Erfahrungsberichte

  • 1 von 13
7. März 2018
Mein Auslandsjahr in Polen...

Als ich Ende August letzten Jahres in Polen, genauer gesagt in Bialystok, angekommen bin, wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Jetzt ist es schon ein halbes Jahr her, dass ich hier bin und ich kann sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war zu kommen!

Mein Team, welches aus drei Leuten besteht, arbeitet drei Tage in der Woche in Czerwony Bor, einem Flüchtlingszentrum eine Stunde von Bialystok entfernt. Zusammen mit weiteren Wohnungen und einem Supermarkt ist es in einem Wald gelegen. Dort befinden sich Flüchtlinge aus Tschetschenien und der Ukraine. Dienstagmorgens kommen wir an und donnerstagnachmittags sind wir wieder zurück in Bialystok.

Unsere Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Vormittags arbeiten wir im Kindergarten. Jede Woche haben wir ein anderes Thema. Die letzte Woche war es Musik, die kommende Woche werden wir alles zum Thema Theater machen. Für die jeweiligen Themen bereiten wir verschiedene Aktivitäten vor. Letzte Woche haben wir z. B. Gitarren und Flöten zusammen mit den Kindern gebastelt. Außerdem haben wir dem Regen und dem Wind gelauscht und die Kinder mussten die richtige Bezeichnung zuordnen.

Die Kinder sind mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich freue mich jedes Mal sehr, sie wiederzusehen. Es ist schön die Entwicklung bei jedem Kind sehen zu können. Wir bekommen den Prozess mit und wir sehen die Auswirkung, die unsere Arbeit auf die Kinder hat. Sei es, dass nun mehr Kinder als zuvor die Farben den Begriffen richtig zuordnen können, oder dass sie nun im Stande sind bis fünf zählen zu können.

An den Nachmittagen, die uns dort bleiben, arbeiten wir auch mit älteren Kindern zusammen. Es ist eine bunte Gruppe, die uns immer begrüßt, wenn wir ankommen. In diesem Projekt haben wir die Freiheit diese Nachmittage individuell zu gestalten. Wir basteln mit den Kindern, helfen ihnen bei den Hausaufgaben und tanzen mit ihnen. Vor kurzem haben wir eine „Kinderdisco“ veranstaltet. Wir haben mit ihnen getanzt und hatten einige Bewegungsspiele und Tänze vorbereitet. Einige Mütter sind auch gekommen. Sie haben das Ereignis gefilmt und uns gezeigt, wie man zu tschetschenischer Musik tanzt. Es war wirklich eine sehr schöne Zeit.

Die Arbeit mit den Kindern macht sehr viel Spaß und gibt mir sehr viel zurück. Die Freude mit der sie einen begrüßen oder die Standhaftigkeit mit der sie uns abends nicht gehen lassen wollen, zeigt mir immer wieder, dass das was wir machen, Früchte trägt.

Anfangs war das Ganze jedoch nicht so leicht. Ich hatte Zweifel, ob ich meine Arbeit dort gut machen kann. Ich war auch besorgt mit den älteren Kindern zu arbeiten. Was mir auch Sorgen bereitet hat, ist das wir die Sprache, die die Kinder sprechen, nicht beherrschen. Die meisten sprechen Russisch oder Tschetschenisch. Polnisch verstehen die meisten gut, aber viele Dinge können wir auf Polnisch noch nicht ausdrücken.

Aber hier bin ich mit meinen Aufgaben gewachsen. Mir ist klar geworden dass ich nicht alleine bin. Wir sind insgesamt 7 Freiwillige, da 4 andere in Bialystok arbeiten. Wir helfen uns gegenseitig, wenn jemand ein Problem hat. Unsere Mentoren sind auch immer für uns da. Das Problem mit der Sprache lösen wir mit Körpersprache und Gesten. Bis jetzt haben wir viele Phrasen und neue Wörter kennengelernt, die uns in der Arbeit mit den Kindern helfen und mit der Zeit werden es immer mehr. Mein Aufenthalt hier zeigt mir aber auch, dass ich auch selbstständig zurechtkomme und gibt mir das Vertrauen, dass ich mich auch auf mich selbst verlassen kann.

