Der Unterrichtsstoff wird hier oft mit Hilfe von Gruppenarbeit selbst erarbeitet, während es in Italien fast nur Frontalunterricht gibt. Daher zählt dort auch die mündliche Beteiligung kaum, wichtig sind die schriftlichen Noten. Es werden in jedem Fach Klausuren geschrieben, während sie hier die Möglichkeit sehr schätzt, zu wählen, wo sie Klausuren schreiben möchte und wo eben auch nicht.
Die technische Ausstattung und die ganze Organisation ist in Deutschland ihrer Meinung nach besser. Für ein großes Plus hält sie, dass man hier nur einen kleinen Teil der Schulbücher selbst kaufen muss. Zuhause müssen immer alle Bücher neu gekauft werden.
Im Sportunterricht hat sie in der relativ kurzen Zeit schon Volleyball, Basketball, Step-Aerobic und Hockey gemacht. In Italien hingegen hat sie drei Jahre lang nur Volleyball geübt. Aktuell steht Badminton auf dem Lehrplan, darauf könnte sie allerdings gut verzichten...

Insgesamt hat sie den Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler hier motivierter sind, was sich auch an der stärkeren mündlichen Beteiligung zeige. Auch habe sie eine große Solidarität beobachtet, die sich darin äußere, dass sie immer unterstützt werde und alle ihre Fragen sofort und vor allem freundlich beantwortet würden.

Auch in Italien gibt es einige Stunden „Vorbereitung auf das spätere Berufsleben“, diese beinhalten z.B. die Arbeit in Museen und die Präsentation der Ergebnisse vor Touristen. Dabei geht es auch um die Vermittlung von Allgemeinwissen, das normalerweise nicht Unterrichtsbestandteil ist.

Aber.... das ist nicht vergleichbar mit dem Betriebspraktikum hier, an welchem sie mit großer Freude teilgenommen hat. Ich hatte ihr einen Praktikumsplatz bei meinem Zahnarzt vermittelt. Beim Vorgespräch antwortete sie auf die Frage, ob sie denn Probleme habe, Blut zu sehen, dass sie Blut geradezu liebe... also stand einem Beginn Mitte Januar nichts mehr im Wege. Sie hat die zwei Wochen dort richtig genossen, auch wenn die Arbeitstage lang waren. Mein Zahnarzt und seine Mitarbeiterinnen haben sie komplett an der Arbeit teilnehmen lassen, sie durfte nicht nur zusehen, sondern auch selbst mit Hand anlegen. Also hat sie fleißig abgesaugt, gespült, Instrumente angereicht, immer wieder alles desinfiziert, den Patienten Mut zugesprochen – und kam jeden Abend mit vielen neuen Erlebnissen und Eindrücken nach Hause – müde, aber sehr gut gelaunt.

Jetzt hat die Schule wieder begonnen und das Halbjahreszeugnis ist besser als befürchtet ausgefallen. Mathe und Naturwissenschaften sind nicht ihre persönlichen Favoriten – aber diese Schwerpunktsetzung ist ja nur normal. Insgesamt ist sie sehr zufrieden mit ihrem Schulbesuch hier.

Inzwischen hat sie festgestellt, dass Deutschland wirklich kälter als Italien ist - wir freuen uns gemeinsam auf den Frühling. In den Osterferien wollen wir für eine Woche Freunde besuchen, die in der Nähe von Paris wohnen. So wird sie wohl auch noch die Gelegenheit bekommen, den Eiffelturm und vielleicht auch den Louvre zu sehen. Am Ostersonntag wollen wir aber wieder zuhause sein, denn schließlich wird der Osterhase an unserem Garten nicht vorbeihüpfen...

„ZUHAUSE IN DER WELT“ / Birgit Pickel und ihr Sohn Julius erzählen von ihren Austauscherfahrungen
Dienstag, Januar 30, 2018 - 13:00 von experiment

„ZUHAUSE IN DER WELT“, das ist unser Jahresmotto 2018! Wir möchten damit die vielen Teilnehmenden in den Fokus stellen, die durch ihre Erfahrungen im Ausland ein neues Zuhause fern der Heimat erleben durften. An dieser Stelle werden wir im Laufe des Jahres unter dem Tag "ZUHAUSE IN DER WELT" mehrere Geschichten von Experimenterinnen und Experimentern erzählen, die auf unterschiedliche Art und Weise in der Welt Zuhause sind.

Auch Birgit Pickel aus Bonn lebt dieses Motto (auf dem linken Bild unten links). Vor 31 Jahren war sie mit uns als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) für einen einjährigen Schüleraustausch in Medical Lake, einer Kleinstadt im Bundesstaat Washington. Mittlerweile ist sie im Bundesentwicklungsministerium als Referatsleiterin zuständig unter anderem für bürgerschaftliches Engagement.

Die frühe Auslandserfahrung hat sie geprägt: „Das PPP hat eine politische Ausrichtung, die Stipendiaten gehen als ‚Junior-Botschafter‘ Deutschlands in die USA. Dadurch wurde mein vorhandenes Interesse an der Politik verstärkt. Der Gedanke der internationalen Verständigung blieb bei mir hängen und beeinflusste meine Studien- und Berufswahl“, sagt Frau Pickel. Dem Schüleraustausch folgten weitere Auslandsaufenthalte im Rahmen ihres Studiums oder Berufs: Washington D.C./USA, Kapstadt/Südafrika, Lusaka/Sambia. Auch ihr privates Umfeld ist international: Zu ihrer damaligen Gastfamilie in den USA hat Birgit Pickel immer noch Kontakt, ebenso zu Studien- und Berufskollegen aus aller Welt.

