Erfahrungsberichte

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21. März 2018
5 Tage Gastfamilie
Rintaro und Gastbruder Jorgo

Unser Sohn Jorgo erhielt von Experiment e.V. für die Herbstferien 2017 das "Ehrenamts-Entdecker"-Stipendium für Irland – beim Nachtreffen erfuhr er, dass 8 Japaner für 5 Tage im Frühjahr 2018 je eine Gastfamilie suchten… Da Jorgo sich sehr für Japan interessiert, haben wir nicht lange überlegt und uns beworben.

Schon das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen war eine Herausforderung an sich. Wie sollen wir uns beschreiben??? Wir sind eine ganz normale Familie mit allen Höhen und Tiefen, aber anscheinend haben wir alles richtig gemacht – schon kurz nach der Bewerbung kam die Information, dass unsere Betreuerin vor Ort uns besuchen und persönlich kennenlernen würde. Wenige Tage nach diesem Besuch erhielten wir dann die Bewerbungen der einzelnen Japaner zur Auswahl. Wir haben schnell entschieden, dass wir die Auswahl unseres Gastes Experiment e.V. überlassen würden – denn alle Bewerber machten einen positiven Eindruck und unserer Meinung nach hätte auch jeder gepasst . Natürlich haben wir uns schon ein paar Gedanken gemacht – wie wird unser Gast sein? Wird er sich einbinden oder lieber für sich alleine sein? Wird ihm unser Essen schmecken? Wird er sich wohlfühlen?

Dann ging es auch eigentlich recht schnell und Rintaro kam nach Mönchengladbach. Von Anfang an stimmte die Chemie und zu keinem Zeitpunkt kam unbehagliches Schweigen auf. Gleich am ersten Abend hatte er volles Programm, denn an Christinas Schule wurde zugunsten des anstehenden Abiturs eine Abiaid-Gala veranstaltet. Rintaro konnte nicht alles verstehen, aber den Sinn des Abends und der einzelnen Darbietungen konnte er ohne Probleme nachvollziehen.

Am 2. Tag mussten die Kinder zur Schule. Mein Mann hatte zum Glück frei, so besuchte er mit Rintaro die Baumesse.

Am 3. Tag sind wir auf Rintaros Wunsch hin nach Düsseldorf gefahren. Vom Rhein durch die Altstadt bis hin zum japanischen Viertel haben wir Rintaro so gut es ging alles gezeigt.

Am 4. Tag stand Shopping im Outlet Roermond an. Die Sportgeschäfte haben ihn hier besonders angezogen

Tja, dann hieß es schon wieder Abschiednehmen. Rintaro fuhr nach Aachen zurück, um dort sein geplantes Programm aufzunehmen.

Es war eine sehr schöne und vor allem erkenntnisreiche Zeit für uns alle. Wir hatten uns vorher überhaupt keine Gedanken über Japan bzw. die japanische Kultur gemacht, wir wollten das alles auf uns zukommen lassen. Es war total interessant, zu erkennen, wie verschieden die Kulturen sind – und wieviel Gemeinsamkeiten letztendlich doch vorhanden sind. Alle Fragen wurden beantwortet, auch Rintaro hat sehr viel Interesse an uns und die deutsche Kultur gezeigt. Alles in allem haben wir lange und gute Diskussionen geführt. Wir haben viel gelacht, besonders über die Gummibärchen-Sushi Die Gedanken, die wir vorher hatten, waren im Nachhinein völlige überflüssig. Rintaro hat sich gut in unseren Alltag integriert. Er hat alles mitgemacht und wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, irgend etwas würde nicht richtig laufen. Zu unserer Freude hat er alles gegessen, was auf dem Tisch kam .

Die Whatsappnachrichten haben uns gezeigt, dass auch Rintaro seine Zeit hier genossen hat. Wir sind uns sicher, dass er seine Zeit in Deutschland in guter Erinnerung behalten wird.

9. August 2017
Ein kleiner Teil unserer Herzen ist nun in Kenia
Loise war bei der Backelor-Feier von Anne Gutzeits Tochter dabei.

Seit einigen Jahren, bekommen wir im Sommer Besuch von afrikanischen Deutschlehrern. Es ist jedes Mal spannend, einen neuen Menschen aus einem fernen Land kennen zu lernen und ihn Teil der Familie werden zu lassen. Bislang ist das gut gelungen.

Wir besuchen mit den Gästen gerne ein Freilichtmuseum. Allen macht es großen Spaß und sie sind danach sehr erfreut. Dann fallen von den Gästen Äußerungen wie: „Wenn ihr vor hundertfünfzig Jahren so gelebt habt, dann haben wir ja auch noch eine Chance auf Fortschritt!“.

Diese Mal haben wir mit unserem Gast Loise Karanja aus Kenia das Freilichtmuseum in Detmold besucht. Zu groß, um alles an einem Tag sehen zu können, so dass wir uns auf einige interessante Dinge konzentriert haben. Loise konnte z.B. in der Webstube selbst ausprobieren, Garn mit Hilfe einer kleinen Maschine aufzuwickeln. Geduldig hat sie ein Knäuel fertig gestellt.