Dieses Auslandsjahr ist für mich eine Bereicherung. Wir lernen neue Kulturen und Menschen aus anderen Ländern kennen. Langeweile kommt nicht auf, da wir auch Workshops z. B. über unsere Heimatländer an Schulen halten. Hier kann ich auch mein Hobby, das Tanzen, weiterführen. Ich habe auch schon einige Tanzworkshops/-stunden für die Flüchtlingskinder in Bialystok vorbereitet. An Wochenenden haben wir außerdem die Möglichkeit zu reisen und Polen besser kennenzulernen.

Ich bin sehr froh hier zu sein und kann diese Erfahrung, ein Jahr in einem fremden Land zu leben, nur weiterempfehlen.

Melika

12. Dezember 2017
IJFD-Zwischenbericht: Sechs Monate in dem Land mit tausend Gesichtern

Das ewige Grün des tropischen Südindiens zieht an meinen Augen vorbei. So schön ist diese Naturpracht, dass ich mich gar nicht satt sehen kann. Mit den zwischen Palmen auftauchenden Häusern und kleinen Shops, die in unseren Augen etwas heruntergekommen aussehen, tauchen auch in meinem Kopf Fragen auf. „Bist Du wirklich bereit dafür? Weißt Du, was alles auf Dich zukommen kann?“ Das erste Mal habe ich soeben indischen Boden betreten und werde jetzt mit der Gruppe von Freiwilligen in das Camp von FSL gebracht, wo unser einwöchiges Orientierungsseminar auf uns wartet.

Angekommen sind alle fasziniert von dem schönen, direkt in der Natur liegenden Center, in dem wir von unglaublich aufgeschlossenen und netten FSL-Teamern willkommen geheißen und auf unseren Aufenthalt in diesem vielseitigen Land vorbereitet werden. Das geschieht durch Kennenlernspiele, Workshops und Sessions, die alle wichtigen Themen abdecken: Sowohl der Lebensstil in Indien, Wertschätzung der Kultur, Verhaltensregeln- und Tipps, kurze Einführungen in den Hinduismus und die indische Pädagogik, als auch persönliche Vorbereitungen auf die emotionale Belastung, die bei dem einen oder anderen wahrscheinlich etwas stärker ausgeprägt sein wird. Bei mir persönlich ist das zum Glück nicht der Fall. Ich habe mich sehr gut mit meinen sechs Monaten angefreundet und kann es kaum erwarten, was ich in diesem vielseitigen Land alles erleben und sehen werde. Je mehr Zeit ich hier verbringe, desto wohler und sicherer fühle ich mich hier. Das schwappt auch bis nach Deutschland auf meine Familie über, die nach jeder Nachricht etwas beruhigter wird. Allgemein habe ich den Eindruck, dass FSL India den perfekten Rahmen schafft, um sich sicher zu fühlen und sich orientieren zu können und trotzdem bleibt genug Freiraum für eigene Vorhaben und Wochenendreisen, sodass ich auch außerhalb meiner schönen Stadt noch etwas von Indiens Vielfältigkeit mitkriege.

In Mysore habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt, vor allem weil die Stadt für indische Verhältnisse als sehr saubere und kühle bekannt ist. Das Schönste ist aber, welches Glück ich mit meiner Gastfamilie habe: Seit dem ersten Tag wurde ich herzlich in der vierköpfigen Familie willkommen geheißen und fühle mich, als hätte ich am anderen Ende der Welt ein zweites Zuhause gefunden – ein unglaublich überwältigendes Gefühl. Als erste Freiwillige wird mir alles erklärt, Familienalben von Hochzeiten gezeigt, ich habe ein Kochbuch mit Rezepten von meiner Gastmutter angefangen, weil ihre indischen Gerichte einfach unglaublich gut schmecken. Wenn ich nach Hause komme, rennen mir die beiden Kleinen freudig entgegen und wollen ihre Lieblingsspiele mit mir spielen, am liebsten jede freie Minute. Auch die Oma hat tierischen Spaß an dem „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel aus Deutschland, das inzwischen zu unserer Abendroutine geworden ist. Die Oma kann im Gegensatz zu ihren unbarmherzigen „Rausschmeißattacken“ im Spiel im echten Leben wirklich liebevoll sein, indem sie mir, wenn mich mal eine Erkältung erwischt, Tee ans Bett bringt und extra Essen kocht, das „very good for health“ sein soll. Ich wohne für zwei Monate mit einer Mitfreiwilligen aus Deutschland zusammen in einem Zimmer, was auch sehr gut funktioniert. Es ist schön jemanden zu haben, mit der man reden kann und zusammen nach Hause geht usw. Die Situation in der Gastfamilie könnte für mich also nicht besser sein und ich möchte gar nicht an den Abschied denken.