Zurzeit erlebt auch ihr Sohn Julius (15, Foto rechts) ein „Zuhause in der Welt“: Er verbringt mit uns das aktuelle Schuljahr in Montreal/Kanada. „Die Austauscherfahrungen meiner Eltern haben mich auf jeden Fall motiviert, selbst ins Ausland zu gehen“, sagt er. Für Birgit Pickel ist dies ein interessanter Perspektivwechsel: „Mir fiel es natürlich schwer, meinen Sohn ziehen zu lassen. Aber ich bin auch sehr gespannt, in wieweit der Austausch ihn und sein weiteres Leben verändert.“

BETREUERINNEN-BLOG - Julitta (4)
Freitag, Januar 19, 2018 - 14:02 von experiment

Zwei Monate sind schon wieder seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. So gibt es nun einiges zu berichten:

Am 18. November hatten wir einen Stammtisch in Heidelberg, den meine Betreuer-Kollegin Julia organisiert hat. Mit dabei waren 3 Betreuerinnen mit Partner, 1 Gastfamilie und eine ehemalige Teilnehmerin, also eigentlich eine eher kleine Gruppe. Wir starteten mit einem Abendspaziergang zum Heidelberger Schloss und verbrachten dann den Rest des Abends in einem gemütlichen Heidelberger Lokal. Es ist immer wieder schön, wenn auf diese Art und Weise Experimentler aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen und sich austauschen können.

Dies war auch eine Woche später beim "RAST" (Regionalen Austauschtreffen) in Köln der Fall. Hier trafen sich aktuelle Gastfamilien, Betreuer, Teamer und Angela Berg von der Geschäftsstelle, um über die letzten Monate des Zusammenlebens und Zusammenfindens zu reflektieren. Für die Gastfamilien ist dies eine tolle Möglichkeit, sich mit "Gleichgesinnten" auszutauschen, denn oft gibt es im eigenen Umfeld wenig Verständnis für das Leben mit einem "fremden Kind" im Haus. In Köln und auch an weiteren Orten konnte offen und frei über das Gastfamilienleben mit all seinen Höhen und Tiefen gesprochen werden. Gelegenheit zum Austausch von Erlebnissen hatten dabei auch die Gastgeschwister und die Gastschüler an diesem Samstagnachmittag. Am Ende gab es noch für alle Interessierten eine eindrucksvolle Führung durch die Kölner Altstadt.

Anfang Dezember hieß es dann Abschied nehmen von Alice. Für sie gingen 3 Monate Gastfamilienaufenthalt in Heidelberg zu Ende. Ich treffe mich mit ihr und ihrer Gastmutter auf dem Heidelberger Weihnachtsmarkt. Nachdem wir die dort angebotenen "Germknödel" getestet hatten und nach einem echt italienischen Espresso, musste uns die Gastmutter wieder verlassen und so bummelten wir zu zweit weiter durch die weihnachtlich geschmückte Heidelberger Innenstadt. Dabei kauften wir noch das ein oder andere Mitbringsel für die Familie zu Hause in Italien ein. Alice kann auf eine wunderschöne Zeit in Heidelberg zurück blicken und der Abschied fällt ihr nicht leicht. Aber natürlich freut sie sich auch auf die Familie zu Hause. Ein Zwiespalt, der den meisten Gastschülern sehr vertraut ist und der sich auch nicht wirklich vermeiden lässt. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft und kann nun ebenfalls auf eine schöne Betreuerzeit mit ihr zurückblicken.

Der Dezember ist immer geprägt von der Gastfamiliensuche für unsere ausländischen Studierenden. Auch dieses Jahr habe ich wieder Pressetexte in verschiedenen Gemeindeblättern in meiner Umgebung veröffentlicht. Die Resonanz war leider nicht so gut. Es gab nur 2 interessierte Familien, die sich dann doch nicht entscheiden konnten. Dennoch konnte ich Nesrine aus Tunesien und ihre Gastmutter in Mutterstadt betreuen. Nesrine besucht gerade das Studienkolleg in Heidelberg und hat das Weihnachtsfest in der Pfalz sehr genossen. Sie konnte verschiedene Weihnachtsbräuche hautnah erleben und hatte auch die Gelegenheit die Kinder und Enkelkinder ihrer Gastmutter kennen zu lernen. Doch am meisten Spaß hatten Gastmutter und Gasttochter beim gemeinsamen "Uno" – Spielen. Da Heidelberg und Mutterstadt geografisch gar nicht so weit entfernt liegen, wollen die beiden sich auch weiterhin zum Spielen oder für gemeinsame Ausflüge treffen. "Ich habe nun eine tunesische Tochter in Heidelberg", erzählte mir die Gastmutter bei meinem Besuch nach den Feiertagen.

Bei uns zu Hause gab es auch ein Wiedersehen mit unserem ehemaligen "Freiwilligendienstler" Juan Andrés aus Ecuador, der kurz vor den Feiertagen bei uns vorbei schaute, was uns sehr gefreut hat. Er bereitet sich gerade an einem Studienkolleg auf ein Studium in Deutschland vor und hat die Feiertage und Ferien für Kurzbesuche bei Freunden und zum Reisen durch Europa genutzt.

Ab Februar werde ich Carolina aus Ecuador betreuen, die einen Freiwilligendienst an einer Mutter-Kind-Klinik in Bad Schönborn absolvieren wird. Ich freue mich schon sehr darauf und bin gespannt wie ihr das Projekt gefällt.

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