Loise war sehr interessiert an Landwirtschaft und wir haben es möglich gemacht, dass sie einen modernen Bauernhof mit 130 Milchkühen besichtigen konnte. Sie war sehr beeindruckt von der Technik, der Qualität und dem Engagement der Landwirte.

14 ausgefüllte Tage haben Loise einen kleinen Einblick in das Leben in Deutschland gegeben. So konnte Sie auch an der Bachelorabschlussfeier unserer Tochter teilnehmen und erstaunt feststellen, dass in deutschen Kirchen nicht getanzt und wenig gesungen wird.

Wir konnten von ihr viel ihr über die Situation in Kenia lernen. Jeden Abend haben wir uns ein Kapitel des Flyers von Experiment „Erzähl mir was über dich“ vorgenommen und so ganz leicht den Einstieg in weitere Themen gefunden, die dann ausgiebig diskutiert wurden.

Wie immer waren wir ein bisschen traurig als Loise wieder in ihre Heimat geflogen ist. Ein kleiner Teil unserer Herzen ist nun auch in Kenia.

12. Januar 2017
Chinesisch-italienisch-deutsche Weihnachtszeit
Alina und Sandra erlebten ein internationales Weihnachtsfest.

Da wir seit 2009 und ab 2011 mit Experiment e.V. immer wieder Gastkinder (Langzeit- wie Kurzzeitgäste) aufnehmen und viele Freundschaften mit gegenseitigen Besuchen, sogar bis nach China, erfolgt sind, stand auch im Sommer 2016 fest, dass wir wieder jemanden aufnehmen wollen und die Wahl fiel bei meiner Tochter Alina (10) und mir auf Giulia aus Italien.

Und wir hätten keine bessere Wahl treffen können.

Giulia war am Anfang sehr freundlich, aber auch sehr zurückhaltend, so dass wir nicht wussten, ob es ihr hier wirklich gefällt oder nicht. Aber das Eis war schnell gebrochen!
Ich kann jedem, der Gasteltern werden möchte, empfehlen, in der Eingewöhnungsphase einfach Geduld zu haben. Die Umstellung und Eingewöhnung kosten einfach Zeit.

Aber dann kam sie hier voll an, fand Anschluss in der Schule, gewann gute Freunde und lebte sich hier ein.
Auch mein Papa bekam noch eine neue Enkelin.

Ich konnte mich immer auf meine „große Gast-Tochter“ verlassen.
Neben der Schule besuchte sie noch 3x die Woche den Deutschkurs und musste so viel lernen, aber beschwerte sich nie.

Wir unternahmen gern etwas zu dritt, aber in den Ferien und öfter nachmittags machten Giulia und Alina viele gemeinsame Ausflüge, wenn ich arbeiten musste. Beide fanden es toll, zusammen aufzubrechen und ins Schwimmbad zu gehen oder ins Sea Life und vieles mehr.

Die Vorweihnachtszeit genossen wir mit viel Plätzchen backen... ich glaube wir können alle keine Plätzchen mehr sehen. Alle anderen typischen deutschen Bräuche, die in Italien nicht ganz so bekannt sind, kennt Giulia natürlich inzwischen auch ;)
Ebenso wie unseren Familienbrauch, das gemeinsame Tannenbaum aussuchen und fällen
.
Umgekehrt zeigte uns Giulia öfter die Unterschiede zur italienischen Kultur.

Uns erreichte in der Zwischenzeit noch eine tolle Nachricht aus China. Wir hatten dort vor zwei Jahren unsere frühere Gaststudentin in Peking besuchen dürfen und dort Freundschaft mit ihrer besten Freundin geschlossen und nun kam diese für die Weihnachtstage zu uns. Welch große Freude!

Auch Giulias Eltern hatten Alina und mir ein Weihnachtspaket geschickt. Danke für die selbstgemachten und von Herzen kommenden Geschenke und der Postkarte, auf der stand, dass dieses Weihnachten speziell für alle sei: Für Giulia, weil sie eine neue Familie gefunden hatte, für ihre Eltern, die darüber sehr glücklich sind und für uns, weil sie hoffen, dass wir einen neuen Freund gefunden haben.
Aber wie sehr sie doch in ihrer Aussage über uns untertrieben hatten: Wir haben ein neues Familienmitglied gefunden!!

So erlebten wir eine chinesisch-italienische-deutsche Weihnachtszeit mit viel Lachen, Zeit füreinander haben und genießen. Es war das schönste Weihnachtsfest, was wir seit Jahren hatten.

Aber leider geht alles Schöne einmal vorbei. In ein paar Tagen wird uns Giulia wieder verlassen müssen und wir sind schon sehr traurig darüber.
Bislang war jede Trennung schmerzhaft, weil wir nur wunderbare Gastkinder hatten, aber diesmal wird es besonders schwer.

Wir werden ihr Lachen, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Hilfsbereitschaft, ihre große Willenskraft und Durchhaltevermögen, ihre Freundlichkeit, Feinfühligkeit ihre Art, wie sie als große Schwester und Bezugsperson ist oder kurz gesagt SIE vermissen.