Ich bin in einer NGO namens ‚Don Bosco‘ eingesetzt, die sich zusammen mit den United Nations und UNICEF für Kinderrechte einsetzt. Es gibt mehrerer Programme, die für Schulabbrecher, ärmere und ungebildete Jugendliche und ehemalige Kinderarbeiter ausgelegt sind. Um diese Jugend an die Bildung heranzuführen, gehen meine Mitfreiwillige und ich mit den Lehrern durch ärmere Gebiete und Slums, in denen sie Informationen über die Trainingsprogramme von Don Bosco geben. Wir begleiten zwar nur, aber es ist von der persönlichen Erfahrung sehr wertvoll, denn so bekommen wir die Chance, auch andere Teile der Stadt zu sehen und vor allem mehr über das tägliche Leben in Indien zu erfahren. Egal, wie arm die Familie ist, die Gastfreundschaft ist oberstes Gebot und das ist unglaublich zu sehen. Auch wird einem noch mehr bewusst, wie anders das Leben verläuft, wenn man an einem anderen Fleck der Erde geboren wurde. Viele Bilder, die ich bei der Arbeit vormittags sehe, regen mich sehr zum Nachdenken an. Es ist ein sehr schönes Gefühl, Mädchen zur Schule kommen zu sehen, die man zuvor in ihrer Familie besucht hat, zuhause arbeitend oder schon früh verheiratet. Dabei spielt es für die christliche Organisation keine Rolle, welcher Religion die Schüler angehören. Viele der Lehrer haben ähnliche Geschichten wie die Schüler hinter sich und wurden vom Father der Organisation aus der Kinderarbeit gerettet. Allein das inspiriert selbst Gutes zu tun, um etwas zurückzugeben und den Kindern eine gute sichere Zukunft zu verschaffen. Wenn man mal nachdenkt, mit was die meisten von uns in Europa beschenkt werden, ist es eine ganze Menge, was man zurückgeben kann.

Das Verhältnis zu den Kollegen in der NGO sowie in der anderen Schule, in der ich eine Stunde am Tag ‚Basic English Grammar‘ unterrichte, ist sehr gut. Das Unterrichten an sich war am Anfang eine sehr große Herausforderung für mich, da es das erste Mal für mich war vor einer 5., 6. und 7. Klasse mit 50 indischen Schülern zu stehen, ohne zu wissen, wie weit sie im Englischen sind. Da es auch keine Einführungszeit gab, musste ich selbst Initiative ergreifen und ich habe mir ein englisches Grammatikbuch einer Lehrerin ausgeliehen, das jetzt als Grundlage meines Unterrichts dient. Da ich täglich die letzte Stunde des Tages habe, in der inhaltlich nicht mehr so viel gemacht wird, versuche ich die Grammatik mit Spielen, Mindmaps und Aufgaben aufzulockern. Für mich ist es schwierig, den Grad zwischen ‚zu verspielt‘ und ‚zu trocken‘ zu finden, da ich auf mich allein gestellt bin. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, Dinge auf die ich Wert lege, wie Hörverstehen oder Lernen vor der Klasse zu sprechen und zu präsentieren, umzusetzen. Es fühlt sich für mich sinnvoller an, solche Dinge zu machen, die das Selbstbewusstsein der Schüler stärken, da die indische Pädagogik meist nur auf die Gruppe, weniger aber auf die Individuen, eingeht. Auch meine Bastelvorschläge kamen bisher bei den Lehrern und Schülern gut an.

Mit der „local language“ Kannada komme ich inzwischen ganz gut klar, obwohl ich keine Kannada class bekomme, ist es mir möglich, die wichtigsten Wörter aufzuschnappen und sie anzuwenden. So kann ich zur Überraschung und großer Freude der Einwohner zumindest kleine Gespräche führen und auch das ein oder andere Geschäft auf dem Markt lässt sich mit den richtigen Sprachkenntnissen viel preiswerter machen. Apropos Markt: Ich bin ja, wie gesagt, eine der glücklichen Freiwilligen aus Mysore, das heißt ich kann mich nachmittags nach der Arbeit mit anderen Freiwilligen auf dem Räucherstäbchen-, Obst- und Gemüsemarkt treffen und bei einem Becher Chai über unsere Projekte reden oder den netten Verkäufer nach Preis-, Reise- oder Verhaltenstipps fragen.

Ich merke selbst an mir, dass ich generell viel aufgeschossener werde und es mir viel leichter fällt andere Menschen anzusprechen. So kommen viele neue und schöne Bekanntschaften zustande, die sich teilweise zu einer Freundschaft entwickeln. Egal ob mitten auf der Straße, beim Schuhputzer oder mit Mädchen, die man jeden Tag im Bus sieht, überall wird man angesprochen oder einfach nur mit einem freundlichen `Welcome to India` oder ´Hast du gegessen?` begrüßt, was hier in einem Land, das viel von Armut geprägt ist, die wichtigste Frage ist. Das tägliche Leben wird trotz des Alltags nicht langweilig, da durch die ganzen Festivals, die in Indien gefeiert werden, immer was anderes los ist. Auch Wochenendtrips machen die Zeit hier sehr abwechslungsreich. So habe ich an einem International Team Leader Training von FSL India teilgenommen, durch das ich jetzt in der Lage bin, Workcamps für Freiwillige selbst mit zu leiten. Diese Erfahrung in der Multikulti-Gruppe war sehr bereichernd und ich plane ein solches Workcamp an meinen Freiwilligendienst anzuschließen, um noch mehr Erfahrungen zu sammeln und die Arbeit zusammen mit einem Team leiten kann. Ich hoffe, dass ich dabei noch mehr über mich hinaus wachse. Für mich ist das ein sehr positives Zeichen, dass ich eigentlich noch länger hier bleiben könnte. Ich habe Indien und das Leben hier schon sehr in mein Herz geschlossen. Verschönerungsarbeit in der Schule und ein Umweltprojekt ist in Planung, wird aber erst im zweiten Teil meines Aufenthalts und mit der Erlaubnis des Schulleiters umsetzbar.

23. Oktober 2017
Freiwilligendienst mit 17 – eine tolle Erfahrung in Ecuador

Meine geplanten sechs Monate Freiwilligendienst mussten zwar auf 11 Wochen verkürzt werden, dennoch habe ich eine Vielzahl an neuen und spannenden Erfahrungen im Land Ecuador gesammelt.

Meine Reise begann mit einem 11-stündigen Flug nach Quito, wo ich am Flughafen von Noemi und Luis abgeholt wurde. Im Anschluss habe ich dann direkt meine Gastfamilie kennengelernt und durfte bei ihr einziehen. Meine Gastfamilie nahm mich direkt mit der stürmischen ecuadorianischen Mentalität in ihre Familie auf. Die Familie bestand aus drei Personen: Martha, Martin (mein Gastbruder) und Carol (meine Gastschwester). Doch auch wenn ich sehr gerne meine gesamte erste Zeit mit der Gastfamilie verbracht hätte, waren meine ersten vier Wochen in Quito schon voll mit Programm: Morgens Sprachschule, danach teilweise Besichtigungen und an den Wochenenden Ausflüge, zum Beispiel nach Otavalo. Zeit für einen richtigen Kulturschock blieb mir da fast gar nicht, weil ich abends todmüde ins Bett fiel und einfach sofort einschlafen musste. Die vier Wochen waren so schnell vorbei, wie sie angefangen hatten.