Da es Giulia genauso geht, steht schon ein Wiedersehen im Juni nach ihren Prüfungen an, auf das wir uns sehr freuen.
Denn ganz nach dem Motto, hat Giulia jetzt ein zweites Zuhause in der Ferne:
Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern. (Heinrich Jung-Stilling)

Alina und Sandra

19. Juli 2016
Geschwisterliebe grenzenlos - Bericht einer Gastschwester
Astrid mit ihrem großen Gastbruder Zoumana in Ghana.

Zoumana aus der Côte d‘Ivoire besuchte meine Familie im August 2015 für zwei Wochen. Dieser Besuch war Teil seines Aufenthalts, den er über das deutsche Goethe-Institut bekommen hat.

Zoumana und ich hatten auf Grund meines Ghanaaufenthaltes schnell Anknüpfungspunkte und verstanden uns sehr gut. In der kurzen Zeit, die er bei uns war, wurde er Teil meiner Familie. Auch nach seiner Rückkehr, hielten wir regen Kontakt über Facebook und Whatsapp. Anrufe waren nicht selten. So verloren wir uns nicht aus den Augen.

Als ich meinen Urlaub nach Ghana plante, war daher schnell beschlossen, dass mein großer Bruder aus der Côte d‘Ivoire mich besuchen würde, wenn ich ihm ohnehin so nah bin.

Wir trafen uns an der Küste von Ghana in Cape Coast für ein Wochenende. Denn nach langem hin und her stellten wir fest, dass dies die Reisemitte für uns beide war. Es war ein super schönes Wochenende. Wir besuchten den Kakum Nationalpark, genossen das Meer, trafen Freunde von mir und hatten jede Menge Spaß. Es war genau wie vorher in Deutschland und nichts war anders. Geschwisterliebe ist einfach überall auf der Welt gleich.

Astrid

1. März 2016
Gastfamilie seit 20 Jahren

Weihnachten stand vor der Tür und uns stellte sich nicht die Frage, ob wir wieder einen Gast von der Organisation Experiment e.V. einladen, sondern: „Welcher interessante Gast wird es diesmal sein?“

Es gehört schon seit fast 20 Jahren zu unserer Tradition, Weihnachten mit einem Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu verbringen und somit einen Studenten an unserem speziellen Fest teilhaben zu lassen. Obwohl wir schon oft Asiaten bei uns hatten, wurde es wieder eine Chinesin. Viele dieser Studenten kennen kein Weihnachtsfest und auch keine Silvesterfeier und würden somit während dieser Zeit alleine im Studentenwohnheim sein.

Schnell fanden wir eine Person, von der wir meinten, dass sie gut zu unserer Familie passen würde. Die junge Studentin hieß Rongmei und per E-Mail konnten wir bald Kontakt zu ihr aufnehmen.

Das erste Zusammentreffen war und bleibt immer spannend und aufregend, obwohl man schon so viel Erfahrung hat. Aber wir haben Rongmei sehr schnell in unser Herz geschlossen und sie als unsere chinesische Tochter und Schwester angenommen.

Das Schmücken des Weihnachtsbaumes und das Fest mit Geschichten, Liedern und Geschenken sowie der Kirchgang waren für sie eine besondere Erfahrung, aber auch mit uns gemeinsam in „unser“ neues Jahr zu gehen.

Sie hat sich sehr schnell eingelebt und war für jede Unternehmung bereit und dankbar. Wir konnten viel über ihr Leben und ihre Familie in China erfahren und verbrachten so manche Stunden mit interessanten Gesprächen. Wir haben auch gelernt, dass das „chinesische“ Schachspielen nichts mit unserem zu tun hat, wie man aus Papier Kraniche faltet und dass chinesisches Essen immer wieder lecker schmeckt. Aber auch unser deutsches Essen kam immer gut an bei ihr, was wir erstaunlich fanden.

Die gemeinsame Zeit verging wie im Fluge und der Abschied kam schneller als einem lieb war. Zum Glück wird sie uns demnächst noch einmal für einige Tage besuchen, bevor sie wieder zurück in ihre Heimat reisen muss.

Zum Schluss ein paar Zeilen von Rongmei:
„Die Zeit in der Gastfamilie vergeht sehr schnell. Ich finde sehr sehr gut und gluecklich mit meiner Gastfamilie Graef, kennen zu lernen. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und sie sind sehr nett fuer mich. Wir haben den Weihnachten und Silvester zusammen gefeiert. Das ist die erste mal, dass ich den Weihnachten gefeiert hat. Ich habe mich wie zu Hause mit meiner Familie in der Zeit des Fruehlingsfest gefuehlt. Und was wichtig ist, dass ich jetzt eine neue Familie in Deutschland habe. Ich hoffe, in der Zukunft koennen wir immer Kontakt haben.“

Gastfamilie sein macht uns viel Freude und ist eine große Abwechslung in unserem normalen Alltag. Wir freuen uns schon wieder auf unseren nächsten Gast, es wird wieder eine Chinesin sein und sie kommt schon bald zu uns.

Familie Graef aus Hatten-Sandkrug

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