In das Urwalddörfchen Ahuano, in dem ich meinen wirklichen Dienst ableisten würde, kam man nach einer fünfstündigen Taxifahrt nur durch Überquerung eines Flusses, dem Rio Napo. Schon da wurde mir klar, dass sich das Leben im Regenwald noch einmal enorm vom Leben in Quito unterschied. Anders als meine Gastfamilie in Quito konnte meine Gastfamilie in Ahuano überhaupt kein Englisch, was ich allerdings super fand, da ich dadurch mein Spanisch einfach verbessern musste. Meine Familie lebte in einem selbstgebauten Haus – es ist aber anders als man sich das vorstellt, denn das Haus der Gastfamilie war eins der schönsten, die ich je gesehen habe. Mein Gastvater German hatte es selbst gebaut und es war einfach ein Träumchen. Der Familienwechsel tat mir gut, da meine Gastfamilie in Quito gegen Ende das Interesse an mir verloren zu haben schien. Meine Gastfamilie in Ahuano bestand aus sechs Personen: meinen drei kleinen Schwestern Dulce, Paulina und Christina, meinen Gasteltern German und Narcissa und dem Hausmädchen Kati. Auch die zwei Katzen und Hühner waren Teil der Familie, auch wenn mir nach ein paar Tagen auffiel, dass es überraschend oft Huhn zum Frühstück gab.

In Ahuano wurden mir insgesamt die Entwicklungsunterschiede in Ecuador noch einmal richtig bewusst. Ahuano besteht zu 70% aus sogenannten Kitchuas, den Eingeborenen. Die Kinder von diesen sollte ich unterrichten und ich war doch sehr überrascht, dass diese kein Papier, keine Stifte und erst recht keine Schere zu Hause hatten. Als ich einmal Aufkleber in die Schule mitgebracht habe, war dementsprechend die Aufregung groß. Doch nichts destotrotz konnte man die Freude den Kindern ansehen und auch die Bereitschaft zu lernen war groß. Auch wenn ihr Englisch sich nach meiner Zeit nicht wirklich verbessert hatte, bin ich der festen Überzeugung, dass es für die Kinder schön und bereichernd war, auch mal mit Farben malen zu können oder Memory zu spielen, weil das bei ihnen zu Hause nicht immer möglich war.

An das Leben außerhalb der Zivilisation (was so auch nicht ganz stimmt, weil es doch eine Einkaufsstraße mit vier Kiosken und ein paar Ständen gab), konnte ich mich schnell gewöhnen. Meine Gastfamilie zeigte mir die schönen und die problematischen Seiten des Regenwaldes und Ahuanos. Ein großes Problem stellt zum Beispiel das junge Alter dar, in dem viele Mädchen schwanger werden, manchmal schon mit 13 oder 14. Meine Gastmutter, die als Krankenschwester arbeitet, versucht hier eine grundsätzliche Aufklärung zu schaffen, doch von Verhütung war hier beispielsweise nie die Rede.
Trotz dem ungewohnten Lebensstil vergingen die sieben Wochen im Regenwald viel zu schnell und ich war ein bisschen traurig, als ich (wegen der Uni) dann doch schon so früh zurückkehren musste. Ich komme auf jeden Fall irgendwann wieder!

7. September 2017
Jugendbegegnung in Tschechien 2017

Sieben verschiedene Länder, sieben verschiedene Kulturen, eine große Jugendgruppe und alle an einem Ort aus demselben Grund versammelt. Der Jugendaustausch in Tschechien hatte verschiedene Ziele. Zum einen sollte ein Film über ein tschechisches Märchen gedreht werden, zum anderen sollten sich die teilnehmenden Jugendlichen aus den Ländern Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen, Griechenland, Tschechien und Deutschland untereinander austauschen, ihre unterschiedlichen Kulturen kennenlernen und sich gemeinsam über Themen wie Vorurteile, Nachrichten und Flüchtlinge unterhalten.

Für mich war das ganze Projekt eine spannende Erfahrung. Da der ganze erste Tag mit Kennenlernspielen und Ice-Breakern gefüllt war, wurde ganz schnell dafür gesorgt, dass die gesamte, aus fast 40 Jugendlichen bestehende, Gruppe eine Einheit gebildet hat und sich die Länder nicht voneinander abgegrenzt haben. Dadurch hat das ganze Projekt sehr gut funktioniert, denn für den Filmdreh musste viel zusammengearbeitet werden, um sich für jede Szene etwas Passendes zu überlegen und das dann auch gut einzustudieren.

Wie bereits erwähnt ging es in dem Film um ein tschechisches Märchen. Eine Prinzessin flüchtet vor einem bösen Zauberer und sucht mit dem jungen Honza, alle Gegenstände um den bösen Zauberer zu besiegen. Dabei begegnen die beiden unter anderem Feen, Teufeln und Hexen. Jeder im Projekt hat mindestens eine Rolle bekommen und jede Gruppe bestehend aus Feen, Teufeln oder Hexen hat eine Choreographie zusammengestellt und diese dann beim Dreh getanzt. Der gesamte Prozess beim Filmdrehen war auch sehr interessant. Eigentlich weiß man, wie viel Arbeit hinter einer Szene steckt, aber wenn man selbst dabei war, bekommt man noch einmal mehr mit, wie viel Vorbereitung jede Szene benötigt. Allein Make-Up, Kostüme und das Skript sind schon aufwändig.

Wenn man gerade nicht für eine Szene beim Film gebraucht wurde, dann arbeitete man an verschiedenen Workshops. Es wurde darüber geredet, welche Vorurteile man von den sieben Ländern der Jugendlichen hat, wie jeder mit Nachrichten umgeht und es wurde auch über die Flüchtlingssituation gesprochen. Aus Zeitmangel war allerdings oft sehr wenig Raum für tiefergehende Diskussionen vorhanden. Trotzdem fand ich vor allem die Gespräche über die Vorurteile sehr spannend.

Jeden Abend gab es außerdem eine „kulturelle Stunde“ in der sich immer ein Land selbst vorgestellt hat. Jedes Land hat typisches Essen und Getränke mitgebracht, die probiert werden konnten, und es wurde immer mindestens ein Nationaltanz vorgeführt. Außerdem bemühte sich jeder den anderen die leichtesten Schritte aus Tänzen von der eigenen Nation beizubringen, was sehr viel Spaß gemacht hat. Jeder dieser Abende war richtig interessant, vor allem da ich selbst beispielsweise über Bulgarien, Lettland und Litauen gar nicht viel gewusst habe.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich sehr froh bin, Teil dieses Projektes gewesen zu sein. Ich habe ganz viele neue Leute kennengelernt und habe neues über manche Länder erfahren und dadurch schon ein paar neue Reiseziele gewonnen, da es jetzt noch mehr Länder gibt, die ich sehr gerne selbst einmal besichtigen möchte. Außerdem konnte ich genauer miterleben was für Schritte bei einem Filmdreh benötigt werden. Es war also eine sehr erfahrungsreiche und interessante Woche für mich!

30. Mai 2017
Meine zweite Heimat – IJFD 2016 in Thailand

Nach 3 Monaten habe ich das Gefühl gehabt, richtig Zuhause angekommen zu sein. Zur Partnerorganisation hat man engen Kontakt durch das Family-Dinner jeden Mittwoch. Wir haben nicht nur Organisationspunkte besprochen, sondern haben auch in der Freizeit viel zusammen unternommen wie z.B. Essen gehen, in einen Jazzclub gehen etc. Durch Wad (CCT-Direktor) haben wir auch viel Hilfe und Unterstützung bekommen (als wir z.B. nach Vietnam wegen unseres Visas mussten). Ich bin froh CCT meine Familie nennen zu können.

Englisch zu sprechen fällt mir von Tag zu Tag leichter, da man sich in seinem Umfeld (Arbeit, WG, Cafés, Restaurants, Märkte etc.) nur mit Englisch zurechtfindet bzw. auch im Alltag nur Thai oder Englisch gesprochen wird. Die Unsicherheit und Angst Englisch zu sprechen ist wie weggeblasen. Da wir auch viele WG-Mitglieder aus englischsprachigen Ländern haben, ergibt sich sogar immer die Möglichkeit verbessert zu werden.

Ich selbst bin an das WG-Leben schon vollkommen gewöhnt und komme auch super zurecht. An das Kommen und Gehen der Leute hat man sich schon einigermaßen gewöhnt. Jedoch gibt es 2-3 Leute, die auch mal Länger als 4-5 Wochen bleiben. Das ist sehr schön, da man auch engere Verbindungen knüpfen kann. Da fast alle aus unterschiedlichen Ländern kommen, ist in der WG ein erfrischender, multikultureller Mix vorhanden, der das WG-Leben versüßt. Wir unternehmen viel zusammen wie z.B. feiern gehen, essen gehen, Ausflüge an Wochenenden unternehmen, Chiang Mai erkunden etc.
Morgens stehen Sophie und ich als erstes auf, da Wildflower-Home-Mitarbeiter immer zuerst zur Arbeit gebracht werden und auch immer eher von der Arbeit abgeholt werden. Während wir auf der Arbeit sind kocht und putzt Ppon (unsere „Hausmutter“). Nachmittags bzw. eher abends essen Sophie und ich nach der Arbeit, gehen ins Fitnessstudio und genießen die paar Minuten Ruhe bevor die anderen kommen. Meistens ist es schon 19:00 oder 20:00 Uhr nachdem die anderen gegessen haben und wir sind oft alle sehr kaputt von der Arbeit, sodass wir Abends entweder zusammen einen Film schauen oder kurz in ein Café gehen um einen Tee oder so trinken.

An den Aufgaben im Wildflower Home hat sich nicht viel verändert. Sophie und ich wechseln uns ab mit der Kinderbetreuung. So ist sie z.B die erste Woche morgens bei den Kindern und ich mittags und die andere bei den Müttern und in der zweiten Woche ist es genau anders herum. Zu den Aufgaben gehören: mit den Müttern kochen, Holz hacken und zum Trocknen lagern, im Garten oder auf der Farm helfen, Unkraut zupfen, Englisch unterrichten, im Online-Shop helfen, indem man Sachen einpackt, Preisschilder entwirft etc., Facebook-Posts für Wildflower Home verfassen, putzen, einkaufen gehen…Sophie und ich durften sogar schon eigene Projekte leiten wie z.B Yoga, Ballett unterrichten, Zäune streichen, Weihnachtsplätzchen backen und Teelichter entwerfen. Unser Tag endet meistens um 15:30 /16:00 Uhr. Die Bindung zu den Kindern ist sehr eng und ich habe jedes einzelne ins Herz geschlossen. Dass viele Mütter kaum Englisch sprechen ist kein Problem mehr. Wir verstehen uns trotzdem, albern rum, reden und sind inzwischen schon Freunde. Erst hier wird mir deutlich, dass Sprache zwar sehr wichtig ist, aber nicht immer unbedingt notwendig, um miteinander gut auszukommen.

Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Arbeit, durch die Mütter und durch die Kinder viel mehr begreife und lerne als ich gedacht hätte. Hier lernt man geduldig zu sein, offen für alles zu sein, nicht zu urteilen, Dankbarkeit, Sachen hinzunehmen wie sie sind, anstatt wütend zu werden, glücklich über Kleinigkeiten zu sein und vieles mehr, was ich nicht in Worte fassen kann. Probleme gibt es kaum noch auf der Arbeit, da man sich an den Arbeitsalltag und an die Kinder und Mütter gewöhnt hat und gelernt hat auf die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Im weiteren Verlauf wurde ich auch immer stressresistenter und habe mich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Meine Pläne konnte ich insofern umsetzen, dass ich mit den Müttern die Gärten von Unkraut befreien konnte und somit wieder die Möglichkeit bestand Obst und Gemüse anzupflanzen.

Thailand fühlt sich nicht mehr wie ein fremdes, geheimnisvolles Land an. Es ist meine Heimat geworden. Ich habe sowohl den Norden als auch den Süden des Landes kennengelernt. Während meines Aufenthaltes habe ich viele wichtige Menschen getroffen, die mir ans Herz gewachsen sind. Mit ihnen verbinden mich viele schöne Momente. Ich komme mir nicht mehr vor wie ein Außenstehender, denn ich habe mit Thais gelebt, sie jeden Tag erlebt, deren köstliche Nahrung gegessen und ihre Kultur und Religion kennengelernt.

Der Abschied fiel mir sehr schwer. Es gab eine große Abschiedsfeier und es war schön zu sehen, wie viele Leute gekommen sind: Unsere WG-Mitglieder, CCT, andere Freiwillige, Backpacker und andere Einheimische. Ich bin mit einem lachenden und weinenden Auge gegangen. Ich bin froh Thailand meine Heimat nennen zu können.

  • 1 von 13